Trotz des strömenden Regens draußen ist der Saal im Technikmuseum Wismar gut besetzt. Etwa 70 Personen sind am Freitagabend gekommen, die hören wollen, was Katrin Rohnstock aus ihrem Buch „Der große Schock: Ostdeutsche erzählen von den Folgen der Treuhand-Politik“ liest. Vor allem wollen sie hören, was Zeitzeugen von der Wismarer Mathias-Thesen-Werft (MTW) aus der Wendezeit zu erzählen haben.
Etwa 3000 Wertmitarbeiter wurden in Wismar arbeitslos
Schiffsmaschinenbauingenieur Anton Herrmann hat sowohl die Entwicklung der MTW in der DDR als auch die nach der Wende bis 2002 aus nächster Nähe verfolgt. „Ich habe nach meinem Studium in Wismar 1955 angefangen auf der Werft zu arbeiten. Auf der Werft hat sich im Laufe der Zeit ein Stamm von großartigen Meistern und hervorragenden Facharbeiter gebildet“, erzählt der heute 92-Jährige den Anwesenden. „Was haben unsere fleißigen Handwerker für großartige Leistungen erbracht.“
In der Werft arbeiteten 1989 etwa 6000 Beschäftigte. Die MTW war auf den Bau von Passagierschiffen für Flusskreuzfahrten in der Sowjetunion spezialisiert, auf Fracht- und Fischereischiffe und baute zudem die größten Eisenbahnfährschiffe der Welt für die Fährverbindung Mukran-Klaipeda. Außerdem wurden hier 77.000 der extrem beliebten Faltboote produziert.








