Cornelia Stratton Parker war überrascht. Und wohl auch ein wenig amüsiert. Als die US-Schriftstellerin am 8. Juli 1931 nach Bad Tölz kam, um die Pionier-Faltboot-Werft zu besuchen, hatte sie eine Art Fabrik mit qualmenden Schornsteinen erwartet. Zu sehen bekam sie aber nur einen kleinen Betrieb an der Osterleite, wo ein paar Beschäftigte fleißig werkelten. Empfangen wurde sie dort von zwei Männern in blauen Joppen, bestickten Hosenträgern und Lederhosen, die bis an die Knie reichten.

Die beiden Chefs der Werft, Direktor Hans Hoeflmayr und Ingenieur Hermann Locher, gefielen der Autorin aus Übersee. In ihren „bavarian knee breeches“ waren sie „zwei ansehnliche Exemplare bayerischer Männlichkeit, die auf eine Art gekleidet waren, das Herz zu erfreuen“, schrieb sie. Von ihnen kaufte sie für 75 Dollar ein Zweier-Faltboot für sich und ihre Tochter June. Damit starteten beide in den „German Summer“, wie das Buch heißt, das Parker ein Jahr später veröffentlichte.

100 Jahre ist es her, dass die Werft in Bad Tölz gegründet wurde. Faltboote waren damals groß in Mode. Das zerlegbare Holzgerüst und die flexible Bootshaut passten bequem in ein Bootswägelchen, das man hinter sich herziehen konnte, die Reichsbahn brachte die Paddler an Flüsse und Seen. Zum Beispiel an die Isar. Dort war der Architekturstudent Alfred Heurich schon 1905 mit dem ersten modernen Faltboot, das er selbst entwickelte hatte, von Bad Tölz nach München geschippert.