Unicredit hat erstmals auch Short-Positionen veröffentlicht, mit denen die italienische Bank ihr Aktienengagement in der Commerzbank quasi automatisch wieder verringern könnte. Die Veröffentlichung ist nicht gesetzlich vorgeschrieben und erfolgte nach Informationen der F.A.Z. auf Drängen der Wertpapieraufsicht Bafin. Die Bafin hat als neutrale Behörde die Aufgabe, für Transparenz und ein faires Übernahmeverfahren zu sorgen. Offensichtlich reichten aus Sicht der Behörde angesichts der Spekulationen, wer gerade welche Commerzbank-Aktien besitzt, die gesetzlichen Regeln allein nicht mehr aus.Unicredit hat am 10. Juni einen Bestand an Commerzbank-Aktien in Höhe von 26,77 Prozent und Long-Derivate gemeldet. Seit Längerem wird in der Berichterstattung der F.A.Z. unterschieden zwischen zwei Arten: Total Return Swaps, mit denen sich Vertragspartner wie die Banken Nomura und Citigroup verpflichtet haben, Unicredit zu einem bestimmten Zeitpunkt Commerzbank-Aktien zu liefern (3,2 Prozent); und Total Return Swaps, mit denen Unicredit an einer positiven Kursentwicklung der Commerzbank profitiert, für die aber keine Lieferverpflichtung von Aktien besteht, sondern nur ein Barausgleich (13,2 Prozent). Dass Unicredit diese riskanten Positionen auch mit Gegengeschäften absichert (Hedging), war Fachleuten klar. Durch die Initiative der Bafin sind die Heding-Maßnahmen Unicredits nun in ihrem Ausmaß zum Teil bekannt geworden.Unicredit nennt konkrete Short-DerivateWie Unicredit mitgeteilt hat, ist die italienische Bank Short-Positionen auf „nahezu den gesamten Bestand“ ihrer Commerzbank-Aktien eingegangen. Konkret: Unicredit hat mehr als 98 Prozent des direkten Aktienbestands von 26,77 Prozent mit Terminkontrakten insofern abgesichert, als sie diese Aktien vermutlich zu fest vereinbarten Preisen zu bestimmten Zeitpunkten wieder verkaufen könnte. Als Instrumente des Risikomanagements nennt Unicredit „Long Put-Optionstransaktionen, Short Call Optionstransaktionen, Collar-Transaktionen, die solche Put- und Call Optionstransaktionen kombinieren, sowie Short Total Return Swaps mit Barausgleich und mit unterschiedlichen Laufzeiten, wobei die Laufzeit in einigen Fällen mehr als fünf Jahre beträgt“.Man darf davon ausgehen, dass die Bafin weitere Informationen von Unicredit erhalten hat. Die Commerzbank, die sich gegen eine aus ihrer Sicht feindliche Übernahme durch Unicredit wehrt, hat die Wertpapieraufsicht mehrfach aufgefordert, gegen Unicredit und die mit ihr verbündeten Banken vorzugehen. Dabei geht es unter anderem darum, ob nicht viel mehr Kontrakte über Commerzbank-Aktien abgeschlossen sind, als Aktien im entscheidenden Moment verfügbar wären. Außerdem ist die Bafin gefragt, zu prüfen, ob Unicredit nicht seit Längerem durch ihre Long-Derivate schon mehr als 30 Prozent der Commerzbank besitzt und mit Überschreiten dieser wichtigen Anteilsschwelle früher ein Übernahmeangebot hätte abgeben müssen.Commerzbank stellt viele Wertpapierleihen festSeit 5. Mai läuft noch bis 16. Juni ein freiwilliges Übernahmeangebot, das Commerzbank-Aktionären erlaubt, Commerzbank-Aktien in Unicredit-Aktien zu tauschen. Für dieses Angebot sind bis 10. Juni gut 10 Prozent aller Commerzbank-Aktien eingereicht worden, obwohl das Angebot angesichts der aktuellen Börsenkurse wirtschaftlich nicht attraktiv ist. Daher liegt nahe, dass die mit Unicredit über Total Return Swaps verbundenen Banken einen Teil ihrer Aktienlieferungen gerade erfüllen. In einer Mitteilung der Commerzbank vom 10. Juni heißt es dazu, keine der mit Unicredit in Verbindung stehenden andienenden Parteien habe vor dem Übernahmeangebot wesentliche Anteile an der Commerzbank gehalten.Außerdem kritisiert die Commerzbank, die von Unicredit kommunizierten Meldungen lieferten weiterhin nicht die erforderliche Transparenz und könnten nicht als Beleg für eine unabhängige Unterstützung der Aktionäre für das Angebot gewertet werden. „Zudem hat die Commerzbank in den vergangenen Wochen einen erheblichen Anstieg der Wertpapierleihe-Aktivitäten in ihren Aktien beobachtet, den sie angesichts des Ausmaßes und des Zeitpunkts als ungewöhnlich betrachtet“, erklärte die Commerzbank weiter. „Seit Ankündigung des Angebots ist die Leihe-Aktivität um mehr als das 10-fache gestiegen.“ Damit erhöht die Commerzbank den Druck auf die neutrale Behörde Bafin, von Unicredit weitere Informationen zu verlangen.