Einen Tag vor Ablauf des seit 5. Mai geltenden Umtauschangebots hat nun Unicredit die Wertpapieraufsicht Bafin aufgefordert, von der Commerzbank verbreitete angeblich irreführende Informationen zu untersuchen. Unicredit deutete erstmals an, schon jetzt die erforderliche Mehrheit auf einer Hauptversammlung zu haben, um die Aufsichtsräte der Kapitaleigner neu zu wählen und den Vorstand abzuberufen.Zusätzlich zu den 26,77 Prozent an Commerzbank-Aktien in direktem Besitz hat Unicredit bisher rund zwölf Prozent Commerzbank-Aktien im Tausch gegen Unicredit-Aktien angedient bekommen. Dabei akzeptierten diese tauschwilligen Aktionäre, dass sie gemessen an den aktuellen Börsenkursen weniger erhielten, als wenn sie ihre Commerzbank-Aktien über die Börse verkauft hätten. Daher stellt sich die Frage, warum die Aktionäre Unicredit die Aktien zum Tausch anbieten („tendern“).Eine naheliegende Erklärung ist, dass die getenderten Aktien von mit Unicredit verbundenen Banken kommen. Unicredit selbst hat offengelegt, dass sie Total Return Swaps mit den Banken Nomura und Citigroup abgeschlossen hat. Insgesamt hat Unicredit Long-Derivate über 3,2 Prozent der Commerzbank-Aktien mit Lieferverpflichtung und über 13 Prozent ohne Aktienlieferverpflichtung, aber bei positiver Kursentwicklung der Commerzbank-Aktie mit Bargeldausgleich abgeschlossen. Von Nomura ist bekannt, dass sie rund die Hälfte ihres Commerzbank-Engagements getendert hat. Dies könnte geschehen sein aufgrund einer Nebenabrede in den bilateralen, der Öffentlichkeit nicht zugänglichen Vertragsbedingungen der Total Return Swaps. Es könnte aber auch eine Maßnahme Nomuras zum Risikomanagement sein.„Wir haben nur Daten mit der Öffentlichkeit geteilt“Commerzbank-Vorstandsvorsitzende Bettina Orlopp reagierte gelassen auf die Vorwürfe aus Mailand. „Wir kennen die Herkunft der angedienten Aktien. Diese Daten haben wir mit der Öffentlichkeit geteilt. Unter den zwölf Prozent der Aktien, die Unicredit angedient wurden, sind keine von institutionellen Investoren und kaum von Retailinvestoren“, sagte sie auf dem Euro Finance Summit, wo ihre Teilnahme am Montag bereits seit vielen Wochen feststand.Ohne auf Nomura und Jefferies namentlich einzugehen, sagte Orlopp: „Zum Teil wurden geliehene Aktien angedient, sodass der tatsächliche Anteil von Unicredit an der Commerzbank nur schwer festzustellen ist.“ Es gehe der Commerzbank lediglich darum, den Eindruck zu zerstreuen, dass das Angebot von Unicredit an die Commerzbank-Aktionäre attraktiv sei. „Weil es das nicht ist“, sagte Orlopp.Die Commerzbank hat ihrerseits schon am 3. Juni die Wertpapieraufsicht Bafin eingeschaltet und in der vergangenen Woche neue Vorwürfe an Unicredit gerichtet. Das Frankfurter Kreditinstitut hat in den vergangenen Wochen einen erheblichen Anstieg der Wertpapierleihe-Aktivitäten in ihren Aktien beobachtet, den sie angesichts des Ausmaßes und des Zeitpunkts als ungewöhnlich betrachtet. „Seit Ankündigung des Angebots ist die Leihe-Aktivität um mehr als das Zehnfache gestiegen.