AnalyseWenn es im Geschäft harzt, vertrösten Unternehmen ihre Investoren häufig auf eine Wachstumsbeschleunigung im weiteren Jahresverlauf. Diese ist meist notwendig, um die eigenen Jahresziele zu erreichen. Für einige Gesellschaften steigt damit der Druck – sie müssen liefern, um eine Enttäuschung an der Börse zu vermeiden.Letzte Woche Kardex, diese Woche Bystronic: Innerhalb weniger Tage mussten zwei Schweizer Industrieunternehmen per Ad-hoc-Mitteilung über einen schwächer als erwartet ausfallenden Geschäftsverlauf informieren.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenThemarket.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Bei der Intralogistikspezialistin Kardex treffen hohe Investitionskosten auf eine temporäre Auftragsschwäche im margenstarken Segment Automated Products. Das wirkt sich unmittelbar auf die Profitabilität aus. Die Ebit-Marge soll im laufenden Jahr statt der mittelfristig angepeilten 10 bis 15% lediglich 8 bis 10% betragen. Die Aktien verloren am Montag letzter Woche daraufhin zweistellig.Der Maschinenhersteller Bystronic warnte am Montag, dass im laufenden Jahr keine Verbesserung der Profitabilität gegenüber dem Vorjahr mehr zu erwarten sei. Eine solche hatte das Unternehmen bei der bereits enttäuschenden Vorlage der Erstquartalszahlen im April noch in Aussicht gestellt. Die Aktien, die seit vier Jahren stetig an Wert verlieren, sackten am Montag nochmals zweistellig ab.Bekanntes Muster: die versprochene Erholung im zweiten HalbjahrNun ist wegen zweier Gewinnwarnungen innerhalb kurzer Zeit noch nicht aller Tage Abend. Die Schwäche bei Kardex dürfte eine vorübergehende Delle sein. Und dass Bystronic Probleme hat, ist nicht erst seit Montag bekannt. Immerhin steuert das auf Maschinen zur Blechbearbeitung spezialisierte Unternehmen auf das dritte Verlustjahr in Folge zu.Dennoch zeichnet sich ein Muster ab, das bereits im vergangenen Jahr zu beobachten war: Viele Unternehmen berichten im ersten Quartal von vorübergehenden Herausforderungen und Schwächen, stellen zugleich aber eine Besserung im weiteren Jahresverlauf in Aussicht – meist mit der Hoffnung verbunden, dass auch die Konjunktur wieder anzieht.The Market masst sich nicht an, die nächsten Kandidaten für Gewinnwarnungen auszurufen. Das wäre spekulativ und käme einem Blick in die Kristallkugel gleich. Dennoch lohnt sich ein Blick auf einige Unternehmen, bei denen der Markt im weiteren Jahresverlauf auf eine Verbesserung setzt. Denn dies birgt zumindest kurzfristig Enttäuschungspotenzial. Mit anderen Worten: Diese Unternehmen müssen liefern.Dormakaba unter ZugzwangEin klassisches Unternehmen unter Zugzwang ist Dormakaba. Der Schliesstechnikkonzern steigerte seinen Umsatz im ersten Halbjahr 2025/26 (per Ende Dezember) lediglich um 2%. Das Wachstum war dabei ausschliesslich Preiserhöhungen zu verdanken, während das Absatzvolumen um 0,6% zurückging.Für das Gesamtjahr peilt das Unternehmen dennoch ein Umsatzwachstum von 3 bis 6% an. Zwar hat CEO Till Reuter bereits signalisiert, dass wohl eher das untere Ende der Zielspanne erreichbar sein dürfte. Doch selbst dafür wäre im zweiten Halbjahr noch ein Umsatzwachstum von mindestens 4% notwendig.Das Unternehmen befindet sich in einem umfassenden Umbauprozess. Durch eine konsequente Fokussierung auf ausgewählte Märkte und Produkte in den USA sowie gezielte Kleinakquisitionen im Automatikbereich soll der Abstand zum Marktführer Assa Abloy reduziert werden.Das Programm «Shape4Growth» zeigt