Es musste ja so kommen. Da sitzt ein Österreicher an seinem Schreibtisch, tunkt die Feder in bittersüßen Hochmut und gießt kübelweise Häme über ein Kulturgut, von dem er so viel versteht wie unsereiner von der richtigen Konsistenz einer Salzburger Nockerl. Auslöser des alpinen Schnappatmungsanfalls, der in einen Artikel in dieser Zeitung mündete: Das gute, alte DDR-Jägerschnitzel. Gebratene Jagdwurst in Panade, ertränkt in Tomatensoße, serviert mit Spirelli.
Da wird in Wien oder Innsbruck direkt der kulinarische Ausnahmezustand ausgerufen. „Ketzerei!“, hallt es aus dem Butterpfannerl, während das hauchdünne Kalb Wiener Art ehrfürchtig gewendet wird.
Streitthema DDR-Küche
„Im Namen des österreichischen Volkes“: Warum das DDR-Jägerschnitzel ein kulinarischer Affront ist
Lieber Herr, mal ganz im Vertrauen und mit elegant gerecktem Kinn: Was, bitteschön, erwarten Sie denn, wenn Sie in einer Kantine des Bezirksamts Berlin-Mitte für schmale 5,50 Euro ein Jägerschnitzel ordern? Das kulinarische Äquivalent zur Mailänder Scala? Sicher nicht. Und ein Vergleich mit dem heiligen Wiener Schnitzel verbietet sich schon aus Gründen der Physik. Dass die rote Soße direkt über die Panade gekippt wird – geschenkt, das ist rein logisch streitbar. Aber Logik hat beim Essen ohnehin Pause, wenn die Emotion das Zepter übernimmt.









