Mr MarketDer Autokonzern will Werke schliessen, ab 2030. Doch der Preisdruck durch chinesische Hersteller ist schon jetzt da und wird monatlich ärger, nun sogar auf dem Heimatmarkt. Der Massenhersteller kommt nicht aus seiner tiefen Krise. Auch die deutschen Premiumhersteller leiden.Geschätzte Leserin, geschätzter LeserOptimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenThemarket.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die deutsche Autoindustrie rutscht immer tiefer in ihre existenzielle Krise, allen voran Volkswagen. Als gebürtiger Niedersachse ist es für mich traurig und schmerzhaft, den Niedergang anzusehen und den Protest der Konzernangestellten am Donnerstag, die Angst um ihre Arbeit haben. Am Donnerstagnachmittag spricht der Aufsichtsrat über ein einschneidendes Sparpaket, wohl nicht zum letzten Mal. Die Machtverhältnisse sind traditionell kompliziert verteilt zwischen der Geschäftsführung, den Eigentümerfamilien Porsche und Piëch, den Gewerkschaften und Betriebsräten sowie dem Land Niedersachsen als Miteigentümer.Volkswagen-Werk in Wolfsburg.Akhil Simha / UnsplashVolkswagen war einmal eine Marke, auf die wir bei uns zu Hause stolz gewesen sind. Wir sind in den 1980er Jahren als vierköpfige Familie mit einem braunen Polo in den Urlaub nach Österreich gefahren, also mit einem Auto, das für heutige Verhältnisse wirklich klein war. Später fuhren wir Golf. Heute miete ich gelegentlich einen elektrischen ID.3 über einen Carsharing-Anbieter, der mich im Cockpit sehr an die mir vertrauten Vorgänger erinnert, allerdings mit erfreulich verbesserter Beschleunigung. Als langjähriger VW-Fahrer findet man sofort alles wieder. Ich würde mir den Wagen aber nicht kaufen, wegen der altmodisch wirkenden Softwareoberfläche auf dem Display, vor allem aber wegen des unattraktiv hohen Preises von 34'000 € für den ID.3 neo.Offenbar geht es nicht nur mir so. Das Geschäft von Volkswagen läuft so schlecht, dass der Konzern zusätzlich zu den bereits beschlossenen 50'000 gekürzten Stellen weitere 50'000 abbauen will, wie «Manager Magazin» Ende Juni berichtete:«Dass die radikalen Sanierungspläne einen Aufschrei provozieren werden, dürfte dem Topmanagement klar sein. Nur sehen sie offenbar keine bessere Option, um den Konzern zu stabilisieren. Volkswagen steckt wie die anderen deutschen Autohersteller tief in der Krise. Die Verkaufszahlen stagnieren bei rund 9 Mio. Fahrzeugen pro Jahr, die operative Umsatzrendite halbierte sich 2025 auf nur noch rund 3%, Besserung ist vorerst nicht in Sicht.»In seinen Werken könnte der Konzern 12 Mio. Autos herstellen anstatt der verkauften 9 Mio. Weltweit beschäftigt Volkswagen mehr als 650'000 Angestellte. In vier deutschen Werken könnte zwischen 2031 und 2035 die Produktion auslaufen, wie auch «Bild» und «Der Spiegel» berichteten. Gewerkschaften und Betriebsrat laufen dagegen Sturm. Das Land Niedersachsen dementierte Medienberichte, nach denen es bereit sei, Werksschliessungen oder Umwidmungen zum Beispiel für die Rüstungsindustrie zuzustimmen.Auch Einsparungen von 5 Mrd. € würden kaum reichenBesonders bitter für die Angestellten ist, dass wohl selbst die von der Konzernführung geforderten Kürzungen nicht ausreichen würden, um das selbstgesteckte Mittelfristziel einer operativen Marge von 8 bis 10% zu erreichen. 2025 lag die Kennziffer bei gerade einmal 4,8%. «Investoren lieben eine steigende Marge, aber da sind wir für Volkswagen skeptisch», sagt Branchenanalyst Patrick Hummel von der UBS. Bei einem Pressegespräch am Donnerstag zeichnete er ein düsteres Bild der Situation.