AnalyseDas sind die Aktienfavoriten der Schweizer FondsmanagerDie Anlageprofis bauen im zweiten Quartal insbesondere ihre Engagements in Medtech, bei Pharmazulieferern und defensiven Titeln wie SIG Group aus. Gleichzeitig bleiben aber auch die Aktien der KI-Profiteure Accelleron und Inficon hoch im Kurs.Die Finanzmärkte haben ein erfreuliches zweites Quartal hinter sich. «Rückenwind erhielten sie vor allem durch den Boom im Bereich der künstlichen Intelligenz, eine vorübergehende Entspannung im Nahen Osten sowie rückläufige Energiepreise», sagt Marc Hänni, Head of Swiss Equities bei Vontobel. Die Weltwirtschaft habe sich im ersten Halbjahr als widerstandsfähig erwiesen, das Wachstum sei robust, ergänzt David Windisch, Fondsmanager bei der Rothschild & Co Bank. Dies, nachdem die faktische Schliessung der Strasse von Hormuz und der damit verbundene starke Anstieg der Energiepreise auch dem Schweizer Aktienmarkt noch im ersten Quartal zugesetzt hatten.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenThemarket.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Zwischen April und Ende Juni hat der Schweizer Index der kleinen und mittelgrossen Unternehmen (SPI Small & Mid Cap, ohne Dividenden) gegen 7% gewonnen und damit den Einbruch vom März mehr als wettgemacht. «Trotz massiver geopolitischer Störfeuer – allen voran das Marktbeben im März durch den Irankrieg, das den Schweizer Aktienmarkt vorübergehend stark einbrechen liess – hat sich das Segment der zyklischen Nebenwerte grösstenteils erholt», fasst Philipp Murer, Fondsmanager bei der Bank Reichmuth die Lage zusammen.Martin Lehmann, 3V Invest Swiss Small & Mid CapMit Blick auf das restliche Jahr erwartet Martin Lehmann, CEO und Fondsmanager von 3V Asset Management etwas Entlastung von geldpolitischer Seite: «Dank des tieferen Ölpreises verbessert sich nicht nur das konjunkturelle Umfeld, auch der Inflationsdruck nimmt ab.» Dadurch seien Zinserhöhungen weniger wahrscheinlich, was wiederum den Aktienmärkten zugutekomme. Auch Windisch glaubt, dass die Inflation ihren Höhepunkt im zweiten Quartal bereits erreicht hatte.Philipp Murer, Reichmuth Pilatus«Gleichzeitig bleibt das geopolitische Umfeld unberechenbar», sagt Lehmann. Vor diesem Hintergrund und angesichts der typischerweise niedrigen Handelsvolumen während der Sommermonate erwartet er auch am Schweizer Aktienmarkt volatile Wochen. Murer sieht das grösste Risiko für den gegenwärtigen Boom an den Aktienmärkten in erneut steigenden Zinserwartungen und höheren Zinsen. «Dieses Risiko behalten wir im Auge, kurzfristig bleiben wir aber positiv für Schweizer Aktien.» Dies gerade bei den Nebenwerten, die trotz verbesserter Fundamentaldaten mit einem Abschlag gehandelt würden.Vontobel bleibt mit Blick auf das dritte Quartal und die zweite Jahreshälfte vorsichtig optimistisch. Wenngleich die bereits genannten Faktoren wie Geopolitik und Notenbankentscheide für Unsicherheit sorgten, spreche die robuste Verfassung der Schweizer Wirtschaft und die Marktstellung vieler Qualitätsunternehmen und die langfristigen Wachstumschancen im Bereich künstliche Intelligenz weiterhin für ein konstruktives Anlageumfeld. «Wobei die Anleger gerade mit Blick auf KI extrem selektiv sind und den Markt klar in Gewinner wie Halbleiterwerte und Verlierer wie etwa Softwareaktien einteilen», ergänzt Lehmann. Gegen diese Trends zu wetten, lohne sich derzeit nicht.David Windisch, LongRun Swiss Small & Mid Cap FundDie Markterholung seit April sei zunächst vom Kursgewinn weniger KI- und Technologieaktien getragen gewesen, sagt auch Windisch. «Nun deuten aber erste Zuflüsse in kleine, defensive aber auch in zyklische Werte auf eine