Kommentar13. AHV-Rente: Dieser Raubzug auf die Löhne ist abzulehnenAnders als die Gewerkschaften vor der Abstimmung flöteten, ist die 13. AHV-Rente nicht gratis zu haben. Die Bürgerlichen sollten sich bei der Finanzierung nun nicht unter Druck setzen lassen.10.06.2026, 17.55 Uhr3 LeseminutenDie 13. AHV-Rente soll durch höhere Lohnbeiträge und Mehrwertsteuern finanziert werden. Die Jungen und Erwerbstätigen würden dadurch besonders stark belastet.Annick Ramp / NZZVania Alleva, Chefin der Unia, ist eine erfahrene Gewerkschafterin, die weiss, wie man Politik macht und soziale Wohltaten verkauft. So gab sie sich 2024 in der NZZ, als die Schweiz mitten im Abstimmungskampf über die 13. AHV-Rente steckte, betont gelassen: «Die AHV hat heute 50 Milliarden Reserven, bis 2030 werden es 70 Milliarden sein. Das macht es möglich, die 13. Rente 2026 einzuführen.» Und weiter: «Sollte längerfristig eine Zusatzfinanzierung nötig werden, dann braucht es nach unseren Berechnungen zusätzliche 0,4 Lohnprozentpunkte.»Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die Taktik der Gewerkschaften hatte Erfolg. Eine Mehrheit der Stimmenden sprach sich für das verlockende Angebot aus, das ja scheinbar gratis zu haben war - über die Kostenseite blickte man grosszügig hinweg. Heute nun tönt es anders, von «längerfristig» ist keine Rede mehr. Was 2024 noch als ferne Möglichkeit dargestellt wurde – mehr Lohnbeiträge von den Erwerbstätigen einkassieren, um die 13. AHV-Rente zu bezahlen –, ist inzwischen eine feste Forderung der Gewerkschaften. Die AHV brauche mehr Geld, und «sollte eine Finanzierung jetzt scheitern, würde sie in Zukunft teurer», heisst es heute von ihrer Seite.Ende Jahr wird die 13. Rente zum ersten Mal ausbezahlt. Und nächste Woche schlägt im Parlament die Stunde der Wahrheit. Nach zähem politischem Hin und Her liegt nun eine Finanzierungsvorlage auf dem Tisch, die als «Kompromiss» verkauft wird. Sie sieht vor, die Lohnbeiträge um 0,2 und die Mehrwertsteuer um 0,4 Prozentpunkte anzuheben - die letzte Mehrwertsteuererhöhung zugunsten der AHV ist notabene erst zwei Jahre her, und die letzte Beitragserhöhung sechs Jahre.Der Nationalrat hat bisher darauf beharrt, allein die Mehrwertsteuer zu erhöhen und zwar befristet. Dieser Lösung hätte man vielleicht noch knapp zustimmen können, auch wenn die Schweiz mit befristeten Zusatzfinanzierungen keine guten Erfahrungen gemacht hat. Denn sobald das Geld fliesst, macht der Reformwillen schlapp - das hat man bei der Invalidenversicherung gesehen.Aber eine unbefristete Erhöhung der Lohnbeiträge zusammen mit einer unbefristeten Steuererhöhung ist eine Kröte, die man nicht schlucken kann. Die Jungen und die Erwerbstätigen würden über Gebühr belastet, die Umverteilung unter den Generationen nähme weiter zu - das wäre einfach ungerecht.Deshalb ist zu hoffen, dass der Nationalrat an seiner Linie festhalten und die ganze Vorlage ablehnen wird – mit den Stimmen der FDP, der SVP und der GLP könnte das gelingen. Das würde bedeuten, dass die AHV vorläufig keine neuen Gelder erhielte. Und das wäre richtig. Ohne finanziellen Druck - und dieser wird ohne Zusatzeinnahmen massiv zunehmen - wird es bei der AHV keine echten Reformen geben. Das zeigt sich auch an der ambitionslosen «grossen» AHV-Reform 2030, die der Bundesrat jüngst vorgestellt hat.Selbstverständlich muss es dabei auch um eine Erhöhung des Rentenalters gehen, auch wenn das niemand so direkt sagen will. Sich hinter dem Vorwand zu verstecken, eine solche Vorlage sei chancenlos, ist zu einfach. Immerhin ist es 2022 gelungen, das Frauenrentenalter um ein Jahr zu erhöhen und an jenes der Männer anzugleichen.Kommt die Finanzierungsvorlage im Parlament durch, muss sie anschliessend von Volk und Ständen gutgeheissen werden. Dann wird man sehen, welche Präferenzen die Bevölkerung hat und ob sie es eine gute Idee findet, noch mehr Lohnbeiträge zu leisten oder für jedes Paar Schuhe oder für jede Handwerkerrechnung bald neun Prozent Mehrwertsteuer zu bezahlen. Diese Frage haben Vania Alleva und ihre Mitstreiter dem Volk nicht gestellt, als sie die 13. «Gratis»-AHV-Rente propagierten. Das Motto hiess einfach: Rauf mit den Leistungen – über die Finanzierung reden wir später.Passend zum Artikel
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Anders als die Gewerkschaften vor der Abstimmung flöteten, ist die 13. AHV-Rente nicht gratis zu haben. Die Bürgerlichen sollten sich bei der Finanzierung nun nicht unter Druck setzen lassen.







