Düsseldorf. Am deutschen Aktienmarkt bröckeln die Gewinne des laufenden Jahres immer weiter ab. Der Leitindex Dax fiel am Freitag kurzzeitig unter die Marke von 23.000 Punkten, mittlerweile ist er auf seinem Niveau von März angekommen.Unter Investoren wächst die Sorge, dass sich eine Spekulationsblase gebildet hat, die jetzt platzt und einen Börsencrash auslöst. Allerdings deutet das Ergebnis der Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment darauf hin, dass Anleger die jüngste Abwärtsbewegung eher als eine Korrektur einstufen, auf die in der Regel eine Erholung folgt.Für das Sentiment befragt das Handelsblatt jede Woche von Freitagmorgen bis Samstagabend etwa 9000 Privatanlegerinnen und -anleger nach ihrer Markteinschätzung. Die Antworten wertet Stephan Heibel, Geschäftsführer des Analysehauses AnimusX, aus und ergänzt sie um weitere Indikatoren.Das aktuelle Ergebnis zeigt, dass sich die Anlegerstimmung deutlich verschlechtert hat, allerdings bisher keine Panik herrscht. 41 Prozent der Befragten verorten den Dax in einem Abwärtstrend – in der Vorwoche waren es noch 24 Prozent.Dadurch fällt die Anlegerstimmung auf minus 3,4 Punkte. „Angst und Panik“ zeigten aber erst Werte ab minus vier an, erklärt Heibel: „Da waren wir vor zwei Wochen mit einem Wert von minus 3,8 schon näher dran, obwohl der damalige Ausverkauf wesentlich geringer ausfiel.“Dafür wächst aber die Verunsicherung. Diese wird gemessen, indem die Teilnehmer gefragt werden, ob sich ihre Erwartungen in der vergangenen Handelswoche erfüllt haben.In der aktuellen Umfrage geben 60 Prozent an, dass sich ihre Erwartungen in der vergangenen Börsenwoche kaum oder gar nicht erfüllt haben. Das sind noch einmal zehn Prozentpunkte mehr als zuvor.Die von Heibel ermittelte Verunsicherung wächst dadurch auf minus 6,1 Punkte. Höher war sie zuletzt Anfang April, als US-Präsident Donald Trump einen Handelsstreit mit dem Rest der Welt begann.Sorge vor weiter sinkenden Kursen nimmt abAllerdings steigt parallel die Erwartung. Um diese zu ermitteln, werden die Umfrageteilnehmer gefragt, welche Marktphase sie in drei Monaten erwarten. Positive Werte zeigen Optimismus an, negative Werte Pessimismus.Im Vergleich zur Vorwoche ist die Erwartung von minus 0,8 Punkten auf plus 0,5 Punkte gestiegen. „Es ist ein neutraler Wert, von dem wir ablesen können, dass zumindest die Angst vor noch tieferen Kursen nicht mehr sehr groß ist“, erklärt Heibel. Das ist ein positives Zeichen, weil es zeigt, dass der Verkaufsdruck abnehmen könnte.Unterstützt wird diese Entwicklung durch den Terminmarkt, an dem Anleger auf steigende Kurse setzen oder sich gegen Kursrisiken absichern können. Daten der Börse Stuttgart zeigen, dass zwar die Wetten auf steigende Kurse aus der Vorwoche geschlossen wurden, aber gleichzeitig kaum neue Absicherungen aufgebaut wurden. Institutionelle Investoren sind neutral positioniert, wie Daten der europäischen Terminbörse Eurex zeigen.Gleichzeitig wächst unter den Teilnehmern des Dax-Sentiments die Investitionsbereitschaft. Sie steigt von plus 0,2 auf 1,0 Punkte. „Das signalisiert uns, dass Anleger bereits nach Schnäppchen Ausschau halten“, sagt Heibel.Korrektur dürfte überschaubar bleibenDas stärkste Signal ermittelt der Sentiment-Experte aber in einer separaten Umfrage von AnimusX unter seinen Kunden. Dabei geht es um das sogenannte Commitment. „Es misst, ob Anleger in den kommenden zwei Wochen aktiv werden wollen. Im Unterschied zur Investitionsbereitschaft ist es egal, ob sie kaufen oder verkaufen wollen“, erklärt Heibel.Das Commitment notiert auf einem extrem hohen Niveau. Da die Investitionsbereitschaft gleichzeitig nur moderat positiv ist, die Verunsicherung aber sehr hoch, leitet Heibel daraus ab, dass viele Umfrageteilnehmer aktiv werden wollen.Eine vergleichbare Sentimentlage gab es in den vergangenen 20 Jahren 33 Mal. In allen 33 Fällen notierte der Dax sechs Monate später höher. Durchschnittlich lag das Plus bei 11,3 Prozent. „Ein so starkes Signal haben wir selten in der Sentimentanalyse“, sagt der AnimusX-Geschäftsführer. Verwandte Themen DaxUS-StrafzölleDas bedeutet nicht, dass der Dax nicht kurzzeitig noch weiter fallen könnte. In einigen Vergleichsfällen dauerte es Monate, bis der Index ins Plus drehte, berichtet Heibel: „Doch ich würde aus dieser Referenz ableiten, dass wir uns nicht am Beginn einer langen Baisse befinden, sondern lediglich in einer gesunden Korrektur, deren Dauer überschaubar bleiben sollte.“Stephan Heibel: Seit 2014 analysiert der Aktienmarktexperte die Handelsblattumfrage Foto: Matthias Martin, Berlin Über den Sentimentexperten