Fortschritte, doch die Aktien haben nach ihrer starken Erholung im letzten Sommer deutlich an Schwung verloren. Mehr werden Investoren planmässig am 1. September erfahren, wenn Dormakaba die Zahlen für das Gesamtjahr vorstellt.Sulzer hat ambitionierte MargenzieleOperativ präsentiert sich der Pumpenhersteller und -servicedienstleister Sulzer derzeit in einer gemischten Verfassung. Besonders der Bereich Chemtech, der auf Technologien zum Trennen und Mischen von Flüssigkeiten und Gasen spezialisiert ist, kämpft mit Gegenwind. Verzögerte Grossprojekte, die schwache Nachfrage aus China sowie eine allgemeine Investitionszurückhaltung aufgrund geopolitischer Unsicherheiten belasten das Geschäft. CEO Suzanne Thoma hat deshalb zusätzliche Kostensenkungen eingeleitet.Trotz der Unsicherheiten bestätigte Sulzer die Guidance für das Gesamtjahr sowohl im April im Rahmen eines Updates zum Bestellungseingang als auch vergangene Woche an der «Swiss Equities Conference 2026» der Finanzgruppe Oddo BHF in Interlaken. So rechnet das Unternehmen mit einem Auftragswachstum von 1 bis 5% und einem Umsatzplus von 2 bis 5%. Die Ebitda-Marge soll von 15,6 auf 16,5% steigen.«Die geplante Margenverbesserung von fast 100 Basispunkten bleibt die grösste Herausforderung für 2026», sagt Ken Wong, Co-Manager des IFS Swiss Small & Mid Cap Equity Funds. Eine solche setze zusätzliches Umsatzwachstum voraus. Angesichts des aktuellen Umfelds bleibe dies jedoch anspruchsvoll.Im Servicegeschäft ist die zugrunde liegende Nachfrage zwar intakt, viele Kunden verschieben jedoch notwendige Servicearbeiten – insbesondere in Bereichen wie Exploration und Raffinerien – und betreiben ihre Anlagen angesichts des hohen Ölpreises möglichst lange weiter. Sulzer erwartet hier ab dem vierten Quartal einen Nachholeffekt.Sollte sich die Lage im Irankrieg tatsächlich entspannen, wäre das gut für Sulzer. Doch zumindest bei den Halbjahreszahlen, die das Unternehmen am 28. Juli vorlegt, erwartet Wong ein Ergebnis unter den Konsensschätzungen.Aryzta: Konsumschwäche belastet weiterhinAuch bei Aryzta hält Wong eine Enttäuschung bei den Halbjahreszahlen für möglich. Operativ sei der Backwarenkonzern zwar sehr gut geführt, und die Bilanz verbessere sich stetig, womit auch die Wiederaufnahme der Dividendenzahlung näher rücke. «Gleichzeitig hinterlässt die schwache Konsumentenstimmung deutliche Spuren», sagt Wong. Die Konsumenten spürten weiterhin den Inflationsdruck und agierten entsprechend vorsichtiger. Zudem spielten die Vermeidung von Food Waste und ein stärkeres Preisbewusstsein eine immer wichtigere Rolle.Aryzta hält für das laufende Geschäftsjahr weiterhin ein Umsatzwachstum im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich für erreichbar. Auch bei der Profitabilität rechnet das Unternehmen unverändert mit einer leichten Verbesserung. Die Halbjahresergebnisse, die Aryzta am 10. August veröffentlicht, dürften gemäss Wong eher am unteren Ende der Guidance liegen. Positiv sei allerdings, dass die tiefe Bewertung die Herausforderungen im aktuellen Umfeld bereits spiegle.Bei Bucher ist eine Wachstumsbeschleunigung erforderlichEin Unternehmen, das ebenfalls liefern muss, ist Bucher Industries. Der Industrie-Mischkonzern enttäuschte im Frühling mit einem Rückgang des Auftragseingangs um rund 5% auf 643 Mio. Fr., der Umsatz sank 3,4% auf 725 Mio. Fr. Hauptverantwortlich für die Schwäche ist das wichtige Geschäft mit Landmaschinen, das weiterhin unter Druck