Martigny wirkt auf den ersten Blick wie eine unscheinbare Kleinstadt im Tal. Doch der Ort hat für jeden Geschmack etwas zu bieten.Man braucht einen Moment, um in Martigny anzukommen. Das, was man bei der Ankunft sieht, ähnelt erst einmal vielen kleineren Schweizer Städten: Die Avenue de la Gare ist gesäumt von Fast-Fashion-Läden und Restaurantketten mit Plastikstühlen. Alles wirkt austauschbar. Die gerade Bahnhofstrasse führt zum Hauptplatz. Im Sommer ist dieser autofrei, und spätestens hier stellt sich zum ersten Mal so etwas wie Ferienstimmung ein. Menschen sitzen auf der Piazza beim Kaffee, irgendwo klirren Gläser, und schon fühlt sich alles ein wenig leichter an.Der erste Kaffeestopp dient der Ausflugsplanung. Denn Martigny selbst bietet viel. Gleichzeitig ist der Walliser Ort ein idealer Ausgangspunkt für Ausflüge in die Berge. Gleich mehrere (Ski-)Gebiete stehen zur Auswahl: Das kleine, familiäre Les Marécottes liegt nur 15 Autominuten entfernt, das mondänere Verbier erreicht man in etwa einer halben Stunde. Wer lieber abseits des Trubels unterwegs ist, findet kleinere Orte mit fast dörflichem Charakter und ruhigeren Wegen. Auf der Wanderung ab Charrat etwa entdeckt man im Frühling das seltene gelbe Adonisröschen, während der Aprikosenpfad ab Saxon durch Walliser Obstgärten führt. In Saxon kann man neben Aprikosenbäumen auch die historische sächsische Burg aus dem 13. Jahrhundert bewundern. Getty Images Für Geschichtsinteressierte wiederum gibt es in Martigny den archäologischen Rundgang: Die rund vier Kilometer lange Route führt vorbei am Tepidarium und an weiteren historischen Schauplätzen. Wer sich mehr Einordnung zur reichen Geschichte Martignys wünscht, erfährt viel darüber im gallo-römischen Museum, das Teil der Fondation Pierre Gianadda ist. Unübersehbar und bis heute gut erhalten ist das römische Amphitheater, das mittlerweile als Open-Air-Kino und für Konzerte genutzt wird.In Martigny spielt sich die Antike nicht nur im Museum ab, sondern ist bis heute Teil des Stadtbilds. Im Viertel La Bâtiaz mit seinen engen Gassen, alten Steinhäusern und bunten Fassaden etwa fühlt man sich für einen Moment ins Mittelalter versetzt. Zurück im Heute landet man im Quartier Lôdzè, wo der Café crème längst vom Flat White abgelöst wurde und zum Snack etwas mit Sauerteigbrot serviert wird. Martigny ist ein Ort mit vielen Facetten: mal ganz Stadt, mal sehr provinziell und immer nah an der Natur.Ein Wochenende in Martigny Samstag: 15:00 | Check-in Im Hotel Borsari trifft roher Beton auf Designklassiker und auf von der Region inspirierte Farben.Sonntag: 10:00 | Kunst Die Fondation Pierre Gianadda gehört zu den wichtigsten Kunstorten der Schweiz.16:00 | Spa In den römischen Les Bains Publics wird Tradition zeitgemäss interpretiert. Besonders eindrücklich ist die Architektur des Spas.12:00 | Wanderausflug Mit Standseilbahn, Panoramazug und «Minifunic» geht es in drei Etappen hoch zur Spitze des Emosson-Staudamms. Newsletter Die besten Artikel aus «NZZ Bellevue», einmal pro Woche von der Redaktion für Sie zusammengestellt.