Johan Manzambi fehlt der Schweiz auch gegen den Weltmeister Argentinien – der Captain Granit Xhaka strotzt vor dem historischen WM-Viertelfinal trotzdem vor OptimismusIn der Nacht auf Sonntag absolviert das Nationalteam das grösste Fussballspiel der Schweizer Sportgeschichte. Statt nur über Lionel Messi zu reden, fokussieren der Coach und der Captain auf die eigenen Stärken.11.07.2026, 05.30 Uhr5 LeseminutenGeben sich vor dem historischen WM-Viertelfinal gegen Argentinien selbstbewusst: der Nationaltrainer Murat Yakin (links) und der Captain Granit Xhaka.Peter Klaunzer / KeystoneNatürlich fragt sich die ganze Schweiz, ob Johan Manzambi im WM-Viertelfinal gegen Argentinien in der Nacht auf Sonntag (3 Uhr MESZ) spielen kann. Und so verwundert es nicht, dass eine der ersten Fragen an der Pressekonferenz vom Freitag die nach dem Fitnesszustand des Schweizer Supertalents ist, das in den nächsten Tagen für rund 60 Millionen Euro zum Premier-League-Klub Newcastle United wechseln dürfte.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Doch Murat Yakin hat am Tag vor dem grössten Fussballspiel der Schweizer Sportgeschichte keine guten Neuigkeiten: «Manzambi wird nicht spielen können. Wir haben versucht, ihn fit zu bekommen, aber sein Zustand lässt einen Einsatz nicht zu», sagt der Schweizer Nationalcoach im Presseraum neben dem Arrowhead Stadium in Kansas City, in dem sonst jeweils das NFL-Team Kansas City Chiefs seine Heimspiele absolviert.«Wir müssen Manzambis Ausfall jetzt als Team auffangen»Manzambi fehlte bereits am Dienstag, als die Schweiz gegen Kolumbien erstmals seit 1954 in den WM-Viertelfinal einzog. Der Genfer hatte sich im Abschlusstraining tags zuvor eine Prellung am linken Knie zugezogen. Und Yakin war der «Schock», wie er es selbst nannte, danach an der Pressekonferenz anzusehen gewesen.Es war ja auch verständlich. Manzambi ist der Shootingstar dieser WM, mehrmals sorgte er für den Unterschied zugunsten der Schweiz. Drei Goals und zwei Assists hatte er zum Vorstoss in die Achtelfinals beigesteuert; acht der neun Turniertore bis dahin erzielte die Schweiz, wenn Manzambi auf dem Platz stand. Das Ziel, «die beste WM der Geschichte» zu spielen, erreichte das Nationalteam dann aber auch ohne den 20-jährigen Offensivspieler. Manzambi sass im BC-Place-Stadion in Vancouver mit einbandagiertem Knie auf der Spielerbank. Was die Hoffnung nährte, dass er an dieser WM vielleicht doch nochmals zum Einsatz kommen könnte.Daraus wird wohl nichts. Manzambis Verletzung im dümmsten Moment schmerze sehr, sagt Yakin nun, vor dem Duell mit dem dreifachen Weltmeister: «Er hatte das Momentum auf seiner Seite. Man hat gesehen, welche Spielfreude er auf den Platz gebracht hat und wie gut das Zusammenspiel mit seinen Teamkollegen funktioniert hat.» Und: «Wir müssen Manzambis Ausfall jetzt als Team auffangen.»Die Schweiz hat an diesem Turnier schon so manchen Widerstand überwunden. Vielleicht wirkt Yakin auch deshalb wieder deutlich lockerer als noch vor dem Spiel gegen Kolumbien; er weiss mittlerweile, wie sein Team auf Widrigkeiten reagiert. Als ein Journalist wissen will, wie Lionel Messi zu stoppen sei, entgegnet er: «Überraschende Frage.» Der Nationaltrainer beantwortet sie dann doch und sagt, es gelte den Druck auf die anderen argentinischen Spieler hochzuhalten, damit Messi gar nicht erst in Ballbesitz komme. «Einen Wachhund werden wir aber nicht auf ihn ansetzen.»Auch sonst sorgt der 51-Jährige mehrmals für Lacher. Etwa als er die sehr lange Frage einer Journalistin, die Granit Xhaka neben ihm bereits beantwortet hat, mit der ihm eigenen Lakonie quittiert: «Same, same, but different.»Sie sind ja auch allzu erwartbar, all diese Fragen zu Messi und der Favoritenrolle Argentiniens. Zum grössten Fussballer seiner Zeit und dem kleinen Fussballland, das jetzt zu den besten Acht der Welt gehört. Was in den USA offenbar noch