breitere Marktteilnahme hin.» Das Umfeld bleibe auch im zweiten Halbjahr insgesamt konstruktiv. Bei nachlassendem Inflationsdruck, stabilem Wachstum und breiterem Gewinnwachstum könne sich die Marktrotation fortsetzen.Marc Hänni, Vontobel Asset ManagementNoch berichteten viele Unternehmen von einer geringen Visibilität bei den Auftragseingängen und von Zurückhaltung bei grösseren Investitionen, sagt Hänni. Aber Murer erwartet, dass sich die Aussichten gerade für Europa aufhellen. «Zwar sollten die positiven Vorlaufindikatoren wie die Einkaufsmanagerindizes für die Industrie nicht überbewertet werden.» Aber die Unternehmen gingen derzeit von weiterem Wachstum aus, die Talsohle sei durchschritten. Dies sei generell ein gutes Zeichen für frühzyklische Unternehmen.Martin Lehmann glaubt weiter an SoftwareOne und TemenosMartin Lehmann hat für seinen 3V Invest Swiss Small & Mid Cap Fonds wie bereits im ersten Quartal Aktien von Bachem gekauft. Inzwischen ist der Pharmazulieferer zur zweitgrössten Position im Portfolio aufgestiegen. «Das erste Halbjahr dürfte nicht besonders gut ausgefallen sein», sagt der Fondsmanager. Für die zweite Jahreshälfte zeigt er sich jedoch optimistisch: Bachem werde nun die Früchte der umfangreichen Investitionen der vergangenen Jahre ernten. Dank des anhaltenden Booms bei Abnehmmedikamenten dürfte das Unternehmen seine zusätzlich geschaffenen Produktionskapazitäten gut auslasten können. «Bachem ist der beste Name zum Thema GLP-1 an der Schweizer Börse.»Seit längerem zählt SoftwareOne zu den grössten Positionen des Fonds. «Das Unternehmen hat sich am Kapitalmarkttag Anfang Juni ambitionierte Mittelfristziele gesetzt, was mich zuversichtlich stimmt», sagt Lehmann. Zwar liege der Zeithorizont bis 2030 noch in weiter Ferne. Und nach den Enttäuschungen der vergangenen Jahre sei SoftwareOne bei vielen Investoren aus der Gunst gefallen und müsse nun erst einmal Resultate liefern. Das neue Management um die Co-CEO Melissa Mulholland und Raphael Erb könne für die früheren Verfehlungen jedoch nichts und wirke zuversichtlich. Zudem erwartet der Fondsmanager Synergien aus der Fusion mit Crayon. Derzeit werde zwar alles, was mit Software zu tun hat, mit einem Malus belegt. «Gleichzeitig ist die Bewertung auf dem aktuellen Niveau wenig anspruchsvoll.»Ebenfalls im falschen Aktienkorb sei derzeit Temenos. Der Hersteller von Bankensoftware habe in den vergangenen Quartalen gute Resultate geliefert, und mit Blick auf die Halbjahreszahlen erwarten manche laut Lehmann gar eine Erhöhung der Jahresprognose. «Grundsätzlich bin ich vom Unternehmen überzeugt, und auch KI ist in diesem hoch regulierten Geschäftsfeld keine ernsthafte Bedrohung.» Doch sei es im gegenwärtigen Umfeld eben schwierig, als Softwareunternehmen zu punkten – zumindest kurzfristig. Die Aktien handeln seit Monaten in einem relativ engen Band von 65 bis 80 Fr. Der Fondsmanager hat die niedrigen Kurse im zweiten Quartal erneut für Zukäufe genutzt.Ein aseptischer SIG-Beutel wird zur Befüllung auf einer Beutelabfüllmaschine geöffnet.Bild: SIG GroupZugekauft hat Lehmann auch bei SIG Group. «Der neue CEO des Verpackungsspezialisten, Mikko Keto, leistet gute Arbeit», zeigt er sich überzeugt. Im Fokus stünden nun der Schuldenabbau infolge der teuren Übernahmen und weitere Effizienzverbesserungen. Die guten Zahlen für das erste Quartal und die Bestätigung des Ausblicks für 2026 deuteten auf eine fortgesetzte Stabilisierung des Geschäftsverlaufs und eine schrittweise Margenverbesserung hin. «Damit ist die Übernahmen von Scholle IPN und Evergreen Asia einfach ein teurer Fehler gewesen, aber das Geschäftsmodell von SIG ist intakt.» Weitere