steht und bei dem noch keine Besserung in Sicht ist.Der CEMA Business Climate Index, der die Stimmung unter europäischen Landmaschinenherstellern abbildet, liegt seit März wieder im negativen Bereich. Im Juni ist der Index nochmals deutlich gefallen – von –9 auf –20. Grund dürften vor allem gestiegene Inputkosten sein, etwa für Energie und Düngemittel.Dennoch hielt das Management bei der Ergebnispräsentation Ende April an seiner Prognose für das Gesamtjahr fest. Demnach soll der Umsatz bereinigt um Währungs- und Akquisitionseinflüsse trotz der Schwäche im ersten Quartal stabil bleiben. Zudem strebt man bei der Betriebsgewinnmarge – ohne Berücksichtigung des letztjährigen Sondergewinns aus einem Landverkauf – erneut ein Niveau von gut 8% an.Um diese Guidance zu erfüllen, ist im weiteren Jahresverlauf eine Wachstumsbeschleunigung erforderlich, was nicht einfach werden dürfte. Zusätzliche Unsicherheit bringt zudem das Wetter. Ein drohender «Super El Niño» könnte die landwirtschaftlichen Erträge schmälern und damit auch die Investitionsbereitschaft der Bauern dämpfen.Zehnder: Margenausblick zu optimistisch?Zwar hat der Raumluftspezialist Zehnder bislang keine konkrete Jahresprognose abgegeben – diese will das Unternehmen Anfang September zusammen mit den Ergebnissen zum ersten Halbjahr 2026 veröffentlichen. Doch gemäss Jean-Philippe Bertschy, Head of Swiss Equity Research bei Vontobel, dürfte der vom Analystenkonsens für das Gesamtjahr erwartete Margenanstieg von 50 bis 70 Basispunkten schwer zu erreichen sein.«Die Volumenerholung in Europa verläuft schleppend, und ein erneutes Auffüllen der Lagerbestände wie im Vorjahr ist nicht zu erwarten», sagt Bertschy. Dies könnte die Profitabilität im Gesamtjahr belasten. Zwar haben Konjunktursorgen in Europa und die schwache Bauwirtschaft die Aktien bereits unter Druck gesetzt. Eine Enttäuschung bei der Margenentwicklung dürfte der Markt jedoch noch nicht vollständig eingepreist haben.Immerhin könnte ein Abkommen zwischen den USA und Iran die Hoffnungen auf eine Konjunkturbelebung wieder aufleben lassen, wovon auch die Aktien von Zehnder profitieren würden.Jungfraubahn ist dem asiatischen Reiseaufkommen ausgesetztAuch bei der Jungfraubahn sieht Bertschy zunehmende Risiken. Die Besucherzahlen haben bereits abgenommen. Seit Jahresbeginn ist die Zahl der Gäste um 5,7% zurückgegangen, wobei das «Jungfraujoch – Top of Europe» mit einem Minus von 12,7% besonders stark betroffen war. Auch der Bereich Experience Mountains hat mit einem Rückgang von 9,6% deutlich an Dynamik eingebüsst.«Wir sehen das Jungfraujoch als das zentrale Risiko-Asset, das auf Experience Mountains ausstrahlen könnte», sagt Bertschy. Es generiert rund 62% der Transporterlöse und ist am stärksten dem asiatischen Reiseaufkommen ausgesetzt. Ein Grossteil der asiatischen Touristen reise über den Nahen Osten. Neben der verfügbaren Flugkapazität und der Sicherheit des Luftraums dürfte laut Bertschy vor allem die Reisestimmung entscheidend für eine Erholung sein.Die Chancen für eine Umsatzerholung 2026 hält er für begrenzt, da ausgefallene Besucher im weiteren Jahresverlauf kaum vollständig kompensiert werden dürften. «Bei einer weitgehend fixen Kostenstruktur schlagen schwächere Volumen rasch auf das Ergebnis durch», gibt Bertschy zu bedenken. Obwohl keine formelle Guidance vorliege, gehe er davon aus, dass die mittelfristigen Ziele des Unternehmens für Ebitda und Reingewinn im Gesamtjahr 2026 nicht erreicht werden.