Hinter der Headline

Zölle und Irankrieg setzen Burckhardt Compression zu Der Hersteller von Kolbenkompressoren zeigt operativ solide Zahlen, doch der Auftragseinbruch überlagert das Ergebnis. Geopolitische Unsicherheit bremst Grossprojekte, der Ausblick für 2026/27 fällt gedämpft aus, und die mittelfristigen Ziele rücken nach hinten – die Aktien korrigieren deutlich. Ein schwarzer Tag für Burckhardt-Aktionäre. Nach der Präsentation der Zahlen für das Geschäftsjahr 2025/26 am Donnerstag geraten die Titel massiv unter Druck und fallen auf den tiefsten Stand seit Ende 2023.Optimieren Sie Ihre Browsereinstellungen

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Bitte passen Sie die Einstellungen an.Laut Vontobel-Analyst Arben Hasanaj war der schwache Auftragseingang der Auslöser. Ihn überrascht eher, dass die Erwartungen im Vorfeld noch so hoch waren, nachdem sich der Winterthurer Industriekonzern bereits vorsichtig geäussert hatte.Der Hersteller von Kolbenkompressoren verbuchte einen Auftragseingang von 784 Mio. Fr., rund ein Drittel weniger als im Vorjahr.Besonders stark traf es das Neumaschinengeschäft: In der Systems Division brach der Auftragseingang um über 40% ein. Robuster blieb das Servicegeschäft, wo die Bestellungen dank wachsender installierter Basis nur 5,4% tiefer lagen.Burckhardt Compression ist ein Opfer der durch die Geopolitik geschürten Unsicherheit. Nach der Ankündigung neuer US-Zölle am 2. April 2025 verschoben viele Kunden grössere Investitionsentscheide, um die Folgen der veränderten Handelsbedingungen abzuschätzen. Gegen Ende des Geschäftsjahres im März und April 2026 erhöhten zudem die Spannungen und kriegerischen Auseinandersetzungen am Persischen Golf die Unsicherheit.«Ich interpretiere den deutlichen Rückgang beim Auftragseingang in erster Linie als Ergebnis des Marktumfelds und weniger als strukturelles Problem», sagt Marc Strub, Fondsmanager bei Reichmuth & Co.Das projektgetriebene Neumaschinengeschäft reagiere sensibel auf Unsicherheit. US-Zölle und der Konflikt am Persischen Golf hätten viele Kunden dazu bewogen, Investitionen nicht abzusagen, sondern aufzuschieben. Das erkläre vor allem den Einbruch im Neumaschinengeschäft.Am stärksten war die Zurückhaltung im Petrochemie- und Chemiegeschäft. Unsichere Handelsströme zwischen den USA und China sowie Überkapazitäten verzögerten Investitionen, besonders bei Photovoltaik-Projekten in China, dem wichtigsten Absatzmarkt für die umsatzstarken Hyperkompressoren von Burckhardt.Auch bei Gastransport und -speicherung kam es zu Verschiebungen: Der Bereich Flüssigerdgas blieb robust, Aufträge für Flüssiggastanker liessen dagegen im zweiten Halbjahr nach. Im Wasserstoffgeschäft bremste der Rückzug staatlicher Unterstützung in den USA. Positiv entwickelte sich das Raffineriegeschäft, gestützt durch die Nachfrage nach nachhaltigen Flugtreibstoffen.Operativ überzeugt BurckhardtOperativ zeigte Burckhardt dennoch eine solide Leistung. «Das, was sie kontrollieren können, haben sie einmal mehr gut gemeistert», sagt Hasanaj. Der Umsatz sank nur leicht um 3,5% auf 1,06 Mrd. Fr.; währungsbereinigt resultiert sogar ein Plus von 1,3%. Das Neumaschinengeschäft hielt sich mit –1,4% vergleichsweise gut, während das Servicegeschäft 8,2% verlor.Die Profitabilität verbesserte sich. Der Gewinn auf Stufe Ebit stieg leicht auf 141 Mio. Fr., die entsprechende Marge von 12,9 auf 13,3%. Im Systems-Geschäft kletterte die Ebit-Marge auf 10,7%, während das Servicegeschäft trotz leicht tieferer Marge mit 24,4% hochprofitabel blieb. Der operative freie Cashflow lag bei 128 Mio. Fr. Die Dividende soll unverändert 18 Fr. je Aktie betragen.Die höhere Marge im Neumaschinengeschäft ist vor allem dem bestehende Auftragsbestand mit günstiger Projektzusammensetzung zu verdanken. Hinzu kommen hohe Werksauslastung, Effizienzgewinne und striktes Kostenmanagement.Im Servicegeschäft zeigte sich dagegen die zyklische Nachfrageschwäche. Kunden verschoben Wartungen, Ersatzteilbestellungen und Upgrades. Das belastete die kurzfristige Auslastung und damit die Marge.