Katalysatoren für den Kurs sieht der Fondsmanager im Kapitalmarkttag Ende Oktober und wenn der Konflikt mit Grossaktionär Laurens Last endlich gelöst werden könne.Marc Hänni setzt bei SIG und Sonova aufs neue ManagementAuch die von Marc Hänni verantworteten Schweizer Aktienfonds von Vontobel setzen auf die SIG Group. Er teilt die Einschätzung von Martin Lehmann, dass der neue CEO Mikko Keto mit seinem Fokus auf das aseptische Geschäft mehr Stabilität in den Investment Case bringen dürfte. Zudem habe sich das Unternehmen realistische Jahresziele gesetzt, während die geopolitischen Risiken in den vergangenen Wochen abgenommen hätten. «Der gestiegene Ölpreis könnte zwar die Profitabilität belasten. Durch die jüngste Korrektur hat sich dieses Risiko jedoch verringert.»Auf frische Impulse durch das neue Management setzt Hänni auch bei Sonova. Seit September 2025 steht der Hörgerätehersteller unter der Leitung von Eric Bernard, CFO Elodie Carr-Cingari ist seit einem Jahr im Amt. Die starken Jahreszahlen hätten bestätigt, dass das Unternehmen weiterhin Marktanteile gewinnt. «Wir erwarten, dass die Lancierung der neuen Plattform im Sommer dem Umsatzwachstum zusätzlichen Schub verleiht. Zudem schliessen wir nicht aus, dass erste Schritte zur Stärkung des Asiengeschäfts, insbesondere in Japan, unternommen werden.» Sollte die Inflation in den USA nicht anhalten, sieht Hänni auch dort weiteres Aufholpotenzial.Vontobel hat zudem die Position in der VZ Holding weiter ausgebaut. «Wir erwarten bei den VZ-Kunden eine hohe Investitionsbereitschaft, was 2026 zu einem Umsatz- und Gewinnwachstum über dem langfristigen Durchschnitt führen dürfte», sagt Hänni. Diese Entwicklung sei im Marktkonsens bislang noch nicht eingepreist. Zudem dürfte sich die Nachfrage nach Beratungsdienstleistungen im laufenden Jahr weiter beschleunigen. Dies getragen von einer anhaltend hohen Kundennachfrage und dem deutlichen Kapazitätsausbau. «Schliesslich schätzen wir im aktuellen Umfeld auch die hohe Qualität von VZ und die starke Fokussierung auf das Inland.»Zu den grössten Übergewichten der Vontobel-Fonds gegenüber der Benchmark zählt Accelleron. Nach den starken Jahreszahlen hat die Aktie zwar korrigiert, doch Hänni erwartet, dass die Halbjahresresultate das robuste Wachstum bestätigen werden. «Der Hersteller von Turboladern profitiert vom beschleunigten Wachstum im Energiebereich, das von der steigenden Stromnachfrage im Zuge des Baus neuer Rechenzentren getragen wird.» Im Marinegeschäft rechnet er zwar mit einer Normalisierung der Wachstumsraten, der zugrunde liegende Dekarbonisierungstrend dürfte jedoch intakt bleiben.Philipp Murer bleibt den zyklischen Werten treuWie Lehmann setzt Philipp Murer auf einen Pharmazulieferer. Im Nebenwertefonds Reichmuth Pilatus hat er die Position in Siegfried ausgebaut, nachdem die Aktien im Juni auf ein neues Jahrestief gefallen waren: «Der Markt strafte ab, dass sich das Wachstum 2026 auf das zweite Halbjahr konzentrieren wird und dass ein grosser Auftrag noch nicht gesichert ist.» Mittelfristig sei der Investment Case aber intakt, so werde der CDMO-Markt insgesamt strukturell wachsen, wobei vor allem das Geschäft in den USA dank der neuen Plattform attraktiv sei.Nach der Gewinnwarnung Anfang Juni hat Murer bei Kardex zugekauft. Auch den Kursrückgang bei Interroll nutzte er, um die Position auszubauen. Weil die operative Wende bislang ausgeblieben ist, entwickelten sich die Aktien des Intralogistikers im zweiten Quartal erneut schwach. «Die Korrektur ist schmerzhaft, aber die Bewertung ist mittlerweile so attraktiv, dass sich Zukäufe aufdrängen», sagt der Fondsmanager. Interroll habe eine