Liest man das jüngste Statement der Unicredit in Richtung Commerzbank, scheint sich einiges angestaut zu haben. Man habe sich bislang bewusst zurückgehalten, auf die Vorwürfe der Commerzbank zu reagieren, nun sei das aber nicht mehr möglich, heißt es in einer längeren Mitteilung, die Unicredit an diesem Montagmorgen verschickte. Ganz korrekt ist das freilich nicht: Die Mailänder hatten die Vorwürfe der Commerzbank, wonach Unicredit beim Übernahmeversuch irreführend kommuniziere, bereits vergangene Woche zweimal als substanzlos zurückgewiesen. Doch nun holen die Mailänder noch einmal deutlich aus – und beim Lesen spürt man förmlich, dass Unicredit-Chef Andrea Orcel persönlich an diesem Text mitgewirkt haben dürfte.Es sei „weiterhin enttäuschend“, dass es die Commerzbank vermeide, sich mit den Vorzügen der Transaktion auseinanderzusetzen. Und: Angesichts der „anhaltenden und unablässigen Verbreitung unrichtiger und irreführender Informationen“ sowie der daraus resultierenden „Beeinträchtigung des Angebotsprozesses“ sehe sich Unicredit gezwungen, die Fakten richtigzustellen. Deshalb möge die Finanzaufsicht Bafin nun bitte prüfen, ob die Aussagen der Commerzbank „die Integrität des Übernahmeverfahrens stören würden“.Und nicht nur das: Unicredit droht auch erstmals offen damit, den kompletten Aufsichtsrat der Commerzbank, inklusive der beiden Vertreter des Bundes, auszutauschen, der seinerseits für die Bestellung des Vorstands verantwortlich wäre. Sollte Unicredit auf der Hauptversammlung der Commerzbank ausreichend Stimmrechte haben, wäre man dazu in der Lage. Eine Mehrheit von 75 Prozent sei dafür nicht nötig, wie manche angeblich nahegelegt hätten.Das Finanzministerium bleibt bei seinem NeinTatsächlich reicht dafür eine Mehrheit von 50 Prozent plus einer Stimme auf der Hauptversammlung. Das könnte Unicredit, je nach Präsenz, dort bereits ab 40 Prozent Aktienbesitz erreichen. Derzeit hat Unicredit – vorbehaltlich der Genehmigungen – offenbar Zugriff auf 37 Prozent der Commerzbank. Zur Einordnung: Seit der staatlichen Rettung in der Finanzkrise von 2008 hat der Bund das Recht, Kandidaten für zwei Posten im Kontrollgremium vorzuschlagen. Derzeit hält der Staat noch rund zwölf Prozent der Anteile an dem Frankfurter Geldhaus.Das Finanzministerium blieb am Montag bei seinem Nein zum Vorgehen Orcels. „Für die Bundesregierung wäre eine feindliche, aggressive Übernahme – insbesondere mit Blick auf eine systemrelevante Bank wie die Commerzbank – nicht akzeptabel“, sagte ein Sprecher. Die Commerzbank spiele eine wichtige Rolle bei der Finanzierung der deutschen Wirtschaft und sei als bedeutender Arbeitgeber zudem zentral für den Finanzstandort Frankfurt. „Beides gilt es auch in Zukunft sicherzustellen“, so der Sprecher.Allerdings ist man sich regierungsintern durchaus darüber im Klaren, dass man schon bald in eine ungemütliche Lage geraten könnte. Dann, wenn Unicredit bei der Commerzbank das alleinige Sagen haben und selbst einen so bedeutenden Minderheitsaktionär wie den deutschen Staat ausmanövrieren könnte. Echte Abwehrmöglichkeiten gibt es nicht, denn der Bund ist weder Genehmigungsbehörde noch kann und will er seine Commerzbank-Beteiligung aufstocken. Erstens wäre dies teuer, zudem war die eigentliche Strategie ja, sich aus dem Institut zurückzuziehen.Der Betriebsrat der Commerzbank hat nun sogar Strafanzeige erstattet – gegen unbekanntSollte Unicredit auf der Hauptversammlung 2027 tatsächlich anpeilen, den Aufsichtsrat auf Aktionärsseite auszutauschen, wäre das eine weitere Eskalation in dem seit fast zwei Jahren andauernden Übernahmekampf – und der Bund erneut düpiert. Unicredit hatte unlängst ein sogenanntes freiwilliges Übernahmeangebot für die Commerzbank abgegeben, ganz offensichtlich, um ein teureres Pflichtangebot zu vermeiden. Rechnerisch liegt das Angebot deutlich unter dem Aktienkurs der Commerzbank – und bislang haben es fast ausschließlich jene Investmentbanken angenommen, die Unicredit zuvor dabei geholfen hatten, ihre Beteiligung aufzubauen.Die Commerzbank leitete daraus den Vorwurf ab, Unicredit führe den Markt in die Irre, zumal Unicredit die überraschend hohe Annahmequote als Beleg für den Wert des Angebots verkauft hatte. Die Commerzbank schaltete daraufhin die Bafin ein. Inzwischen erstattete der Commerzbank-Betriebsrat sogar Strafanzeige gegen Unbekannt, unter anderem wegen des Verdachts der Marktmanipulation. Unicredit weist das explizit zurück.Dem Vorwurf, Unicredit habe womöglich sogar eine Straftat begangen, wollte sich Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp ausdrücklich nicht anschließen, als sie am Montagmorgen auf einer Konferenz des Deutschen Fachverlages in Frankfurt befragt wurde. Man habe lediglich die Fakten dargelegt, sagte sie, aber „überhaupt nichts Irreführendes getan“. Dazu gehöre, dass bislang kaum ein institutioneller Investor das Angebot angenommen habe. Es sei zudem bemerkenswert, dass Unicredit erwäge, „bei einem systemrelevanten Institut einfach mal den ganzen Aufsichtsrat auszutauschen“.Die Aktionäre sollten nun entscheiden, was mit der Bank geschehe, sagte Orlopp, zugleich sei es aber die Aufgabe des Managements, Alternativen bereitzustellen und eine Prämie zu verlangen. Wenn Unicredit bereit sei, eine solche zu zahlen und die Stärken des Geschäftsmodells anzuerkennen, werde man das Gespräch suchen. Wie viele Commerzbank-Aktionäre sich von der Kommunikation Unicredits haben beeindrucken lassen, dürfte sich bereits am Montagabend zeigen, wenn Unicredit einen neuen Wasserstand zur Annahmequote veröffentlicht. Die verlängerte Frist zur Annahme läuft allerdings noch bis 3. Juli. Ganz vorbei ist die Sache also noch nicht.
Unicredit droht nun auch dem Commerzbank-Aktionär Bund
Kurz vor Ablauf der Angebotsfrist schießt Unicredit im Übernahmekampf um die Commerzbank noch einmal scharf zurück.












