Das Fussball-Nationalteam will die «beste WM der Geschichte» spielen. Realistisch?Die wichtigsten Fragen und Antworten zur WM-Mission der Schweizer Fussballer in den USA.07.06.2026, 05.30 Uhr5 LeseminutenWill mit dem Schweizer Nationalteam die «beste WM der Geschichte» spielen: Der Coach Murat Yakin.Peter Klaunzer / KeystoneWird sich Breel Embolos späte Anreise negativ auswirken?Kaum. Aber klar ist: Das WM-Abenteuer des Schweizer Fussball-Nationalteams hat, gelinde gesagt, suboptimal begonnen. Breel Embolo konnte am Dienstag nicht mit dem Nationalteam ins Schweizer WM-Camp in San Diego fliegen; die amerikanische Einreisebehörde verweigerte ihm wegen einer Verurteilung in einem Fall aus dem Jahr 2018 die Esta-Reisegenehmigung. Das hat für einigen Wirbel gesorgt: Die internationalen Medien berichteten ausführlich darüber, der Schweizerische Fussballverband (SFV) musste schon am ersten Tag den ersten kleinen Misston moderieren.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Nach längerem Warten erhielt der 29-Jährige am Donnerstag schliesslich ein Visum. Mittlerweile ist Embolo beim Team angekommen, das letzte Testspiel am Samstag gegen Australien verpasste er aber. Das muss indes nichts Negatives bedeuten für den WM-Start der Schweizer. Embolo hat noch genug Zeit, sich an die Bedingungen in Kalifornien anzupassen. Gesetzt ist der beste Stürmer sowieso.Und zur Erinnerung: Vor den ersten zwei WM-Qualifikationspartien im Herbst fehlte Embolo dem Nationalteam schon einmal kurz. Vor dem Abschlusstraining vor dem Kosovo-Spiel musste er zu einem Gerichtstermin wegen des besagten Falls. Sein Verhalten danach auf dem Platz: zwei Tore gegen Kosovo und eines gegen Slowenien.Sorgte in dieser Woche für einigen Wirbel: Breel Embolo, der wegen einer Verurteilung keine Esta-Reisegenehmigung der amerikanischen Behörde erhielt.Claudio Thoma / KeystoneIst die Schweiz in der Gruppe B der Favorit?Eindeutig. Das Nationalteam spielte im Herbst nicht nur eine äusserst souveräne Qualifikation, sondern hatte an der Gruppenauslosung im Dezember in Washington auch Losglück: Mit Katar (Fifa-Weltranglistenplatz 55), Bosnien-Herzegowina (65) und Kanada (30) trifft die Schweiz (19) auf deutlich schwächer einzustufende Gegner; Experten sprachen sogar von der schwächsten WM-Gruppe überhaupt. Alles andere als das Überstehen der Vorrunde wäre eine Katastrophe. Gewarnt sein sollte Murat Yakins Equipe indes vor den Bosniern. Die haben mit ihrem schwer auszurechnenden Offensivfussball im Frühling in den WM-Play-offs schon Italien düpiert.Weil in Nordamerika erstmals 48 Mannschaften teilnehmen, werden zum ersten Mal überhaupt WM-Sechzehntelfinals ausgetragen. Diese erreichen selbst die Gruppendritten. Die Schweiz muss aber ein anderes Ziel haben: den Gruppensieg.Dieser brächte überdies einen logistischen Vorteil. In dem Fall fände nach dem dritten Vorrundenspiel gegen den Co-Gastgeber Kanada (24. 6.) auch der Sechzehntelfinal der Schweizer in Vancouver statt. Und gewinnen sie diesen, könnten sie im Achtelfinal gleich nochmals im Südwesten Kanadas spielen. Das würde bedeuten: weniger Reisen, mehr Erholung, mehr Fokus.Worauf gründet die Zuversicht, Grosses zu leisten?Murat Yakin sprach vor dem Turnier wiederholt vom Ziel, «die beste WM der Geschichte» zu spielen. Die Verfassung des Teams und der Blick in die jüngere Geschichte sprechen dafür, dass die Vorgabe gelingen könnte. Seit 2004 verpasste das Nationalteam nur eine einzige EM und keine WM, an den vergangenen sechs Endrunden erreichten die Schweizer Fussballer immer mindestens die Achtelfinals, an zwei der letzten drei Turniere schafften sie es in den Viertelfinal. Das zeigt: Die Schweiz ist mittlerweile in der erweiterten Weltspitze angekommen. Folgt jetzt der ganz grosse Coup, der erste WM-Halbfinal?Klar ist: Das Team scheint auf dem Zenit seines Leistungsvermögens, es ist eingespielt, auf der USA-Reise vor einem Jahr noch näher zusammengerückt, und vor allem: immer da, wenn es zählt. Zudem ist die Achse mit den Leistungsträgern Gregor Kobel, Manuel Akanji, Xhaka und