«Wir wollen einfach drei Wochen mehr, that’s it!»: Lehrlinge der Stadt Zürich erhalten mehr FerienDie Stadt solle als gutes Beispiel vorangehen und ihren Lernenden acht statt fünf Wochen Erholungszeit gewähren. Der grüne Finanzvorsteher Daniel Leupi wehrt sich vergeblich gegen einen radikalen Vorstoss der Ratslinken.05.06.2026, 05.09 Uhr4 LeseminutenStädtische Lernende sollen künftig acht Wochen Ferien erhalten. Bisher sind fünf Wochen vorgesehen.Christian Beutler / KeystoneRund 1400 Jugendliche absolvieren ihre Lehre bei der Stadt Zürich. Sie bietet 55 verschiedene Ausbildungen in 70 Betrieben an. Bei der Stadt kann man vieles werden, ob Floristin, Gärtner oder Bootsfachwart mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Künftige Generationen städtischer Lehrlinge dürfen sich freuen: Sie sollen während der beruflichen Grundbildung 8 Wochen Ferien pro Jahr erhalten – drei mehr als bisher. Das Stadtparlament hat am Mittwoch einer entsprechenden Motion von Moritz Bögli und Sophie Blaser von der Alternativen Linken (so nennt sich die AL seit kurzem) knapp zugestimmt, mit 58 zu 55 Stimmen. FDP und SVP waren dagegen. GLP und Mitte hatten vergeblich versucht, den Vorstoss in ein weniger verbindliches Postulat umzuwandeln, und auf ähnliche Initiativen auf Bundesebene verwiesen, denen die Stadt Zürich nicht vorgreifen solle.Finanzvorsteher Daniel Leupi (Grüne) stand in der Debatte ebenfalls auf verlorenem Posten. Seine eigene Partei und ihre Verbündeten liessen sich von ihrem Vorhaben nicht abbringen. Auch nicht durch ein sachliches Referat des grünen Stadtrats. Man nehme die Betreuung der städtischen Lehrlinge sehr ernst. Er könne sich «schlicht und ergreifend» nicht vorstellen, dass jeder und jede vierte Jugendliche die Lehre bei der Stadt abbreche. Davon wüsste er. «Da stehen wir eindeutig besser da», sagte Leupi.Lehre gegen GymnasiumDie unschöne Angabe, dass jeder vierte Lehrling hinschmeisse, hatten die Motionäre als Tatsache präsentiert und dabei auf eine Umfrage der Gewerkschaft Unia verwiesen. Lange Arbeitszeiten und viel weniger Ferien als Gymnasiasten, die 13 Wochen im Jahr nicht zur Schule gehen müssen, seien dort von den befragten Lernenden als grösste Sorgen bezeichnet worden, heisst es in der Begründung der Motion. Mehr als die Hälfte der Lehrlinge leide unter Stress und Erschöpfung. Zwei Drittel hätten Mühe, sich zu motivieren.Und schliesslich hätten über 175 000 Menschen eine Petition unterschrieben, die acht Wochen Ferien für alle Lehrlinge verlange. «Die Stadt Zürich sollte hierbei als Vorbild vorangehen, um die Berufslehre aufzuwerten und fit für die Zukunft zu machen», schrieben die beiden AL-Vertreter in ihrem Vorstoss.Über 175 000 Unterschriften!Das klingt nach sehr viel. Allerdings wurden diese Unterschriften nicht in der Stadt Zürich, sondern in der ganzen Schweiz gesammelt und im vergangenen Jahr dem Bundesrat übergeben. Die Landesregierung lehnt das Anliegen ab und verweist darauf, dass Lehrbetriebe jungen Berufseinsteigern bereits heute mehr als die gesetzlich vorgeschriebenen fünf Wochen Ferien anbieten können. Bei der Migros etwa sind sechs Wochen Ferien mittlerweile Standard, bei der UBS erhalten KV-Stifte im ersten Lehrjahr neun Wochen Ferien und ab dem zweiten deren sechs.Filippo Leutenegger, Held der ALLeupi versuchte nach Kräften, die Hauptargumente der Linken im Stadtparlament zu relativieren. Dass die Belastung der Jugendlichen zugenommen habe, sei unbestritten. Das habe jedoch nicht allein mit ihrer Lehrstelle zu tun. Die Situation sei «multifaktoriell»: neue Lebensphase, Ablösung vom Elternhaus, Dauerstress wegen Social Media. Nach der Sekundarschule seien die Jugendlichen nicht mehr nur in ihrer Peer-Group unterwegs. Sie müssten sich plötzlich unter Erwachsenen zurechtfinden.Auch Leupi sprach sich dafür aus, abzuwarten. «Wir werden das Anliegen genau prüfen.» Aber einfach so drei Wochen mehr Ferien für alle städtischen Lernenden? Das könne nicht die Lösung sein. Zumal die Jugendlichen mit ihrer Ausbildung bei der Stadt Zürich sehr zufrieden seien, wie städtische Befragungen zeigten, betonte Leupi.Das hinderte Moritz Bögli von der AL jedoch nicht daran, im Duell mit Leupi kurzerhand einen früheren FDP-Stadtrat vor den Karren zu spannen, der das Anliegen der vereinigten Linken im Gemeinderat ebenfalls unterstütze: Filippo Leutenegger, bis vor kurzem Schulvorsteher der Stadt Zürich und ein erklärter Verfechter der Berufslehre. Leutenegger hatte einst gar für zehn Wochen Ferien für Lehrlinge plädiert. Das könnte ein Anreiz sein, statt des Gymnasiums eine Lehre zu absolvieren, sagte der FDP-Mann damals.Allerdings hatte Leutenegger damit nicht die Stadt Zürich, sondern die Privatwirtschaft gemeint, wie GLP-Gemeinderat Sven Sobernheim nach den Ausführungen Böglis genüsslich festhielt. Simon Hatt von der FDP ergänzte, dass man bei den Liberalen durchaus verschiedene Meinungen haben dürfe – im Gegensatz zu anderen Parteien, «wo die Leute aus dem Ständerat entfernt werden».Die städtische SP dürfte gut leben können mit dieser rhetorischen Spitze gegen sie. Am Ende hielt es die Ratsmehrheit mit der sozialdemokratischen Vertreterin Vera Çelik, die ihre Lehre selber bei der Stadt absolvierte hatte. Sie sagte in ihrem Votum: «Wir wollen einfach drei Wochen mehr, und that’s it!»Ganz so einfach dürfte es indes nicht werden. Leupi liess durchblicken, dass er nun eine «differenzierte» Vorlage ausarbeiten werde.Passend zum Artikel
Acht statt fünf Wochen Ferien für städtische Lernende in Zürich
Die Stadt solle als gutes Beispiel vorangehen und ihren Lernenden acht statt fünf Wochen Erholungszeit gewähren. Der grüne Finanzvorsteher Daniel Leupi wehrt sich vergeblich gegen einen radikalen Vorstoss der Ratslinken.






