KommentarNein zum Wohnschutz: Zürich verzichtet auf ein gefährliches Experiment. Jetzt müssen echte Lösungen herDer Kanton Zürich lehnt zwei linke Initiativen zur Wohnpolitik ab. Nun sollte über Fristen, Baugesuche und Einsprachen diskutiert werden.14.06.2026, 15.52 Uhr3 LeseminutenMehr günstige Wohnungen – aber wie? Der Kanton Zürich lehnt am Sonntag zwei Vorschläge ab. Nun müssen neue Ansätze her.Dominic Nahr / NZZVoraussichtlich rund 55 Prozent: Das Nein des Kantons Zürich zur linken Wohnschutz-Initiative ist deutlich ausgefallen. Mieterverband, SP, Grüne und AL müssen eine Niederlage einstecken – und das, obwohl sie mit zahlreichen Geschichten dramatischer Leerkündigungen das Momentum auf ihrer Seite hatten.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Der Kanton Zürich hat mit dem Verdikt ein gefährliches Experiment abgewendet. Erfahrungen aus den Kantonen Basel und Genf, die bereits vergleichbare Wohnschutzrichtlinien kennen, haben gezeigt: Solche Bestimmungen sorgen dafür, dass weniger gebaut und weniger saniert wird. Der Unterschied zwischen Angebots- und Bestandesmieten vergrössert sich. Mehr Menschen müssten in Wohnungen bleiben, die gar nicht mehr zu ihren Lebensumständen passen.All das haben die Stimmberechtigten am Sonntag abgelehnt. Aus dem Nein zum Wohnschutz zu schliessen, dass die Wohnungsknappheit nun kein Thema mehr ist, wäre falsch.Denn nicht nur liegt die Leerwohnungsziffer fast im ganzen Kanton besorgniserregend tief und die Mieten steigen laufend. Die Ablehnung der Wohnschutz-Vorlage fiel deutlich weniger klar aus als noch bei der Abstimmung zum Vorkaufsrecht im vergangenen November. Die Städte Zürich, Winterthur und Uster haben die Vorschläge der Linken ausserdem sehr deutlich angenommen. Das zeigt: Viele Städterinnen und Städter fühlen sich in Not. Darauf muss reagiert werden, wenn soziale Spannungen abgewendet werden sollen.Mehr Einschränkungen des Markts und mehr Staatseingriffe dürfen nicht die Lösung sein. Das zeigen die Entscheide vom Sonntag, aber auch das klare Nein zu einem staatlichen Vorkaufsrecht. Es müssen andere Ansätze her.Ein Vorschlag liegt bereits auf dem Tisch: Die SVP will mit einer Initiative erreichen, dass Schweizer auf dem Zürcher Wohnungsmarkt Vorrang bekommen. Ausländer dürften nur noch dann eine Wohnung mieten, wenn kein Schweizer sie haben will. Das ist keine Lösung: Nicht nur ist diese Vorlage diskriminierend, sie schränkt auch die Vermieter in ihrer Freiheit ein. Doch wer eine Wohnung vermietet, soll selber entscheiden dürfen, wer diese mieten wird. Diese Freiheitsrecht muss geschützt werden.Bauen, bauen, bauen – und: Verdichten, verdichten, verdichtenDer beste Weg aus der Wohnungsnot ist vielmehr: Mehr bauen. Wo immer mehr Leute wohnen wollen, aber nicht mehr Wohnungen entstehen – da sind steigende Mieten unausweichlich. Dieses Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage wird Thema bleiben – gerade jetzt, da die Schweiz mit dem Nein zur 10-Millionen-Schweiz die Zuwanderung klar goutiert hat.Das bedeutet, dass auch die Stadt Zürich akzeptieren muss, dass Verdichtung unumgänglich ist. Zwar sagen in der Stadt viele, dass sie Verdichtung begrüssten. Doch gibt es dann konkrete Projekte im eigenen Quartier – dann ist man dagegen. Diese «Not in My Backyard»-Haltung führt direkt dazu, dass nirgends verdichtet wird. Das Wohnraumangebot bleibt dadurch knapp. Soll sich das ändern, führt kein Weg vorbei an Neubauten, Aufstockungen und ja, auch manchen Hochhäusern.Damit das alles gelingt, müssen aber auch die Bedingungen für das Bauen verbessert werden. Fristen müssen kürzer werden, die Einreichung von Baugesuchen einfacher. Ausserdem müssen jetzt die mannigfaltigen Einsprachemöglichkeiten überdacht werden.Das Recht, gegen Bauprojekte Einspruch zu erheben, wurde faktisch immer weiter ausgeweitet. Ob man direkt betroffen ist und ob das öffentliche Interesse überwiegt, das ist irrelevant. Und ob der Einsprache stattgegeben wird oder nicht: So oder so dauern Bauprojekte länger. Neue Wohnungen entstehen noch langsamer – und werden teurer.Nun ist die Politik gefragt. Die Diskussion darüber, wie Einsprachemöglichkeiten reformiert werden müssen, wird langwierig und schwierig. Niemand gibt gerne Rechte ab.Doch Zeiten ändern sich. Jetzt, heute, ist die Wohnungsknappheit drängender als manche der Anliegen, die mittels Einsprachen eingeklagt werden können. Wem tatsächlich daran gelegen ist, die Wohnungsknappheit zu lösen, der verschliesst sich dieser Diskussion nicht.Passend zum Artikel
Zürich lehnt die Wohnschutz-Initiative ab: Jetzt braucht es echte Lösungen
Der Kanton Zürich lehnt zwei linke Initiativen zur Wohnpolitik ab. Nun sollte über Fristen, Baugesuche und Einsprachen diskutiert werden.
Zurigo respinge l'iniziativa Wohnschutz (55% no), fermando l'intervento di sinistra sul mercato abitativo. Soluzione: aumentare offerta (tempi build snelliti, ricorsi ridotti, densificazione). Vincoli normativi limitano solo la supply, non i prezzi.











