Besserung im Industriesektor in Sicht? Georg Fischer, Mikron und Rieter senden LebenszeichenIn der Schweizer Industrie mehren sich die Anzeichen, dass es bei vielen Unternehmen bald aufwärts geht. Mit Begeisterung quittieren Anleger die Semesterzahlen von Georg Fischer.17.07.2026, 16.05 Uhr4 LeseminutenDer Schaffhauser Konzern Georg Fischer gehört zu den führenden Herstellern von Rohrleitungen für die Wasserinfrastruktur.Gaetan Bally / KeystoneIn der Schweizer Industrie häufen sich die ersten Semesterabschlüsse. Nachdem am Donnerstag der Branchenriese ABB ein Glanzergebnis vorgelegt hatte, waren am Freitag mit Georg Fischer (GF), Rieter und Mikron gleich drei kotierte Firmen an der Reihe.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Bei jedem der Unternehmen wäre man wohl froh, denselben Rückenwind zu verspüren, der ABB nach vorne treibt. Doch der grösste Schweizer Industriekonzern profitiert dank seiner guten Position im boomenden Geschäft mit Datenzentren und Produkten für den Ausbau der Strominfrastruktur derzeit von einem besonders günstigen Marktumfeld. GF, Rieter und Mikron bedienen zumeist andere Absatzmärkte, von denen viele wie die Bau-, die Textil- und die Autoindustrie noch immer unter der weltweit flauen Konjunktur leiden.Umsatzsprung von 13 ProzentAllerdings gibt es auch bei diesem Trio Anzeichen dafür, dass es die Talsohle durchschritten hat. Am stärksten machten sich solche jüngst bei GF bemerkbar. Der Schaffhauser Konzern, der sich nach dem Verkauf seiner Aktivitäten im Werkzeugmaschinenbau und in der Herstellung von Gussteilen für die Auto- und die Luftfahrtbranche ganz auf das Geschäft mit Rohrsystemen ausgerichtet hat, profitierte nach einem schwachen Jahresstart ab April von einer deutlichen Belebung.Im zweiten Quartal erreichte das organische Wachstum 13 Prozent. In der gesamten ersten Jahreshälfte stieg der Umsatz von GF um 6 Prozent auf 1,6 Milliarden Franken.Zur Dynamik im zweiten Quartal trugen nicht nur Preiserhöhungen bei, zu denen sich das Unternehmen wegen der gestiegenen Rohstoffpreise nach dem Beginn des Iran-Kriegs gezwungen sah. Die Firma verzeichnete laut eigenen Angaben auch eine erhöhte Geschäftsaktivität.Obschon GF weiterhin von einer schwachen Nachfrage im Hausbau insbesondere in Deutschland betroffen war, stellt die Unternehmensführung auch für das zweite Semester eine Beschleunigung des Geschäfts in Aussicht. Dadurch sollte der Umsatz neu im Gesamtjahr um einen mittleren einstelligen Prozentsatz steigen. Bis anhin war das Management von einer Zunahme im niedrigen einstelligen Prozentbereich ausgegangen.Volle Auftragsbücher dank neuen HalbleiterfabrikenAuch GF profitiert ein Stück weit vom Boom rund um den Bau neuer Datenzentren. Um die Rechenzentren mit den nötigen Chips zu versorgen, haben auch Halbleiterhersteller ihre Kapazitäten stark zu vergrössern begonnen.Weltweit sind Dutzende neuer Halbleiterfabriken im Bau, die für ihre Tätigkeit allesamt viel Wasser benötigen. GF stattet neben Wohn- und Gewerbebauten sowie der Infrastruktur von Versorgern auch Industrieanlagen mit Rohrleitungen aus. Man habe sich ein Rekordniveau an Aufträgen für mehrere Halbleiterfabriken gesichert, teilte der Konzern mit.Die überraschend starke Dynamik im Geschäftsverlauf hauchte am Freitag auch dem Aktienkurs von GF neues Leben ein. Die Notierung, die zuvor über Monate auf niedrigem Niveau gedümpelt hatte, stieg um 14 Prozent auf 52.25 Franken.Beschäftigte von Mikron arbeiten im Werk in Agno im Werkzeugbau.Christian Beutler / KeystoneMikron schrumpft nur leicht trotz Boom im VorjahrAnders als GF ist Mikron noch immer ein Hersteller von Werkzeugmaschinen. Das Hauptgeschäft der Firma sind aber Anlagen, die unter anderem für das automatische Zusammensetzen von Injektionssystemen verwendet werden. Solche Anwendungen waren in letzter Zeit wegen der boomenden Nachfrage nach Abnehmspritzen stark gefragt.In der ersten Jahreshälfte musste Mikron indes einen organischen Umsatzrückgang von 3,5 Prozent auf 180,5 Millionen Franken hinnehmen. Allerdings hatte das Unternehmen mit Sitz im neuenburgischen Boudry in der Vorjahresperiode von einer ausserordentlich hohen Nachfrage in der Sparte Automation profitiert.Für das Gesamtjahr bekräftigte das Unternehmen seine Ziele. Diese sehen einen Umsatz von 340 bis 380 Millionen Franken und eine operative Marge von 7 bis 10 Prozent vor. Am oberen Ende dieser Bandbreiten würde Mikron erneut die ansprechenden letztjährigen Leistungswerte erreichen.Bei Rieter bleiben Investoren skeptischHart ins Gericht gingen Investoren zum Wochenschluss mit Rieter. Die Valoren des Textilmaschinenherstellers büssten um 5,2 Prozent auf nur noch knapp 3 Franken ein.Das Winterthurer Traditionsunternehmen, zu dem seit Anfang Februar auch die akquirierte ehemalige Maschinenbausparte von OC Oerlikon gehört, verwies zwar auf erste Anzeichen einer Markterholung. So hätten die wichtige Absatzregion Indien und das Geschäft mit Ersatzteilen von einer steigenden Nachfrage profitiert. Doch konnte Rieter offenbar nicht den Eindruck ausräumen, im Geschäft mit Spinnereimaschinen weiterhin in einer strukturellen Krise zu stecken.Der Verlust weitete sich im ersten Semester trotz den übernommenen neuen Aktivitäten von 20 auf 55 Millionen Franken aus. Die Akquisition kostete Rieter zudem viel finanzielle Substanz. Die Finanzierungssituation präsentiere sich herausfordernd, hielten Analysten der Zürcher Kantonalbank fest. Sie rechneten vor, dass die jüngste Nettoverschuldung von 673 Millionen Franken dem 5,4-Fachen des erwarteten diesjährigen Betriebsgewinns (Ebitda) entspreche.Rieter wird rasch dafür sorgen müssen, die Verschuldung auf ein erträglicheres Mass zu senken. Der Finanzchef Oliver Streuli bestätigte selbst die Dringlichkeit. Das gegenwärtige Schuldenniveau übersteige klar das mittelfristige Ziel, sagte er an einer Telefonkonferenz.Passend zum Artikel