«Wichtig ist, dass dieser Margenrückgang kein strukturelles Problem des Servicegeschäfts ist, sondern eine kurzfristige Folge der tieferen Nachfrage und geringeren Kapazitätsauslastung», sagt Strub. Mit einer Normalisierung der Nachfrage sollte sich auch die Marge stabilisieren.Strukturelle Trends bleiben intaktTrotz des schwächeren Auftragseingangs sieht Burckhardt Compression die langfristigen Wachstumstreiber als intakt und betont die eigene Stärke. «In einem anspruchsvollen globalen Umfeld haben wir in unseren Kernsegmenten Marktanteile gewonnen, den Umsatz nahe am Rekordniveau gehalten und die Profitabilität weiter gesteigert», kommentiert CEO Fabrice Billard das Ergebnis.Für das laufende Geschäftsjahr 2026/27 stellt sich das Management dennoch auf ein schwierigeres Umfeld ein. Erwartet werden ein Umsatz zwischen 900 Mio. und 1 Mrd. Fr. sowie eine Ebit-Marge von rund 12%.«Ich interpretiere die Guidance als vorsichtig, aber realistisch», sagt Strub. Sie liege unter den Erwartungen und signalisiere, dass die kurzfristige Dynamik gebremst bleibe. Die Visibilität im Auftragseingang sei gering, weshalb die Zurückhaltung der Kunden zumindest im ersten Halbjahr anhalten dürfte. Positiv sei, dass Burckhardt weiterhin mit einer Belebung in der zweiten Jahreshälfte rechne – insbesondere im Servicegeschäft, da Ersatzteilbestellungen nicht endlos verschoben werden könnten.Die mittelfristigen Ziele hält Burckhardt zwar aufrecht, verschiebt aber den Zeithorizont. «Einzig der Zeitpunkt verschiebt sich», betont Billard an der Medienkonferenz. Der Umsatz von 1,2 Mrd. Fr. und eine Ebit-Marge von 12 bis 15% sollen nun voraussichtlich erst nach dem Geschäftsjahr 2027/28 erreicht werden.Angesichts des schwachen Auftragseingangs ist die Verschiebung folgerichtig: Die Ziele bleiben erreichbar, doch die aktuelle Dynamik reicht nicht aus, um sie im ursprünglichen Zeitraum zu erfüllen.Investoren müssen sich mit Übergangsjahr abfindenBurckhardt Compression muss im laufenden Jahr vor allem beweisen, dass Margen und Cashflow auch bei tieferem Auftragseingang robust bleiben. «2026/27 wird ein Übergangsjahr, was die Bestellungen betrifft», sagt Hasanaj. Der bestehende Auftragsbestand stabilisiert das Geschäft, neues Volumen muss aber erst wieder aufgebaut werden.Mittelfristig sprechen langfristige Trends wie Bevölkerungswachstum und die Dekarbonisierung der Energieversorgung weiter für Burckhardt. Das Thema Energiesicherheit dürfte wieder stärker in den Vordergrund rücken und Investitionen in Flüssigerdgas, Raffinerien und alternative Energien wie Biogas begünstigen. Auch die Modernisierung älterer Anlagen und der wachsende Anteil von Erdgas im Energiemix schaffen Nachfrage.Kurzfristig bleibt die Aktie damit eine Wette auf die Stabilisierung des Auftragseingangs. Langfristig bietet das tiefere Kursniveau aus Sicht von The Market Chancen. Burckhardt verfügt über eine stimmige Strategie, eine solide Bilanz und eine starke Position in strukturell wachsenden Nischen. Nach geopolitischen Schocks ziehen Investitionen in Energieinfrastruktur wieder an, wie der Ukraine-Krieg gezeigt hat. Die Unsicherheit rund um die Strasse von Hormuz könnte den Bedarf an Pipelines und Energiespeichern zusätzlich erhöhen.