schuldenfreie Bilanz und eine hohe Kostenflexibilität. Zudem bleibe der langfristige Megatrend hin zu mehr Automatisierung und effizienteren Logistikketten intakt.Attraktiv sei derzeit auch der Medtech-Sektor. Nach dem Kapitalmarkttag Anfang Juni hat Murer seine Position in Medartis erneut ausgebaut. «Die Wachstumsaussichten für den wichtigen US-Markt schätzen wir dank der Übernahme von KeriMedical mit einem Produkt für Daumenprothesen deutlich positiver ein», sagt der Fondsmanager. Aber auch in Europa, wo Medartis bereits heute einen deutlich höheren Marktanteil habe, sei weiteres Wachstum möglich, wenn auch nicht im gleichen Tempo. Insgesamt habe das Unternehmen laut Murer das Potenzial, den Umsatz in den nächsten fünf bis sechs Jahren zu verdoppeln – «wobei letztlich alles von der erfolgreichen Umsetzung abhängt, was entsprechende Risiken birgt». Dank des neuen Managementteams und der hohen Investitionen in den Vertrieb sei er jedoch zuversichtlich.Enttäuscht haben in den vergangenen Monaten auch der Aktienkurs der Zulieferer für die deutsche Bauindustrie. Zehnder, Arbonia und Forbo notieren nahe ihren Jahrestiefs. Vor allem die höheren Zinsen belasten das Neubaugeschäft, obwohl Vorlaufindikatoren wie die Baubewilligungen vor dem Krieg im Nahen Osten auf eine Erholung hingedeutet hatten. Murer ist überzeugt, dass insbesondere Zehnder gut positioniert ist, um von einem Aufschwung zu profitieren. Der Lüftungsbereich wachse auch dank regulatorischer Vorgaben strukturell, zudem biete das Servicegeschäft grosses Potenzial. «Zehnder ist sehr kundenorientiert aufgestellt und wird unternehmerisch geführt.» Die Bilanz sei grundsolide, die Bewertung der Aktien attraktiv.David Windisch findet Gesundheitsaktien spannendNeu im von David Windisch verwalteten LongRun Swiss Small & Mid Cap Fund sind die Aktien von Givaudan. Nach dem starken Kursrückgang seit September 2024 seien die Titel des Aromen- und Riechstoffherstellers im zweiten Quartal so günstig gewesen wie seit langem nicht mehr. Dabei wachse der weltweite Marktführer robust und erwirtschafte unabhängig vom Konjunkturzyklus einen starken Cashflow. «Givaudan profitiert von den starken Kundenbeziehungen und ihrer Innovationskraft, gerade die hohen Wechselkosten sind ein Wettbewerbsvorteil», sagt der Fondsmanager. Dadurch könne der Konzern etwa die höheren Inputkosten mit etwas Verzögerung vollständig weitergeben und die Marge schützen.Ausgebaut hat Windisch die Position an Straumann. Im Juni hat der Dentalspezialist die Profitabilitätsprognose für 2026 angehoben, da sich die Aussichten in allen Geschäftsbereichen aufgehellt hätten. «Als Markt- und Technologieführer hat das Unternehmen eine starke Position inne und profitiert von seiner starken Marke und der engen Beziehung zu Zahnärzten.» Die Geschäftsentwicklung in Europa, im Nahen Osten sowie in Nord- und Lateinamerika im bisherigen Jahresverlauf habe dies einmal mehr gezeigt. Ein Unsicherheitsfaktor bleibe das Geschäft in China, wo der Fondsmanager Preissenkungen von 5 bis 15% erwartet. Diese könnten aber teilweise damit kompensiert werden, dass das Unternehmen lokal produziert.Wie Philipp Murer setzt auch Windisch auf Medartis. Der Spirit im Unternehmen und die am Investorentag präsentierten Entwicklungen hätten ihn begeistert. Besonders überzeugt ist der Fondsmanager von der Übernahme von KeriMedical: «Mit KeriMedical hat das Unternehmen eine einzigartige Lösung für Daumenprothesen mit exklusivem US-Marktzugang erworben.» Das eröffne zusätzliches Wachstumspotenzial und stärke die fundamentale Entwicklung. Zudem habe das Management grosse Erfahrung – viele Führungskräfte waren zuvor bei Straumann tätig.