PfadnavigationHomeSportFußballWMNationalmannschaftDer bemerkenswert deutliche Appell von Rudi VöllerStand: 18:23 UhrLesedauer: 7 MinutenNach der 1:2-Niederlage der deutschen Nationalmannschaft im dritten Gruppenspiel gibt es Zweifel an der Taktik des Bundestrainers. Trotz der Stammelf konnte das Team nicht überzeugen. „Das ist natürlich ein schlechtes Zeichen“, sagt Jens Lehmann.Rudi Völler ist bei dieser WM die Vaterfigur für Julian Nagelsmann. Vor dem ersten K.-o.-Spiel gegen Paraguay stärkt der Sportchef dem Bundestrainer den Rücken und nimmt vor allem zwei Offensivstars in die Pflicht.Zu seinem mit Spannung erwarteten Auftritt kam er überpünktlich. Eine Minute vor zehn Uhr am Samstagvormittag setzte sich Rudi Völler auf das Podium im Auditorium der Wake Forest University in Winston-Salem. Es war der Beginn eines rund 25 Minuten langen Auftritts auf dem Trainingsgelände der Fußball-Nationalmannschaft, der bemerkenswert war. Aus mehreren Gründen.Völlers offizieller Jobtitel seit rund drei Jahren: Sportdirektor der Nationalmannschaft im Deutschen Fußball-Bund (DFB). Tatsächlich ist der 66-Jährige viel mehr als das. Sportlegende, Weltmeister – und laut dem 38-jährigen Julian Nagelsmann eine Art väterliche Figur für den Bundestrainer. Für Völler ist es die fünfte WM: erst Weltklasse-Stürmer, dann Teamchef, jetzt Direktor. Und ein verbaler Bodyguard Nagelsmanns.Nach dem 1:2 gegen Ecuador im letzten Gruppenspiel gibt es Kritik. Am Bundestrainer – und an der Mannschaft. Es geht unter anderem um fehlende Körperlichkeit auf dem Rasen, umstrittene Spielerwechsel während der Partie und Probleme in der Offensive. Völler machte direkt zu Beginn seiner Pressekonferenz klar, dass er sich auf das Positive konzentriert. Und die Kritik nicht zu hoch hängen will. „Vor zwei, drei Wochen hätten wir alle gut damit leben können, bereits nach zwei Spieltagen Gruppenerster zu sein“, betonte er.Am Sonntag reisen Nagelsmann und er mit der Mannschaft nach Boston, am Montag (22.30 Uhr, ZDF, MagentaTV und Liveticker bei WELT) tritt Deutschland im Sechzehntelfinale in Foxborough gegen Paraguay an. Das erste K.o.-Spiel für Nagelsmann bei einer WM.Die Südamerikaner spielen nicht spektakulär, verteidigen dafür konsequent und kämpfen um jeden Meter. Sie gewannen 1:0 gegen die Türkei, es könnte ein aufreibendes Geduldsspiel für Deutschland werden. „Der Glaube ist da, dass wir Montag alles rausholen“, sagte Völler. „Dass wir absolut ans Limit gehen, ein richtig gutes Spiel machen und natürlich in die nächste Runde einziehen. Das ist ein K.o.-Spiel: Runde weiter oder nach Hause fahren.“Lesen Sie auchGlaube und Hoffnung – diese Wörter benutzte er Samstag mehrfach. Völler strahlte ehrlichen Optimismus aus und verbreitete im deutschen WM-Quartier Zuversicht. Er betonte, es gebe keinen Grund, Nagelsmann dauernd in Schutz nehmen zu müssen. Und doch war Völlers dritter öffentlicher Auftritt vor und während dieser WM wieder einer, in dem er den Bundestrainer den Rücken stärkte.Lesen Sie auchWELT fragte Völler: Wie ist das Verhältnis zwischen Nagelsmann und ihm? Hört Nagelsmann auch mal auf seinen Rat? Um im vom Trainer gewählten Bild zu bleiben: Nimmt der Sohn die Empfehlungen des Vaters an?„Wir arbeiten ganz eng zusammen“, antwortete der DFB-Direktor. „Julian ist ein absoluter Toptrainer. Es gibt Menschen, die auch eine andere Meinung haben, damit kann er gut umgehen.“ Wenn es zu wild werde mit Kritik von außerhalb, könne er auch was dazu sagen, sagte Völler. „Er ist ein sehr erfahrener Trainer, der weiß, was er zu tun hat, wenn es ein bisschen kritisch wird“, so Völler. Auch die Assistenztrainer seien da wichtig.Nagelsmanns Wechsel gegen Ecuador sehen viele kritisch. Er brachte unter anderem Pascal Groß in die Partie, Stürmer Nick Woltemade ist bei der WM weiterhin ohne Spielminute. Völler betonte, die Wechsel seien abgesprochen und richtig gewesen. Er habe darüber vorab Bescheid gewusst.Sollte Deutschland gegen Paraguay gewinnen, könnte es ein Achtelfinale gegen Frankreich geben. Im Viertelfinale könnte es gegen die Niederlande gehen, im Halbfinale gegen Europameister Spanien. Mit solchen möglichen Zukunftsszenarien mochte sich Völler in Winston-Salem noch nicht beschäftigen. Er betonte, dass jetzt erstmal das Spiel gegen Paraguay anstehe. Seine Botschaft war klar: Nicht zu weit blicken, den Gegner total ernst nehmen. Dann sagte er aber doch etwas zu Frankreich und der Stärke der deutschen Mannschaft: „Ich glaube, wir haben eine Mannschaft, die an richtig guten Tagen, wenn sie am Limit spielt, gegen jede Mannschaft gewinnen kann“, so Völler. Dass Frankreich ein Favorit auf den Titelgewinn ist, sei ja keine neue Erkenntnis. Er sei aber völlig beruhigt und relaxed, „weil ich weiß, dass die Mannschaft am Montag alles raushauen wird.