PfadnavigationHomeSportFußballWMArtikeltyp:MeinungTV-Experten im MittelpunktBerauscht von der eigenen Hybris, oder weil es schlicht gute Unterhaltung ist? UnklarVon Michael MakusStand: 12:47 UhrLesedauer: 4 MinutenJürgen Klopps Aussagen zu Julian Nagelsmanns Zukunft haben medial hohe Wellen geschlagen. Nun hat sich Thomas Müller gegen die Kritik an den beiden TV-Experten gewehrt.Rund um den ersten WM-Auftritt Deutschlands wird im TV der freche Spruch von Jürgen Klopp in Richtung des Bundestrainers aufgearbeitet. Dabei macht keiner eine glückliche Figur. Allen voran Klopp selbst.Die Fußball-WM ist gerade fünf Tage alt und unsere TV-Experten drehen komplett am Kabel. Bastian Schweinsteiger outete sich in der ARD als Hirnforscher. Jürgen Klopp nutzt ein Dämlich-Geständnis als Exit-Strategie. Thomas Müller wird zum Ernährungsberater. Kerner empfiehlt eine Delfin-Therapie. Und die Wontorra verteilt Rapper-Ketten. Sicher ist: Für uns Zuschauer war ein deutsches Auftaktspiel nie unterhaltsamer! Die Einschaltquote im Ersten: gigantische 23,4 Millionen.7:1-Erdrutschsieg gegen die Likör-Insel Curaçao, obendrein viel Thermik auf allen Programmen. Dazu im Stadion von Houston nach jedem DFB-Tor „Major Tom“. Dieser Ohrwurm meiner Jugend, bei dem ich seit letzter Woche dauernd an Authentisch-Fan Jens Spahn (CDU) denken muss. Ob er am Sonntag auch wieder im 3-Streifen-Trainingsjäckchen (Farbton: „Semi Flash Aqua“) vor dem Fernseher saß? Aquaman Spahn! Hilfe, schalten wir lieber schnell zur Noch-Affäre um Jürgen Klopp (Global Head of Magenta-Comedy) und Catwalk-Bundestrainer Julian Nagelsmann (drei Outfits in 90 Minuten) …„Zum Glück macht Julian Nagelsmann die Aufstellung – noch. Noch!“ Mit diesem Spruch zur Unzeit im Rahmen der WM-Eröffnung hatte Phantom-Bundestrainer Klopp (wird als potenzieller Nachfolger gehandelt) sich den Zorn der Branche aufgehalst und für mächtig Unruhe gesorgt. Höhepunkt: In der Kult-Sendung „Doppelpass“ von Moderator Florian König (Sport 1) holt der seit der USA-WM 1994 für Achtsamkeitsmeditationen im DFB-Lager bekannte Stefan Effenberg den Zeige-, nicht den Stinkefinger heraus, und wirft Klopp Kneipen-Jargon vor. Weltmeister Andy Möller urteilt: „Respektlos, ein No-Go!“Logisch denkt der „Doppelpass“-Zuschauer: Klopp wird sofort nach dem Aufwachen in Texas (–7 Stunden) den Stetson-Cowboyhut vom Nachttisch grabbeln und noch vor dem ersten Morgenkaffee zur Beichte galoppieren. Fast! Als MagentaTV mit Klopp, Thomas Müller („Bei uns ist immer ein bisschen Schmäh dabei. Wir werden uns nicht verbiegen.“) und Johannes B. Kerner eineinhalb Stunden vor dem Deutschland-Kick auf Sendung geht, wird zunächst weiter gejuxt. Berauscht von den neuesten Magenta-Quoten (rund 5 Millionen Abo-Kunden), der eigenen Hybris, oder weil es schlicht gute Unterhaltung ist? Unklar.Johannes B. Kerner sucht in Infantino-Manier eine Lösung für KloppSelbst als der weiße DFB-Gandalf Rudi Völler dem Stand-up-Duo Müller/Klopp in einem soften Waldi-Moment („Ihr seid ja mehr für die Komik zuständig.