«Europäische Autohersteller werden von zwei Seiten getroffen», sagt Hummel: von der Marktschwäche in China und von der Exportflut aus der Volksrepublik. Der chinesische Automarkt ist 2026 um 22% geschrumpft, weit stärker als vor Jahresbeginn erwartet. Die chinesischen Autohersteller drängen daher mit Exporten auf Drittmärkte, auch nach Europa. «Chinas Autohersteller sind wirklich verzweifelt», konstatiert Hummel, weniger als eine Handvoll verdiene Geld. Da hilft es nur bedingt, dass der Autoabsatz in den USA und Europa ganz ordentlich wächst.Selbst wenn Volkswagen Einsparungen von 5 Mrd. € pro Jahr vereinbaren würde, werde das kaum reichen, um den Druck durch fallende Absätze in China und den Preis- und Konkurrenzdruck in Europa und anderswo überzukompensieren. «Die Chance, dass Volkswagen vor die Kurve kommt und auf einen Pfad zu seinen Zielen für 2030, ist sehr klein», sagt UBS-Analyst Hummel. «Die geplanten Fabrikschliessungen würden in den 2030er Jahren erfolgen, aber die Exporte aus China kommen jetzt und werden Quartal für Quartal zunehmen.»Selbst Premiumhersteller sind nur teilweise immunDie Premiumhersteller wie BMW, Mercedes und Porsche sind besser vor chinesischer Konkurrenz auf Exportmärkten geschützt, weil den neuen Rivalen Marke und Historie fehlen, sagt Hummel. Auch sei der Wiederverkaufswert chinesischer Autos in Europa «absolut schrecklich», was bei Premiumfahrzeugen eine noch grössere Rolle spiele als im Massenmarkt.BMW, Mercedes und PorscheDennoch gilt: Die Absatzschwäche in China trifft auch die deutschen Premiumhersteller. Das zwingt die gesamte deutsche Vorzeigebranche zu weiteren Sparmassnahmen. Sie sind für das Überleben unumgänglich, zumindest kurzfristig aber eine Belastung für einen erheblichen Teil der deutschen Wirtschaft, nicht nur in Stuttgart oder München. Auch in meinem niedersächsischen Heimatort nahe Bremen arbeiten mehr Menschen im Mercedes-Werk in der Hansestadt als bei Volkswagen im deutlich weiter entfernten Wolfsburg. Angesichts der schlechten Geschäftslage werden dort wohl Aushilfsarbeiter heute keinen so gut bezahlten Job bekommen wie ich in meinen ersten grossen Sommerferien als Student Mitte der 1990er Jahre, in denen ich wochenlang mit den Kollegen Stahlbleche für Autodächer in eine grosse Presse legte. Manche der Mitarbeiter dort hatten die eintönige Arbeit, für die wir Ungelernte eingesetzt wurden, nur wenige Wochen machen wollen und waren nun schon mehr als zehn Jahre dort, weil sie nirgendwo sonst so viel Geld verdient hätten. Noch grössere wirtschaftliche Folgen hat der Stellenabbau bei den hochqualifizierten Facharbeitern oder bei den Angestellten in der Verwaltung, oft ebenfalls sehr gut vergütet.«Die Unternehmen müssen so schlank wie möglich in Deutschland werden», sagt UBS-Analyst Hummel. Volkswagen werde dafür seine chinesische Lieferkette nutzen. Das ist auch deshalb schmerzhaft aus deutscher Sicht, weil bei aus China exportierten VW-Autos der Gewinn mit dem Joint-Venture-Partner geteilt werden muss. Auch für die deutschen Zulieferer der Autokonzerne bedeutet dieser Trend nichts Gutes, obschon viele von ihnen ebenfalls in China fertigen.Aus Anlegersicht heisst dass: Trotz der Kurseinbrüche bei Autoaktien von teils mehr als 50% zu den Höchstständen und auf den ersten Blick niedrig erscheinenden Bewertungen mit einstelligen Kurs-Gewinn-Verhältnissen sollten Investoren weiter Abstand halten. Die schwere Krise der deutschen Autohersteller ist noch lange nicht ausgestanden. Das ist auch für die deutsche Wirtschaft insgesamt keine schöne Aussicht.Freundlich grüsst im Namen von Mr MarketMark Böschen
Volkswagen spart nicht radikal genug, um für Anleger wieder attraktiv zu werden
Der Autokonzern will Werke schliessen, ab 2030. Doch der Preisdruck durch chinesische Hersteller ist schon jetzt da und wird monatlich ärger, nun sogar auf dem Heimatmarkt. Der Massenhersteller kommt nicht aus seiner tiefen Krise. Auch die deutschen Premiumhersteller leiden.