immer nicht überall angekommen ist. Oder wie sonst lässt sich erklären, dass der Fifa-Offizielle den Schweizer Medienchef und Moderator der Pressekonferenz, Adrian Arnold, als Vertreter des Teams «Austria» ankündet? Immerhin nicht Schweden.Auch der Schweizer Captain wird natürlich zum argentinischen Superstar befragt. Ihn 90 Minuten lang aus dem Spiel zu nehmen, sei fast unmöglich, sagt Xhaka. Die Schweizer müssten clever sein und kompakt verteidigen. Wobei der Mittelfeldspieler findet, sie sollten sich nicht allzu stark der Spielweise des Gegners anpassen: «Wir werden versuchen, viel Ballbesitz zu haben, unser Spiel durchzuziehen, damit Argentinien weniger am Ball ist.»Xhaka will ohnehin lieber über die eigenen Stärken als bloss über Messi reden. Der mittlerweile 39-Jährige hatte schon 2014 die ganze Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Damals unterlag die Schweiz den Argentiniern im WM-Achtelfinal von São Paulo 0:1 nach Verlängerung. Xhaka und der Linksverteidiger Ricardo Rodríguez sind die einzigen im Schweizer Kader, die bereits damals auf dem Platz standen.Seither sei viel passiert, die Schweiz gehe nun mit einem völlig anderen Selbstbewusstsein in dieses Duell, sagt Xhaka: «Unser Team hat heute eine andere Mentalität. Wir sind eine andere Generation als noch vor zwölf Jahren, unser Fussball hat sich verbessert.» Und der Schweizer Rekordspieler ergänzt: «Wir werden versuchen, Argentinien mit den Mitteln zu ärgern, die uns in den letzten Jahren stark gemacht haben.»Mit einer variablen Spielweise also, das Team von Murat Yakin beherrscht mittlerweile ja viele Gangarten: nebst dominantem Ballbesitzfussball und kontrolliertem Verteidigen auch das harte, intensive Spiel, wie es an dieser WM eindrücklich unter Beweis gestellt hat.Der Captain Granit Xhaka will mehrArgentinien sei sowieso viel mehr als bloss Messi, merkt Xhaka noch an. Das stimmt, aber in den letzten zwei Partien gegen Kap Verde und Ägypten war schon zu sehen, wie abhängig das Team des Trainers Lionel Scaloni von den Geistesblitzen seines Captains ist.Ein Vorteil könnte für Xhaka sein, dass er viele seiner Gegenspieler am Sonntag bereits bestens aus der Premier League kennt. Enzo Fernández (Chelsea), Alexis Mac Allister (Liverpool), Cristian Romero (Tottenham): Gegen sie alle hat Xhaka schon mehrmals gespielt – und er kennt ihre Schwächen. Wie schon im Achtelfinal werde es wichtig sein, dem physischen Spielstil der Südamerikaner mit der nötigen Zweikampfhärte zu begegnen. Dass sie viel einstecken können, haben die Schweizer bereits gegen Kolumbien gezeigt.Xhaka sagt aber auch, was ihm dieser historische Moment bedeutet: «Nach 72 Jahren die Schweiz wieder in einem Viertelfinal zu sehen und gegen den Weltmeister spielen zu dürfen, das macht mich sehr stolz.» Doch Xhaka wäre nicht Xhaka, wenn er sich mit dem Erreichten nun zufriedengeben würde. «Ich bin nicht bis hierhin gekommen, um hier stehen zu bleiben. Wir sind hier, um das Spiel gegen Argentinien zu gewinnen», sagt er.Die jüngsten Erfolge der Schweiz – das Erreichen der EM-Viertelfinals 2021 und 2024, jetzt des WM-Viertelfinals – haben gezeigt, dass das kleine Land mit den ganz grossen Fussball-Nationen mithalten kann. «Ich träume gerne, und ab und zu gehen Träume in Erfüllung», sagt Xhaka. Um erstmals den WM-Halbfinal zu erreichen, müssen die Schweizer nun aber ein Spiel zeigen, wie es ihnen bisher noch nicht gelungen ist. «Ich bin überzeugt, dass wir das schaffen.»Nebst Manzambi dürfte Yakin gegen Argentinien auch Luca Jaquez nicht zur Verfügung stehen. Der Verteidiger hatte wegen muskulärer Probleme bereits das letzte Spiel verpasst, am Freitag absolvierte er ein individuelles Programm. Michel Aebischer, der zuletzt ebenfalls angeschlagen fehlte, kehrte am Freitag hingegen wieder ins Teamtraining zurück.Passend zum Artikel
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