“) ein deeskalierendes Rollengespräch anbietet, um „Grundsätzliches zu klären“, zunächst keine Wende. Derweil nähert sich auch ARD-Experte Bastian Schweinsteiger im Interview mit Nagelsmann holprig-schüchtern der Noch-Thematik und erntet Vorgedachtes: „Mein Job ist, dass wir ein gutes Turnier spielen.“Lesen Sie auchBei Magenta sucht Showmaster Kerner in Infantino-Manier („Einfach mal chillen.“) eine Lösung, um die selbst angeschobene Welle abzuflachen: „Für diejenigen, die noch auf der Palme sind, einfach mal mit Delfinen schwimmen, bisschen runterkommen.“ Anstatt RB-Boss Klopp noch nach dem möglichen Trainerwechsel bei seinem Klub Leipzig zu fragen, geht die Bewerbungsrunde für die nächste LOL-Staffel („Der Letzte, der lacht“/Amazon Prime) unkontrolliert weiter …Klopp zu Müller: „Jetzt hast du das Wort ,noch‘ zweimal benutzt!“Müller: „Ach so, das ist ja eigentlich für dich gepachtet. Wusste nicht, dass du das exklusiv hast. Ich gebe dir nachher einen Fünfer für das Copyright.“Müller auf Völlers Gesprächsangebot: „Ich setze mich immer gern mit euch zusammen.“Klopp grinsend: „Noch! (...) Wir sind mehr für die Komik zuständig, hat er gesagt.“Müller: „Man hört das, was man hören will. Rudi ist auch dafür zuständig, das Gebilde zu beschützen.“Noch, noch, noch – es geht so weit, dass besorgte Fans im Netz fragen, ob Klopp eventuell unter einem „Noch-Tourette“ (krankhaftes Ausrufen/Tics) leidet. Wie passend, dass im Konkurrenz-Sender ARD-Neurochirurg Schweinsteiger auftritt, der sich in Synapsen-Dingen auszukennen scheint. So erklärt er seiner Kollegin Esther Sedlaczek (gewohnt souverän), dass Nagelsmann ein „schneller Denker ist“: „Julian hat ein schnelles Gehirn. Er schaltet sehr schnell, nimmt Einfluss, findet die richtigen Worte und kann pushen.“Schweinsteiger nach Weltmeister jetzt Hirnforscher – diese Nachricht schafft es noch während des Spiels via senderübergreifendem Expertenfunk zu Klopp, der seine prekäre Lage neu bewertet und blitzschnell handelt. Statt weiterer Witze, jetzt Abbitte bei 7:1-Nagelsmann. Mit einem erstaunlichen Klopp-Geständnis: „Das Unwort meines Jahres habe ich bereits gefunden – das ist noch. Ich hätte mir dafür aufs Maul hauen können, aber es war schon zu spät und ich war im Fernsehen. Das ist flapsig rausgerutscht und hat überhaupt keine Relevanz. Was ich festgestellt habe: Ich werde übermorgen 59 und bin immer noch dämlich!“Wäre Klopp („Wir alle sind Team Deutschland. Wir alle wollen Weltmeister werden!“) das auch nach einem 1:1-Endstand gegen Curacao eingefallen? Dr. Schweinsteiger, bitte bis zur nächsten Sendung einmal per EEG die Hirnströme beim Kollegen messen! Wir sind überzeugt: Die Antwort ist JA. Klopp ist kein Wegducker, eher ein Zu-schnell-Sprecher! So wie Radio Müller, der an der Seitenlinie Ex-Kollege Schweini um den Bauch fasst und analysiert: „Den Basti kann man so schön kuscheln, der ist ein kleiner Teddybär geworden.“Houston, unsere TV-Experten sind verrückt geworden!