“Die Rolle der InvestmentbankenAm Wochenende hatte die F.A.Z. berichtet, dass die Investmentbank Jefferies nach Nomura und Citigroup die drittmeisten Commerzbank-Aktien getendert hat. Bemerkenswert daran ist, dass die kleine Investmentbank weniger als drei Prozent der Commerzbank-Aktien besitzt, aber elf Prozent an Long-Derivaten auf die Commerzbank-Aktie gemeldet hat. Daher stellt sich die Frage, woher die Aktien kommen, die Jefferies getendert hat. Unicredit hat Jefferies, die wegen des Commerzbank-Engagements nach F.A.Z.-Informationen eine Sonderprüfung der Bafin über sich ergehen lassen musste, bisher nie als Helfer genannt. Unterstellungen, dass die getenderten Aktien von ihr aus „Kreisgeschäften“ kommen könnten, hat die italienische Bank auch stets zurückgewiesen, am Montag erstmals offiziell: „Behauptungen, die tatsächliche Zahl der eingelieferten Aktien sei niedriger, weil diese Aktien von Unicredit geliehen worden seien, sind falsch und entbehren jeder Grundlage“, heißt in einer Pressemitteilung Unicredits. Die italienische Bank habe keine Wertpapierleihgeschäfte in Bezug auf die von ihr gehaltenen Commerzbank-Aktien getätigt.Die Wertpapieraufsicht Bafin, die ein transparentes Übernahmeverfahren sicherzustellen hat, hielt sich bislang recht bedeckt. Allerdings hat die Bafin Unicredit schon die Verbreitung „irreführender Analysen“ verboten. Und in der vergangenen Woche veranlasste die Bafin Unicredit dazu, auch nicht-meldepflichtige Short-Derivate doch zu melden.Ernster nimmt Orlopp die nur mühsam verhohlene Drohung von Unicredit, den Aufsichtsrat der Commerzbank rund um den früheren Bundesbank-Präsidenten Jens Weidmann abzuwählen. „Sollte Unicredit auf der Hauptversammlung ausreichende Unterstützung durch Aktionäre erlangen, wäre sie in der Lage, sämtliche Anteilseignervertreter im Aufsichtsrat zu wählen, der seinerseits für die Bestellung des Vorstands zuständig wäre“, heißt es seitens der italienischen Großbank. „Es gibt die Vereinbarung, dass der deutsche Staat, solange er Anteile an der Commerzbank hält, zwei Vertreter in den Aufsichtsrat entsendet“, sagte Orlopp. Könne man sich auf solche Vereinbarungen verlassen? Diese Frage müsse in den kommenden Tagen und Wochen diskutiert werden, sagte Orlopp auf der Veranstaltung.Orlopp weiter offen für GesprächeObgleich die verbale Auseinandersetzung zwischen den beiden Banken an Schärfe zunimmt, zeigte sich Orlopp abermals offen für Verhandlungen mit Unicredit. „Es muss immer einen Weg geben, professionell zu sprechen“, sagte die Commerzbank-Chefin. Voraussetzung sei aber, dass die Commerzbank-Aktionäre „einen signifikanten Aufschlag und keineswegs einen Abschlag erhielten“. Sie widersprach der These von Moderator Andreas Scholz, dass sich die Schlinge zusammenziehe. „Ich sehe das ganz gelassen, der Markt wird das entscheiden.“ Gleichwohl räumte sie ein, dass die mögliche Übernahme „bei jedem Kundengespräch ein Thema ist“.Die Commerzbank-Aktie verlor am Montag in der Spitze in einem sehr festen Gesamtmarkt zwei Prozent, konnte zum Mittag das Minus aber etwas begrenzen. Das Papier der Deutschen Bank hingegen legte um 3,5 Prozent zu.
Unicredit und Commerzbank liefern sich Schlagabtausch
Die italienische Bank fordert jetzt ihrerseits von der Bafin, angeblich irreführende Informationen zu untersuchen. Indirekt droht sie auch, den Aufsichtsrat der Commerzbank neu zu besetzen.














