Es ist kurz vor zehn, und der Raum riecht bereits nach Dringlichkeit. Im Karl-Liebknecht-Haus stellt die Autorin Katrin Rohnstock an diesem Dienstagmorgen ihr Buch „Der große Schock: Ostdeutsche erzählen von den Folgen der Treuhand-Politik“. Eingeladen wurde vom Seniorenklub der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Moderiert wird die Veranstaltung von Uwe Trostel. Der Ökonom, der von 1978 bis 1989 hohe Planungsposten in der DDR bekleidete und 1990 kurzzeitig Stellvertretender Minister für Wissenschaft und Technik war, arbeitete zwischen 1990 und 1992 für die Treuhandanstalt, delegiert auf Grundlage des Modrow-Beschlusses.
Was jüngeren Generationen wahrscheinlich kaum bekannt ist: Es gab zwei Treuhandanstalten. Die erste, gegründet noch unter Ministerpräsident Hans Modrow, sollte das DDR-Volkseigentum in die Hände der Ostdeutschen überführen. Die zweite wurde zu dem, was die meisten kennen, nämlich einem westdeutschen Privatisierungsinstrument. Trostel erlebte diesen Wendepunkt von innen.
Buchvorstellung
Der Saal ist fast restlos voll. In den vorderen Reihen halten Damen bereits Notizbücher auf den Knien. Am Eingang drückte man jedem eine Broschüre in die Hand: „Was hat der Westen mit dem Osten gemacht?“ 4 Millionen vernichtete Arbeitsplätze, 4 Millionen Menschen, die ihre Heimat verließen, nur knapp 5 Prozent des DDR-Volkseigentums wurden an Ostdeutsche übertragen, der Rest ging an Westdeutsche und ausländische Investoren. Fakten, die erklären, warum dieser Saal heute so voll ist.