Embolo in absoluter Topform. Das Fussball-Magazin «Kicker» wählte Kobel gerade zum besten Torhüter der Bundesliga; der Abwehrchef Akanji spielte eine bärenstarke Saison mit Inter; «The Athletic» würdigte das Mittelfeld-Metronom Granit Xhaka als besten Premier-League-Transfer. Und der Stürmer «Probl-Embolo» trifft im Nationalteam eigentlich immer.Und dann ist da noch das Selbstverständnis dieser Generation, für das keiner so sehr steht wie Xhaka. Seit Jahren wiederholt der Captain vor jedem grossen Turnier, er habe «bis zum Final gepackt». Das ist nicht gespielt; dahinter steckt die echte Überzeugung, jeden Gegner schlagen zu können. Die Schweiz hat mehrfach gezeigt, dass sie das tatsächlich kann. Die Zuversicht, erstmals den WM-Halbfinal zu erreichen, ist also gut begründet. Damit es klappt, muss trotzdem alles zusammenpassen.Welche Spieler könnten noch in die Startformation rücken?Das Gerüst von Yakins Team steht längst. Deshalb hat der Nationalcoach in den Testspielen im Frühling vor allem taktische Varianten getestet und Ergänzungsspielern eine Chance gegeben. Am besten genutzt haben diese drei Spieler, die für das Startspiel gegen Katar nun in die Startformation rücken könnten: Johan Manzambi, Michel Aebischer und Denis Zakaria.Letzterer dürfte im erwarteten 3-4-3-System hinten rechts agieren und gegen tief stehende Gegner seine Stärken im Spielaufbau einbringen. Aebischer, eine Option auf dem linken Flügel, schätzt Yakin wegen dessen hoher Spielintelligenz. Im Testspiel gegen Jordanien (4:1) hat Aebischer seine taktische Brillanz einmal mehr demonstriert. Anders als Ricardo Rodríguez, der in diesem Fall weichen müsste, wirkt Manzambi in seiner herausragenden Verfassung fast schon unentbehrlich. Gegen einen tiefstehenden Gegner wie Katar könnten Manzambis Tempo und Agilität ein Schlüssel sein. Lässt Yakin dafür Fabian Rieder draussen?Vorbereitung im WM-Camp: Die Schweizer Nationalspieler Ardon Jashari (links) und Denis Zakaria im Training in San Diego.Peter Klaunzer / KeystoneWo bereitet sich das Nationalteam auf das Turnier vor?Im WM-Camp in San Diego. Dort residiert die SFV-Delegation im Fünf-Sterne-Hotel «Fairmont Grand Del Mar», das Luxus pur bietet: ein Fitnesscenter, ein Spa, Swimmingpools, eine grosszügige Aussenanlage mit eigenem Golfplatz.Der SFV hat das Resort aber primär deshalb gewählt, weil es der Equipe viel Privatsphäre und Ruhe bietet, was dem Coach Murat Yakin besonders wichtig war. Nach den Partien dürfen die Spieler auch Zeit mit ihren Familien und Freunden auf der Anlage verbringen. «Ausgang ist aber nicht erlaubt», sagte Yakin vor dem Abflug am Dienstag.Die Trainings finden in der zehn Fahrminuten entfernten Jewish Academy statt, wo Yakin mit seinen Spielern von der Öffentlichkeit abgeschottet und mit Blick aufs Meer taktische Überraschungen aushecken kann. Aber aufgepasst: Im Gebüsch rund um den Trainingsplatz sind Klapperschlangen heimisch. Die Nationalspieler sollten die Bälle also nicht allzu weit über den Zaun kicken!Weshalb hat die Schweiz so gute Erinnerungen an die USA?Wegen Georges Bregy, dessen geniales Goal im Eröffnungsspiel der WM 1994 sich ins kollektive Gedächtnis eingebrannt hat. Der Walliser traf damals zum 1:0 gegen den Gastgeber USA (1:1), der Kommentator Beni Thurnheer lieferte den Soundtrack dazu: «Es gibt keinen Zweiten wie Georges Bregy.»Dessen direkt verwandelter Freistoss war damals das erste WM-Tor der Schweiz seit 28 Jahren. Und das Tor, das den Schweizer Fussball in die Neuzeit führte. Denn mit der legendären USA-Reise des Nationalteams begann eine Entwicklung, die zu elf Endrunden-Teilnahmen in diesem Jahrtausend führte. Eine Konstanz, die selbst die einmal mehr abwesende Fussball-Grossnation Italien neidisch werden lässt.Damals, vor 32 Jahren, war Amerika für die Schweizer Fussballer noch ein grosses Versprechen, ein Sehnsuchtsort. Heute ist die WM-Teilnahme in den USA fast schon eine Selbstverständlichkeit.Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»Passend zum Artikel
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