“Völler zog ein Fazit der deutschen Gruppenphase. Gefallen habe ihm die „enorme Leidenschaft und der Kampfgeist“ gegen die Elfenbeinküste. Wie die Mannschaft das zweite Gruppenspiel drehte, sei vorbildlich gewesen. Gar nicht gefallen haben ihm die „unnötigen Ballverluste“ gegen Ecuador.Rudi Völler: „Da ist noch ein bisschen Luft nach oben“In der Partie gegen Paraguay und generell lebe man auch von Spielern, „die etwas kreieren, die in Dribblings gehen.“ Man müsse wenig Konter des Gegners zulassen, „das ist die größte Gefahr.“Chancen kreieren, in Dribblings gehen – das sind die Spezialitäten von Jamal Musiala und Florian Wirtz. Vielen Fans in Deutschland macht die Form der beiden Jungstars Sorgen. Insgesamt fehlte der Mannschaft zuletzt das Spiel in die Tiefe.Lesen Sie auchVöller formulierte bei dem Thema eine klare Forderung an die beiden 23-jährigen Offensivspieler Musiala und Wirtz: „Um die ganz großen Ziele zu erreichen, müssen diese Spieler liefern. Es ist ja klar, dass da noch ein bisschen Luft nach oben ist. Das wissen auch die Spieler“, so Völler, der die enorme Entwicklung der beiden in den vergangenen Jahren betonte. Kai Havertz (zwei Tore), Musiala (eins) und Wirtz (null) haben in der Vorrunde zusammen so oft getroffen wie der immer nur eingewechselte Top-Joker Deniz Undav (drei). „Jetzt geht die WM richtig los. Mein Glaube und meine Hoffnung sind da. Es fehlt nicht mehr viel, das Ding richtig zu zünden“, sagte er mit Blick auf Musiala und Wirtz. Und wurde deutlich: „Um bei dieser WM ganz weit zu kommen, muss es funktionieren.“1986 kam Völler als Stürmer nach einer Verletzung zur WM in Mexiko. Musiala war lange schwer verletzt, auch Stürmer Kai Havertz fiel mehrere Monate aus. „Gut zureden – kann man natürlich machen. Aber ein Spieler muss es selbst umsetzen“, so Völler. Und sagte in Bezug auf die erwartete Topleistung der beiden: „Man merkt bei Flo und Jamal, dass es gar nicht mehr so weit weg ist. Dass du das Gefühl hast, sie sind nah dran. Jamal hat schon ein Tor geschossen. Einerseits kann man sagen, Florian hätte vielleicht schon mal ein Tor schießen können. Aber es ist vielleicht auch gut, dann hat er noch viel im Köcher und kann jetzt am Montag damit anfangen oder auch in den nächsten Spielen. Viel fehlt nicht mehr. Deswegen denke ich, dass der komplette Fokus auf das Montagsspiel ist, dass sie da frisch sind und brennen.“ Und dann ist da natürlich noch die Diskussion um den Kapitän Joshua Kimmich. Völler bezeichnete den Star vom FC Bayern kürzlich als „Fahnenträger“ der deutschen Auswahl. Kimmich ist enorm engagiert, eine herausragende WM spielt er bislang nicht. Sollte Nagelsmann ihn von der rechten Verteidigerposition jetzt ins zentrale Mittelfeld ziehen? Dort spielt Kimmich bei Bayern. Die Diskussion kommt seit Monaten immer mal wieder auf.Völler nahm an diesem Wochenende auch Kimmich in Schutz: „Wir alle kennen Jo, er ist sehr verbissen. Und in jeder Hinsicht ein Topkapitän. Wir sind alle total zufrieden mit ihm, wie er sein Amt als Kapitän ausübt und wie er spielt. Er wird da spielen, wo es für die Mannschaft am besten ist. Er hilft uns enorm, auch auf der Position.“ Wäre er Bundestrainer – wo würde er Kimmich aufstellen? „Ich finde ihn auf beiden Positionen absolut top. Die Frage stellt sich gar nicht. Genau da, wo er jetzt spielt, ist er gut hingestellt.“Lesen Sie auchVöller hat besondere Erinnerungen an Paraguay. 2002 war er Teamchef der Nationalelf, bei der WM in Japan und Südkorea siegte Deutschland im Achtelfinale 1:0 gegen die Südamerikaner. Das Tor erzielte Oliver Neuville. Sollte es wieder so ausgehen, sagte Völler lächelnd, „könnte ich auch diesmal sehr gut damit leben.“Julien Wolff und Lars Gartenschläger sind Redakteure im Sportkompetenzcenter. Sie berichten für WELT seit Jahren über die Nationalmannschaft. Seit knapp vier Wochen sind sie für die Redaktion in den USA und schreiben von dort aus über die deutsche Auswahl bei der WM.
WM 2026: Der deutliche Appell des Rudi Völler - WELT
Rudi Völler ist bei dieser WM die Vaterfigur für Julian Nagelsmann. Vor dem ersten K.-o.-Spiel gegen Paraguay stärkt der Sportchef dem Bundestrainer den Rücken und nimmt vor allem zwei Offensivstars in die Pflicht.









