Ich habe die Treuhandzeit noch längst nicht vergessen. Ich war als Buchhalterin im Forschungszentrum des Kombinats „Fritz Heckert“ tätig, das bis 1990 rund 1.600 Menschen Arbeit gab. In der Wendezeit engagierte ich mich im Betriebsrat. Ich habe hautnah miterlebt, wie Entscheidungen getroffen wurden: Unser Betrieb wurde entwertet, nie hat jemand seinen wahren Wert bestimmt, die Belegschaft wurde übergangen, und schließlich verlor auch ich 1991 meinen Arbeitsplatz, so wie viele andere vor mir ihre Arbeit bereits verloren hatten.
Meine Erfahrungen sind exemplarisch für viele, die sich in den Umbrüchen nicht wiederfinden konnten, auch wenn ich 1995 eine Arbeit bei der Nachfolge-Einrichtung der Treuhand bekam und diese bis zur Rente ausfüllte.
Deshalb finde ich das Buch, das Katrin Rohnstock nun herausgegeben hat und das sie kürzlich in der Volkshochschule im Tietz in Chemnitz, veranstaltet von der Friedrich-Ebert-Stiftung, vorstellte, so wichtig. „Der große Schock - Ostdeutsche erzählen von den Folgen der Treuhandpolitik“ versammelt 30 exemplarische Geschichten von Menschen, die von der Treuhandpolitik betroffen waren.
Es gibt schon viele Bücher über die Treuhandpolitik – doch kein einziges erfasst die Erlebnisse und Erfahrungen der Menschen, die die Schrumpfung und Zerstörung ihrer Betriebe direkt erlebt hatten. Im Buch „Der große Schock“ erheben sie erstmals öffentlich ihre Stimmen. Weil ihnen jemand dafür einen Raum geboten hat. Sie erzählen von Hoffnung und Freude auf die neue Zeit nach dem Mauerfall, von den Enttäuschungen, ja dem Schock über Massenarbeitslosigkeit und Abwicklung ihrer Betriebe, vom Verlust der Gemeinschaft und vom Stolz auf die geleistete Arbeit.













