Für die Schweiz geht es an der WM früh um viel – vor dem Spiel gegen Bosnien-Herzegowina herrscht Spannung, auch wegen Granit XhakaDie letzten Tage haben Zweifel am Zustand der Schweizer Nationalmannschaft geschürt. Ein Sieg am Donnerstag würde ihr das Leben erleichtern.17.06.2026, 18.21 Uhr5 LeseminutenMurat Yakin will mit der Schweizer Nationalmannschaft die «beste WM der Geschichte» spielen.Peter Klaunzer / KeystoneDie WM ist erst ein paar Tage alt, aber irgendwie sind die Schweizer Fussballer trotzdem schon an einen Punkt gelangt, an dem es ihnen wichtig erscheint, ein paar Sachen zu betonen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Und so sitzt Fabian Rieder, der Mittelfeldspieler, am Dienstag im WM-Camp in San Diego auf dem kleinen Podium, von dem aus die Akteure des Nationalteams zu den Medien sprechen. Er sagt dann oft das Wort «sehr», wirklich sehr oft, fast vierzig Mal insgesamt, in 21 Minuten, und in seinen Sätzen sind überall kleine Botschaften versteckt. Oder grössere.Rieder sagt zum Beispiel, es stehe «sehr gut» um die Kritikkultur innerhalb des Schweizer Teams. Oder dass man nach dem Spiel gegen Katar mit «sehr, sehr viel» Intensität trainiert habe. Und dass er «sehr, sehr positiv» auf das nächste Spiel blicke.Der Mittelfeldspieler Fabian Rieder sagt, es stehe «sehr gut» um die Kritikkultur im Schweizer Nationalteam.Peter Klaunzer / KeystoneDieses nächste Spiel bestreitet die Schweiz am Donnerstag in Los Angeles gegen Bosnien-Herzegowina (21 Uhr MESZ), und wenn sie verhindern will, dass sich ihre Lage in der Gruppe B weiter verkompliziert, hilft ihr eigentlich nur eines: ein Sieg.Der Grund dafür ist die kleine Peinlichkeit, die sich die Schweizer im Auftaktspiel gegen Katar erlaubt haben, dieses Gegentor zum 1:1, das sie kassiert haben, als das Spiel schon fast vorbei war. Aber eben nur fast. Das Remis gegen den krassen Aussenseiter hat sie aus dem Fahrplan gebracht. Und hat, um es mit Fabian Rieder, dem 24-Jährigen, zu sagen, das zweite Gruppenspiel gegen Bosnien-Herzegowina sehr, sehr viel wichtiger gemacht.Die Begegnung mit den Bosniern ist für die Schweiz auch so gross, weil ihr ein Sieg helfen würde, das dritte Spiel zu verkleinern. Da trifft die Schweiz in Vancouver auf den Co-Gastgeber Kanada. Es wäre um einiges komfortabler, diese Reise mit vier Punkten anzutreten, die das Weiterkommen mehr oder weniger garantieren.Zwar kommen an der diesjährigen WM im auf 48 Teams aufgestockten Teilnehmerfeld auch acht der zwölf Gruppendritten weiter. Doch zu hoffen, dass drei Punkte für den Einzug in die K.-o.-Runde reichen, ist ein riskantes Unterfangen.Der Flügelspieler Ruben Vargas (links) findet, es brauche nun «Zusammenhalt».Peter Klaunzer / KeystoneXhaka rüttelt und schüttelt an den TeamkollegenNoch ist die WM jung, und noch kann dieses Turnier für die Schweizer in alle Richtungen kippen. Aber es geht für sie jetzt unerwartet früh um unerwartet viel. Dass es ihnen wichtig erscheint, ein paar Punkte zu betonen, zeigt, welche Zweifel es um das Team gerade gibt. Und welche man in seinem Umfeld gerade wahrzunehmen glaubt.In diesem Zusammenhang sagte Ruben Vargas diese Woche einen bemerkenswerten Satz. Vargas wurde gefragt, was das Schweizer Team denn nun nach der Enttäuschung gegen Katar brauche. «Zusammenhalt», entgegnete der Innerschweizer, und dass man sich jetzt «selber nicht auffressen» dürfe.Von dort ist es nicht weit zur Diagnose, dass es um die Stimmung im Schweizer Team gerade nicht zum Besten steht. Das liegt auch daran, dass Granit Xhaka es innerhalb einer Woche gleich zweimal für nötig befand, via Medien zu grundsätzlicher Kritik am Schweizer Team auszuholen. Das findet zwar jeder Nationalspieler, der danach gefragt wird, in Ordnung. Aber das heisst noch lange nicht, dass es auch so ist.Xhaka hielt es zwei Mal in kurzer Zeit für nötig, an seinen Teamkollegen zu rütteln und zu schütteln. Doch vielleicht finden die ja, dass sie gar nicht weniger wach sind