PfadnavigationHomeSportFußballWMNationalmannschaftDie „Noch-Debatte“ und Klopps Aussage – was beim DFB hinter den Kulissen geschahVon Lars Gartenschläger, Christian FalkStand: 16:00 UhrLesedauer: 4 MinutenRudi Völler zeigt sich vor dem WM-Auftakt gewohnt locker – und verteilt im Gespräch mit Thomas Müller und Jürgen Klopp gleich noch einen kleinen Seitenhieb. Die beiden seien schließlich „mehr für die Komik zuständig“, scherzt der DFB-Sportdirektor.Rund um das WM-Auftaktspiel sorgte die „Noch-Debatte“ für viel Aufsehen – und Unverständnis beim DFB. Der verbale Konter von Sportdirektor Völler auf die Aussagen der Experten Klopp und Müller saß. Vorbereitet war das jedoch nicht. Ganz im Gegenteil.Es sind entspannte Stunden, die sie im deutschen WM-Quartier von Winston-Salem seit der Rückkehr aus Houston am vergangenen Sonntagabend erleben. Während manche Top-Nation bei der WM schon ins Stolpern kam, wie etwa Brasilien, das 1:1 gegen Marokko spielte, oder gar die Spanier (0:0 gegen Kap Verde), legten die deutschen Nationalspieler mit dem 7:1 gegen Curacao in Houston einen perfekten Turnierstart hin. Und das, obwohl es vor der Auftaktpartie heftige Nebengeräusche gab.Jürgen Klopp und Thomas Müller hatten bei der Übertragung des WM-Eröffnungsspiels zwischen Mexiko und Südafrika (2:0) in ihrer Rolle als Experten bei MagentaTV für Aufsehen gesorgt – und die „Noch-Debatte“ losgetreten. Als es um die deutsche Aufstellung gegen Curacao ging, sagte Klopp: „Zum Glück stellt Julian Nagelsmann die Mannschaft auf“ – und schob dann zweimal ein „noch“ hinterher. Müller reagierte sofort und sagte: „Kloppooooo. Wir haben Juni. Du bist schon im September.“Lesen Sie auchBeide amüsierten sich über den Dialog, der implizierte, dass Nagelsmann im September trotz des Vertrages bis nach der EM 2028 nicht mehr für die Nationalelf verantwortlich sein könnte. Klopp gilt als Top-Kandidat auf den Bundestrainer-Posten, sollte Nagelsmann nach der WM nicht mehr im Amt sein.Unverständnis in der FührungsriegeKlopp nutzte am Sonntag im Anschluss an das Spiel der Deutschen zwar die Gelegenheit und richtete entschuldigende Worte an die Adresse von Nagelsmann, der neben ihm stand und ein leichtes Grinsen im Gesicht hatte. Dennoch hatten die Sätze Sprengkraft. Sie sorgten in der Öffentlichkeit für Unruhe und waren auch Thema in der Pressekonferenz am Tag vor dem Curacao-Spiel.Die Aussagen von Klopp und Müller sorgten innerhalb des Führungs- und Trainerstabs bei der Nationalmannschaft für großes Unverständnis. Einstimmiger Tenor: „Das macht man nicht.“ Dass vor allem Klopp seinen Trainerkollegen Nagelsmann infrage stellte und damit kurz vor dem WM-Start für Unruhe um die deutsche Mannschaft sorgte, hatte man von Klopp nicht erwartet. Aber ganz so getriggert, wie die eine oder andere Aussage einiger Experten in den vergangenen Monaten, haben die Sätze den Bundestrainer nicht.Lesen Sie auchVöller, der beim WM-Eröffnungsspiel in Mexiko auf der Tribüne saß, hatte die Sätze erst später mitbekommen. Um sich eine eigene Meinung zu bilden, schaute sich der 66-Jährige den Videoclip an, nachdem ihm das „Noch“-Thema zugetragen worden war. Im Vorfeld des Spiels gegen Curacao fragte MagentaTV schließlich beim DFB ein Interview mit dem Sportdirektor an. Aufgrund der weiten Wege im Stadion von Houston wurde Völler vom Rasen aus hoch auf die Tribüne zugeschaltet, auf der Moderator Johannes B. Kerner mit den Experten Klopp und Müller stand.Ein Podcast, ein Champion, ein Rätsel – wer ist der Gast? Raten Sie mit: Abonnieren Sie WELTMeister bei Spotify oder Apple Podcasts.Wie immer erledigte Völler seinen Auftritt, der knapp neun Minuten dauerte, in Eigenregie. Seine Spitzen gegen das Experten-Duo („Ihr seid ja mehr für die Komik zuständig“) oder speziell gegen Müller („Thomas, du könntest einen kleinen Trainerschein machen, um ein wenig mehr zu verstehen“) kamen von ihm spontan und aus dem Bauch heraus. Er hatte sich die Sätze nicht zurechtgelegt – und auch nicht vor, eine verbale Gegenattacke zu starten. Ganz im Gegenteil, Völler war sich seiner Rolle bewusst. Er ist erfahren genug – und wusste, dass es unmittelbar vor dem Eröffnungsspiel alles andere als dienlich gewesen wäre, die Debatte weiter zu befeuern.Bei der Nationalmannschaft ist man mit Völlers Krisenmanagement maximal zufrieden. Der Sportdirektor ist seiner „Bodyguard“-Rolle, den Bundestrainer in der Öffentlichkeit zu schützen, hundertprozentig nachgekommen. Schon zum Start in die WM-Vorbereitung in Herzogenaurach hatte er auf einer Pressekonferenz neben Nagelsmann Platz genommen und ihm verbalen Flankenschutz gegeben, ihn gegen Kritik verteidigt.Auch wenn Völler alles andere als begeistert von den Aussagen der MagentaTV-Experten war, blieb er ruhig. Anders als noch in der Vergangenheit. Nach einem 0:0 in der WM-Qualifikation 2003 attackierte Völler den damaligen ARD-Moderator Waldemar Hartmann vor einem Millionen-Publikum. „Du sitzt hier locker, bequem auf deinem Stuhl, hast drei Weizenbier getrunken und bist die Ruhe selbst.“ Lesen Sie auch2012 bezeichnete er in seiner Funktion als Sportdirektor von Bayer Leverkusen das Experten-Trio um Jan Aage Fjörtoft, Steffen Freund und den früheren Schiedsrichter Markus Merk als „die drei von der Muppet Show“. Zweimal ermittelte sogar schon der DFB-Kontroll-Ausschuss gegen Völler wegen verbaler Attacken gegen Schiedsrichter (2014 gegen Bastian Dankert, 2016 gegen Felix Zwayer).Stand jetzt ist ein Treffen zwischen Klopp, Müller und Völler nicht vorgesehen, auch wenn Völler vor der Partie gegen Curacao noch gesagt hatte, dass man ja grundsätzlich mal reden müsse.