KommentarAbwarten und Hoffen ist für viele Schweizer Industriefirmen keine Option mehr. Sie müssen ihre Kosten radikal senkenViele Schweizer Industrieunternehmen haben zu lange auf den Verbrennungsmotor und andere traditionelle Güter gesetzt. Das rächt sich nun.15.06.2026, 16.55 Uhr3 LeseminutenDer Berner Maschinenhersteller Bystronic kämpft mit anhaltendem Kostendruck. Seit Ende 2022 hat er in der Schweiz bereits 140 Stellen abgebaut.Karin Hofer / NZZFür die Aktionäre des grössten Schweizer Industriekonzerns ABB ist es in den letzten fünf Jahren glänzend gelaufen. Verglichen mit den Notierungen, die Mitte 2021 erreicht wurden, haben sie ihren Einsatz beinahe verdreifacht. ABB ist mit über 150 Milliarden Franken nun mehr wert als die Grossbank UBS und erst recht als die grossen Versicherer Zürich, Swiss Life und Swiss Re.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die Mitbesitzer von ABB konnten zuerst voll auf der Welle der Energiewende mitreiten. Danach profitierte ABB als Spezialist für Elektrifizierung auch stark vom Boom beim Bau riesiger Rechenzentren, die für das explosive Wachstum der künstlichen Intelligenz benötigt werden.Anleger verlieren VertrauenIm Schweizer Industriesektor ist die Erfolgsgeschichte von ABB indes eine Ausnahme. Anleger, die ihr Glück in Aktien traditioneller Maschinenhersteller suchten, haben in den vergangenen fünf Jahren hohe Kursverluste erlitten. So ging es für OC Oerlikon um 62 Prozent, für Komax um 75 Prozent und für Bystronic sogar um 86 Prozent nach unten. Auch die Titel der meisten Autozulieferer entwickelten sich katastrophal. Der Aktienkurs von Feintool beispielsweise brach um 75 Prozent ein.Diese Einbussen spiegeln einen riesigen Vertrauensverlust. Anders als ABB wurden diese Unternehmen vom konjunkturellen Abschwung voll erfasst, der grosse Teile der Industrie plagt.Die Firmen leiden darunter, dass besonders in Deutschland, dem wichtigsten Absatzmarkt der Schweizer Industrie, eine zähe Flaute herrscht. Zwar stieg die dortige Industrieproduktion im April um 0,4 Prozent gegenüber dem vorangegangenen Monat, doch mehr als ein laues Lüftchen war dies nicht. Gegenüber dem entsprechenden Vorjahresmonat resultierte ein Rückgang von 0,5 Prozent. Und schlimmer: Verglichen mit dem Stand vor der Pandemie liegt die Industrietätigkeit in Deutschland noch immer um 12 Prozent tiefer.Mit Volkswagen und Mercedes-Benz mitgehangenSchweizer Industrieunternehmen sind aus geografischen Gründen und aufgrund der kulturellen Nähe traditionell eng in die Wertschöpfungsketten deutscher Konzerne eingebunden. Dies gilt besonders für die Zusammenarbeit mit der Automobilindustrie.Dafür, dass Volkswagen oder Mercedes-Benz die Elektromobilität verschliefen und chinesische Konkurrenten an sich vorbeiziehen liessen, können hiesige Industriefirmen wenig. Allerdings müssen sich auch manche Schweizer Komponentenhersteller oder Maschinenbauer den Vorwurf gefallen lassen, allzu lange auf vermeintlich beständige Geschäfte mit dem Verbrennungsmotor vertraut zu haben.Firmen wie Feintool oder Komax versäumten es nicht nur, rechtzeitig auf die Elektromobilität umzusatteln. Viele von ihnen taten auch zu wenig, um neue, weniger zyklische Geschäfte beispielsweise als Zulieferer der Pharmaindustrie oder der Luft- und Raumfahrt aufzubauen.Chinesische Konkurrenten sind viel günstigerNach mehreren Jahren Abschwung ist zunehmend zweifelhaft, ob es den krisengeplagten Industriefirmen gelingt, das Steuer noch herumzureissen. Bystronic musste am Montag zum wiederholten Mal eine Gewinnwarnung publizieren. Die Profitabilität werde voraussichtlich unter dem Vorjahresniveau liegen, gestand das Management ein. Damit bahnt sich der dritte Jahresverlust in Folge an.Ein grosses Problem für viele Schweizer Industrieunternehmen sind die hohen hiesigen Arbeitskosten. Sie entsprächen mit umgerechnet rund 70 Dollar pro Stunde dem Fünf- bis Sechsfachen des chinesischen Niveaus, haben jüngst Experten der Unternehmensberatung Alix Partners errechnet.In der Vergangenheit machten Schweizer Firmen diesen Kostennachteil wett, indem sie stark auf Automatisierung und Innovationen setzten. Doch haben chinesische Konkurrenten auch auf diesen zwei Feldern aufgeholt.Um ihr Überleben zu sichern, werden Schweizer Industriefirmen in nächster Zeit wohl nicht um schmerzhafte Einschnitte herumkommen. Dabei werden auch Arbeitsplätze verlorengehen.Dank hohen Eigenkapitalquoten besitzen die meisten Konzerne den nötigen Spielraum, um Abschreibungen zu verkraften. Einfach nur abzuwarten und auf den nächsten Aufschwung zu hoffen, ist je länger, desto weniger eine Option. Diese Krise dauert schon zu lange. Sie droht gefährlich an die Substanz zu gehen, falls nichts geschieht.Passend zum Artikel
Abwarten ist für viele Schweizer Industriefirmen keine Option mehr. Kosten müssen sinken
Viele Schweizer Industrieunternehmen haben zu lange auf den Verbrennungsmotor und andere traditionelle Güter gesetzt. Das rächt sich nun.







