Düsseldorf. Die neue Woche startet, wie die alte endete: mit einem Abverkauf von Technologieaktien. Während es am Freitag die US-Märkte betraf, folgten am Montag die asiatischen Börsen. Die Sorge ist zurück, dass der Boom Künstlicher Intelligenz (KI) zu einer Spekulationsblase geführt hat.Auch der deutsche Leitindex Dax fällt, allerdings weniger stark. Nach Einschätzung von Stephan Kemper, Anlagestratege bei BNP Paribas Wealth Management, profitiert der Dax paradoxerweise von seiner strukturellen Schwäche: „Wo wenig KI-Fantasie eingepreist ist, kann bei einer Sektorkorrektur auch wenig enttäuscht werden.“Dementsprechend sackt die Stimmung unter deutschen Privatanlegerinnen und -anlegern auch weniger stark ab, als es die Kursverluste in den USA und Asien vielleicht vermuten ließen. Das zeigt die Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment.Befragt werden dafür jeden Freitagmorgen bis Samstagabend mehr als 10.000 Privatanlegerinnen und -anleger. Sie geben ihre aktuelle Markteinschätzung ab. Die Antworten wertet Stephan Heibel, Geschäftsführer des Analysehauses AnimusX, aus und ergänzt sie um weitere Indikatoren.Die aktuelle Auswertung zeigt, dass sich die Anlegerstimmung (Sentiment) von 2,2 Punkten in der Vorwoche auf 0,7 Punkte verschlechtert hat. Extremwerte beginnen bei plus und minus vier Punkten.Für Heibel ist das eine „neutrale bis leicht negative Stimmungslage“. Deutlich auffälliger findet er die Verunsicherung: „Diese ist mit einem Wert von minus 2,8 Punkten, nach dem kurzen Ausflug ins positive Territorium in der Vorwoche, nun wieder deutlich negativ.“Die Verunsicherung wird gemessen, indem die Umfrageteilnehmer angeben, ob sich ihre Erwartungen erfüllt haben. Je weniger das der Fall ist, desto größer ist die Verunsicherung.Das wirkt sich auch auf die Zukunftserwartungen aus: Diese verschlechtern sich von minus 0,4 auf minus 0,5 Punkte. Pessimistischer waren die Anleger zuletzt Mitte Januar.Ermittelt werden die Zukunftserwartungen, indem die Befragten angeben, welche Marktphase sie in drei Monaten erwarten. Häufig werden Anleger nach Kursverlusten optimistischer, weil sich ein Teil ihrer negativen Erwartungen bereits materialisiert hat. Diesmal ist es anders.„Mehrmals scheiterte der Dax am Allzeithoch, und nun scheint man die Hoffnung auf neue Rekorde erst einmal aufzugeben“, sagt Heibel.Dennoch bleibt die Investitionsbereitschaft mit 1,7 Punkten vergleichsweise hoch. Diese Tendenz zeigt sich auch am Terminmarkt, wie Daten der Börse Stuttgart und der europäischen Derivatebörse Eurex zeigen. Sowohl private als auch institutionelle Investoren setzen derzeit tendenziell mit Put-Optionen auf steigende Kurse.Für Heibel ist diese Spekulationsfreude überraschend: „Obwohl es in meinen Augen ziemlich turbulent an den Börsen zugeht, haben viele Anleger noch immer einen hohen Appetit auf Long-Spekulationen.“Börsengänge und Kapitalerhöhungen saugen Kapital aufDas sei nachvollziehbar, wenn man sich die mit KI verbundenen Chancen anschaut. Gleichzeitig sei es gefährlich, wenn man sich den Kapitalbedarf der KI-Revolution in den kommenden Wochen vor Augen führe:Die Google-Mutter Alphabet kündigte vergangene Woche eine Kapitalerhöhung über 80 Milliarden Dollar an.Diese Woche ist der Börsengang der Weltraumfirma SpaceX geplant, die damit rund 75 Milliarden Dollar einsammeln will.Die Facebook-Mutter Meta denkt Medienberichten zufolge über eine Kapitalerhöhung nach.Im weiteren Jahresverlauf könnten die Börsengänge der KI-Start-ups Anthropic und OpenAI anstehen, die Billionen-Bewertungen anstreben.BNP-Paribas-Experte Kemper erklärt: „Auch wenn die KI-Story weitergeht und das Wachstum unvermindert anhalten dürfte, wird dies nicht mehr für das finanzielle Füllhorn gelten, das die Anleger über die Aktien des Sektors ausschütten können.“ Kapitalerhöhungen und Börsengänge saugen also so viel Geld auf, dass der weltweite Aktienmarkt diese Entwicklung erst einmal verkraften müsse.Heibel sieht aktuell Anzeichen, dass sich die aktuelle Rally in einem späten Stadium befindet: „Einzelne Titel springen immer wieder an und entfachen die Gier der Anleger auf exzessive Gewinne über Nacht. Doch ein immer größerer Anteil an Aktien erreicht keine neuen Hochs mehr, sondern sackt langsam ab.“ Verwandte Themen DaxAnthropicDas bedeutet nicht zwingend, dass der Aktienmarkt vor einer tiefen Korrektur steht. Dennoch rät Heibel: „Wer einen entspannten Sommer verleben möchte, der sichert sich nun ein paar der exorbitant gestiegenen Gewinne in den erfolgreichen Positionen.“Seit 2014 analysiert Stephan Heibel die Handelsblattumfrage. Foto: Matthias Martin, Berlin Über den Sentimentexperten
Dax: Anleger geben Hoffnung auf Rekorde vorerst auf
Die Stimmung unter deutschen Privatanlegern verschlechtert sich. Wer einen entspannten Sommer verleben will, für den hat Analyst Stephan Heibel einen Rat.












