Hinter der Headline

Die Aktien des Spezialisten für Intralogistik verlieren am Montag aufgrund einer Gewinnwarnung zweistellig. Doch die Probleme sind nicht struktureller Natur, sondern dürften temporär sein. Kardex schockt die Börse. Der Schweizer Spezialist für Intralogistik veröffentlichte am Montagmorgen eine Gewinnwarnung, die durchaus erheblich ist. So rechnet das Management im Geschäftsjahr 2026 neu nur noch mit einer Ebit-Marge von 8 bis 10%. Das ist deutlich unter den mittelfristig angestrebten 10 bis 14%. Gemäss ZKB-Analyst Walter Bamert liegt die neue Vorgabe rund 12% unter der Konsensschätzung der Analysten.Optimieren Sie Ihre Browsereinstellungen

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Bitte passen Sie die Einstellungen an.Der Aktienkurs reagiert am Montag mit einem Rücksetzer von bis zu 20%. Im Laufe des Tages konnten die Titel die Verluste jedoch deutlich eingrenzen. Am Nachmittag beläuft sich das Minus noch auf rund 12%.Gewinnwarnungen sind nie gute Nachrichten. Entscheidend ist jedoch, ob dahinter ein strukturelles Problem steckt oder eine vorübergehende Schwäche. Im ersten Fall kommt man als Investor kaum darum herum, die Reissleine zu ziehen. Im zweiten Fall könnte sich Geduld auszahlen. Bei Kardex spricht vieles für Letzteres.Hohe Kosten treffen auf negativen Mix-EffektDie Zürcher haben derzeit ein Grundproblem: Die Koste von Kardex sind aufgrund der umfangreichen Investitionen in strategische Wachstumsinitiativen in den Bereichen Vertrieb, Marketing, IT sowie Forschung und Entwicklung aussergewöhnlich hoch. Diese Investitionen sind zwar notwendig, um das angestrebte Wachstum in den kommenden Jahren zu realisieren, fallen dem Unternehmen jetzt jedoch auf die Füsse.Wenn in einem Segment das Geschäft überraschend schwächelt, die Kosten aber hoch bleiben, belastet das entsprechend die Marge. Genau das ist nun passiert. Konkret haben sich im Segment Automated Products, das rund zwei Drittel des Gruppenumsatzes ausmacht, vor allem zu Beginn des Jahres sowohl der Auftragseingang als auch der Umsatz schwächer entwickelt als erwartet.Zwar wächst das Segment mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von knapp 12% in den vergangenen fünf Jahren ohnehin deutlich weniger dynamisch als die kleinere Sparte Standardized Systems, die zuletzt um gut 33% pro Jahr zulegen konnte. Allerdings ist das Segment mit einer Ebit-Marge von zuletzt 16,1% deutlich profitabler als Standardized Systems, das eine Marge von lediglich 5% erzielte. Entsprechend stark wirkt sich ein Margenrückgang auf den Gewinn aus. Dieser soll auf Gruppenebene im ersten Halbjahr nun lediglich noch rund 60 % des Vorjahreswerts erreichen.Kardex hält unbeirrt an Wachstumsinvestitionen festIn einem am Vormittag anberaumten Call mit Investoren und Analysten verwiesen CEO Jens Hardenacke und CFO Thomas Reist einerseits auf Projektverzögerungen. Einige Kunden hätten um eine Verschiebung von Projekten gebeten, teilweise seien Gebäude noch nicht bereit gewesen, um die Anlagen zu installieren. Andererseits seien in den Monaten Januar und Februar keine Bestellungen der US-Regierung eingegangen. Der Grosskunde steht gemäss Kardex durchschnittlich für rund 5% des Umsatzes von Automated Products.Zudem verweist Kardex auf den oben beschriebenen negativen Mix-Effekt sowie auf die anhaltend hohen Wachstumsinvestitionen. Das Management betont, dass man an den Investitionen vollumfänglich festhalten werde. Sie seien das Fundament der Wachstumspläne von Kardex.Positiv ist jedoch, dass der Auftragseingang weiterhin Anlass zur Zuversicht gibt. Die Auftragsbücher haben sich gemäss Kardex seit März wieder gefüllt, und auch die US-Regierung habe zuletzt wieder Bestellungen aufgegeben. CEO Hardenacke betont denn auch, dass es sich um eine temporäre und nicht um eine strukturelle Schwäche handle.Aktien bleiben attraktivDen grundsätzlichen Optimismus teilt auch Kaspar Bürge. Der Fonds- und Portfoliomanager der Privatbank Baumann & Cie bezeichnet die heutige Gewinnwarnung zwar als «margenseitig enttäuschend», sieht den grundlegenden Investment Case dadurch jedoch kaum beeinträchtigt. Wichtig sei, dass es sich dabei nicht um ein strukturelles Nachfrageproblem handle. Angesichts des seit März wieder steigenden Auftragseingangs sollte sich die Situation im zweiten Halbjahr sukzessive verbessern, so Bürge.Auch The Market sieht den langfristigen Investment Case weiterhin intakt. Die erhöhte Kostenbasis, die noch einige Jahre bestehen wird, macht die Aktien bei Nachfrageschwankungen aber anfällig für Rückschläge, wie die heutige Kursreaktion zeigt. Die strukturellen Treiber – insbesondere Automatisierung, Reshoring und der Fachkräftemangel – bleiben jedoch unverändert bestehen. Vor diesem Hintergrund bieten die aktuellen Kurse eine attraktive Einstiegsmöglichkeit.