als der Captain, der gegen Katar auch nicht seinen besten Tag einzog.Einmal, an der Pressekonferenz vor dem Katar-Spiel, sprach Xhaka darüber, dass die Schweiz keine grosse Stars habe, aber wenn sie als Einheit funktioniere, werde es «ganz schwierig» für den Gegner. Nur hat sie natürlich schon einen grossen Star, ihn selbst.Vieles hängt im Schweizer Team an Xhaka, weil er sich vieles umhängt. Aber vieles bleibt auch an ihm hängen, weil es sonst niemand macht. Die anderen potenziellen Teamleader nicht. Gerade auch Murat Yakin, der Nationaltrainer, der mit seiner lässig-nonchalanten Art eine Art Gegenentwurf zu Xhaka ist, nicht. Während Yakins Analyse nach dem 1:1 gegen Katar ungefähr lautete, dass ausser dem Resultat eigentlich das allermeiste gepasst habe, schimpfte der Captain. Und sagte unter anderem, das Team müsse wieder «auf dem Boden der Realität ankommen».Xhaka bestimmt Innen- und Aussenwirkung des Teams und damit zu einem gewichtigen Teil auch das Innen- und das Aussenleben. Anscheinend hält er es gerade für nötig, ständig zu intervenieren. Eine Frage ist, weshalb. Eine andere, ob seine Worte noch wirken. Und eine dritte, was das alles mit der von ihm beschworenen Einheit macht.Granit Xhaka sparte nicht mit Ermahnungen an seine Mannschaft.Peter Klaunzer / KeystoneSo ist das an einer WM: Alles entfaltet Wucht. Jedes Tor. Jedes Wort. Und wenn das Schweizer Team am Montag nach dem 1:1 gegen Katar kein Mannschaftstraining, sondern individuelle Einheiten absolvierte, was ein Verbandssprecher beiläufig mitteilt, dann gehen jetzt die Augenbrauen hoch, und dann kommen die Nachfragen. Warum wird nicht gemeinsam trainiert? Und der Subtext lautet: Eigentlich gäbe es doch genug zu tun, zu analysieren und zu verbessern, oder etwa nicht?Bosnien überzeugt mit GeschlossenheitDas alles bildet die Kulisse, vor der die Schweiz am Donnerstagmittag auf Bosnien-Herzegowina trifft, im SoFi-Stadion von Los Angeles, dieser spektakulären, milliardenteuren Arena.Yakins Team wird dort auf eine Equipe treffen, bei der die Stimmung derzeit deutlich gelöster ist. Seit dem Frühling und der WM-Qualifikation im Play-off gegen Italien herrscht um das bosnische Nationalteam eine Euphorie, sie trägt die Auswahl und macht sie stärker, als ihre Einzelteile es nahelegen würden. Die wichtigsten sind der Sturm-Veteran Edin Dzeko, der allerdings angeschlagen ist. Der hartnäckige Angreifer Ermedin Demirovic, der einst bei St. Gallen spielte. Der erfahrene Abwehrspieler Sead Kolasinac und Nikola Katic, der ehemalige FCZ-Spieler.Die bosnische Nationalmannschaft fällt durch ihre Geschlossenheit auf.Kevin Sousa / ReutersIndividuell sind die Schweizer auf fast allen Positionen stärker einzustufen. Aber die Hauptqualität von Sergej Barbarez’ Auswahl ist sowieso etwas anderes: die mannschaftliche Geschlossenheit.Die Bosnier zeichnen sich durch Kompaktheit und Kompromisslosigkeit aus, dadurch, wie sie in die Zweikämpfe gehen und jede gelungene Defensivaktion feiern. Wie beim 1:1 in ihrem WM-Startspiel gegen Kanada, als Kolasinac und Katic zweimal in extremis den Ausgleich verhinderten. Die Szenen illustrierten die Hartnäckigkeit und Energie dieses Teams.Punkto Emotionalität und Widerständigkeit müssen sich die Schweizer also auf ein anderes Kaliber einstellen als gegen Katar. Bosnien-Herzegowina kann der Schweiz so richtig weh tun – im wörtlichen Sinne.Aber natürlich, und bei allen Zweifeln, die gerade um die Schweiz wabern: Es ist jüngst auch einiges zusammengekommen für sie. Die unruhige Vorbereitung. Das späte Gegentor gegen Katar, das die Temperatur noch einmal erhöht hat.Es braucht an einer WM nicht viel, und der Himmel verdunkelt sich. Aber er kann sich schnell auch wieder aufhellen.Passend zum Artikel
WM 2026: Mit Bosnien wartet ein unangenehmer Gegner auf die Schweiz
Die letzten Tage haben Zweifel am Zustand der Schweizer Nationalmannschaft geschürt. Ein Sieg am Donnerstag würde ihr das Leben erleichtern.












