Mr MarketGeorg Fischer: Ist es Zeit für einen Wechsel an der Spitze?Der Industriekonzern hat sich in den vergangenen Jahren radikal neu erfunden. Nach milliardenschweren Zu- und Verkäufen steht CEO Andreas Müller unter Beobachtung. Er muss beweisen, dass die Strategie nun Früchte trägt.Geschätzte Leserin, geschätzter LeserOptimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenThemarket.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Es brauchte nicht viel und die Aktien Georg Fischer schossen nach oben. Ende vergangener Woche meldete der Konzern 5,7% organisches Wachstum für das Kerngeschäft Flow Solutions (Rohrleitungssysteme) und einen Anstieg im Auftragseingang von 14%, was leicht über den Erwartungen der Analysten lag.Das reichte bereits für einen Tageskursgewinn von rund 19%.Dabei blieb die operative Leistung recht überschaubar. Auch der bessere Ausblick, der für 2026 auf ein mittleres einstelliges organisches Wachstum (zuvor niedriges Wachstum) angehoben wurde, ist zwar lobenswert, zieht mich aber noch nicht aus dem Sessel. Die Profitabilität zog nicht an.Ich vermute, die Erwartungen waren nach zwei Übergangsjahren so tief, dass eben nur ein Quäntchen fehlte, um den Kurs kräftig anzuschieben.Am Montag legte dann noch die zuvor sehr skeptische Analyseabteilung der UBS nach: Sie sieht Georg Fischer gar an einem grösseren Wendepunkt. Nach Jahren schwacher Nachfrage dürften die Märkte Halbleiter, Infrastruktur und eine Erholung im Bau für neues Wachstum sorgen. Gleichzeitig könnten Kostensenkungen und eine tiefere Komplexität die Marge verbessern, so die Hoffnung. Die Analysten erwarten über 10% Gewinnwachstum pro Jahr bis 2028 und sehen die Aktien, die in den vergangenen Monaten deutlich gelitten haben, nun im Aufwind. Der negative Konsens-Revisionszyklus dürfte enden und die Anlegerstimmung könnte sich insgesamt verbessern.Ich frage mich, wie lange die Euphorie hält.Kritische Stimmen nehmen zuDenn auf den Hinterbühnen vernehme ich nun schon seit einiger Zeit andere Töne. Viele Fondsmanager sind mit den Leistungen des Managements um CEO Andreas Müller schon länger unzufrieden. Sie bemängeln Kommunikation und Führungsstil und fragen sich, ob Müller künftig die richtige Wahl sei. Er gilt als Verwalter. Aber kann er auch Gestalter sein? Die kritischen Stimmen reissen nicht ab.Die guten Zahlen hätten dem CEO lediglich etwas Luft verschafft, doch während der zweijährigen Transformation habe er oft nur zögerlich wichtige Entscheidungen getroffen und auch bei der Entwicklung der übernommenen Einheit Uponor habe er nicht genau genug auf die Geschäftsentwicklung geschaut, was nicht gut für Integration gewesen sei, sagt mir ein Analyst, der das Unternehmen schon lange beobachtet.An der riesigen Akquisition von Uponor aus dem Jahr 2023 (damals 2,2 Mrd. €.) hat Georg Fischer definitiv noch zu knabbern. Die versprochenen Synergien sind erst teilweise realisiert, nachhaltiges Wachstum muss sich erst zeigen, und auch bei der Profitabilität ist der Durchbruch bisher ausgeblieben. Trotz des höheren Umsatzes trat die Marge wie oben geschrieben im ersten Halbjahr weitgehend auf der Stelle.Verschuldung bleibt ein ThemaVor allem aber gilt es, die Verschuldung abzubauen. Dank den Erlösen aus dem Verkauf der Einheiten GF Machining und GF Casting ist das Ziel, die Nettoverschuldung im Verhältnis zum Ebitda bis Ende 2026 auf 2,4 bis 2,8 zu bringen, von zuvor 3.Investoren und Analysten werden genau beobachten, ob und wie das gelingt. So muss Georg Fischer den freien Cashflow verbessern und ihn für die weitere Entschuldung nutzen. Das sieht nun zum Halbjahr leicht besser aus als noch zu Jahresbeginn.2025 hat das laufende Geschäft noch viel Geld verschlungen. Die Gemeinkosten (Overhead) bei GF seien zu üppig, höre ich. Zudem war viel Kapital im operativen Geschäft gebunden. Durch schwache Endmärkte im Bau- und Industriesektor hatte sich ein hoher Lagerbestand gebildet. Das im Umlaufvermögen gebundene Kapital fehlte als frei verfügbare Liquidität. Das Problem ist erkannt und Müller steuert mit einem Kostensparprogramm auch dagegen, wie er in einem Interview mit «Cash» diese Woche sagte.Doch bleibt der Erfolg aus und gerät die Aktie über längere Zeit wieder ins Hintertreffen, könnte Georg Fischer sogar für aktivistische Investoren interessant werden. Forderungen nach einem schnelleren Schuldenabbau, einer strengeren Kostenkontrolle, nach mehr Einsicht in die Uponor-Integration und nach höheren Ausschüttungen wären nicht aus der Luft gegriffen.Tritt eine solche Situation ein, ist der Verwaltungsrat gefragt. Gegenwärtig ist Müllers Vorgänger Yves Serra (Jahrgang 1953) der mächtige Präsident, der den Ton und die Strategie vorgibt. Diese Dynamik im Führungsduo ist nicht neu: Müller arbeitete vor seiner Ernennung zum CEO knapp drei Jahre als CFO eng mit Serra zusammen. Müller und Serra haben Georg Fischer in recht kurzer Zeit stärker verändert als viele ihrer Vorgänger in den Jahrzehnten davor.Im April nun wurde mit Ton Büchner ein Aussenstehender in den VR gewählt. Er gilt als erfahrener Industrie-Manager (u.a. Sulzer, AkzoNobel) und könnte nächstes Jahr Serra, der 2026 für ein Jahr wiedergewählt wurde, als VRP beerben. Ein Rückblick zeigt: Von den letzten vier CEO waren alle später auch im VR. Zwei wurden später sogar VRP (Martin Huber und Yves Serra), während Stirnemann und Goetz nach ihrer CEO-Zeit «nur» einfache VR-Mitglieder blieben. Das zeigt, wie stark bei Georg Fischer traditionell auf interne Nachfolgen und Kontinuität gesetzt wird.Tritt Büchner an, dürfte einiges durcheinandergewirbelt werden und es wird für Müller als CEO möglicherweise eng, da sind sich viele Fondsmanager einig.Freundlich grüsst im Namen von Mrs Market,Carla Palm(Mitarbeit: Gabriella Hunter und Mark Dittli)
Georg Fischer steht möglicherweise vor einem Generationenwechsel
Der Industriekonzern hat sich in den vergangenen Jahren radikal neu erfunden. Nach milliardenschweren Zu- und Verkäufen steht CEO Andreas Müller unter Beobachtung. Er muss beweisen, dass die Strategie nun Früchte trägt.









