Rektoren und Prorektorinnen der Zürcher Mittel- und Berufsfachschulen sollen künftig unbefristet angestellt werden. Und nicht mehr unterrichten müssen. SP und Grüne wehren sich nach Kräften dagegen.12.05.2026, 05.04 Uhr3 LeseminutenDie Linke will keine «reinen Manager» in den Führungsgremien der Zürcher Gymnasien und Berufsfachschulen.Karin Hofer / NZZSollen Rektoren und Prorektorinnen von Zürcher Mittel- und Berufsfachschulen weiterhin unterrichten müssen? Und, falls nicht: Drohen die Führungsorgane dieser Schulen zu abgehobenen Managementeinheiten zu verkommen – die viel heisse Luft produzieren, aber keine echten Kenntnisse des schulischen Kerngeschäfts vorweisen können? Zu schwerfälligen Gremien, deren im schlechtesten Fall inkompetente Mitglieder sich auf eine «Lebensstelle» einrichten können, da sie künftig unbefristet angestellt werden können sollen und nicht mehr nur für maximal 12 Jahre, wie Rafael Mörgeli (SP, Stäfa) am Montag im Kantonsrat monierte?Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Mörgeli prophezeite: Diese Führungskräfte würden bis zur Pensionierung durchhalten – «auch wenn man jegliche Ideen und jegliche Innovationskraft schon vor Jahren aufgebraucht hat». Die Verantwortlichen hätten Glück, dass es sich hier um eine Nischendiskussion handle: Nur wenige Zürcherinnen interessierten sich dafür, ob und wie die Leitungen der Kantons- und Berufsfachschulen «ihren Job bekommen und behalten». Somit werde die «Schwächung der Sek II» Gesetz werden.Aber, mahnte Mörgeli, Eltern, Schüler und Lehrerinnen würden die Konsequenzen dieses Fehlentscheids zu spüren bekommen. Eine Änderung aus dem Elfenbeinturm sei das, was die parlamentarische Kommission für Bildung und Kultur hier vorlege. Ohne Inputs aus der Praxis. Und das räche sich immer. Die Kommission habe eine ohnehin schon schlechte Vorlage der Bildungsdirektorin Silvia Steiner (Mitte) verschlimmbessert.Weniger, aber weiterhin unterrichtenEs klang fatal. Und der rhetorisch gewandte SP-Politiker schien zu wissen, wovon er sprach. Er ist selber Gymilehrer, im Fach Geschichte.Woher der Furor des Historikers?Die Bildungskommission des Parlaments hatte sich nach nicht weniger als dreizehn Sitzungen erdreistet, die sogenannte Governance-Vorlage des Regierungsrats mit mehreren Korrekturen zu versehen. So sollen Rektorinnen und Prorektoren von Zürcher Gymnasien und Berufsfachschulen nicht mehr dazu verpflichtet werden, eine Mindestanzahl Lektionen selber zu unterrichten. An Kantonsschulen müssen Prorektoren derzeit 10 Lektionen pro Schulwoche vor einer Klasse stehen. Bei Rektorinnen und Rektoren sind es in der Regel 6 Lektionen pro Woche.Wie kann man sich das in der Praxis vorstellen? Andreas Niklaus ist Rektor des grössten Zürcher Gymnasiums (Zürich Nord) und Präsident der Schulleiterkonferenz der Mittelschulen des Kantons Zürich (SLK). Er sagt: «Es ist absolut zentral, dass die Leitungen der Gymnasien ausschliesslich mit Personen besetzt sind, die über eine pädagogische Ausbildung und eine Unterrichtsberechtigung an Mittelschulen verfügen.»Niklaus sagt aber auch: Die grosse Mehrheit der Schulleiterkonferenz halte die jetzige Regel für zu strikt. «10 beziehungsweise 6 Schulstunden pro Woche: Das ist zu viel.» Die Schulen seien mit anderen Geschwindigkeiten unterwegs als noch vor zwanzig Jahren. Die Führungsaufgaben seien viel komplexer geworden. Er selbst unterrichte im Moment keine Klasse, sagt der Chemielehrer. Seine Schule residiert derzeit auf dem Campus der Universität Irchel. Die Gebäude der Kantonsschule in Oerlikon müssen saniert werden. Niklaus’ Mandat als SLK-Präsident gibt ebenfalls zu tun. Wegen externer Termine und der Umbauarbeiten würden viele seiner Stunden ausfallen.Dennoch ist für den Rektor klar: Unter normalen Umständen würde er weiterhin Schule geben. Den meisten seiner Kolleginnen und Kollegen in den Führungsgremien der übrigen Gymnasien liege der direkte Kontakt zu den Jugendlichen ebenfalls am Herzen, sagt Niklaus.Sesselkleber?Die Mehrheit aus bürgerlichen Parteien und der GLP im Kantonsrat sah das ähnlich. Die schlimmen Managementszenarien der Linken verfingen nicht. Auch das Sesselkleberargument blieb wirkungslos. Sämtliche Änderungsanträge von SP und Grünen wurden deutlich abgelehnt.Rochus Burtscher (SVP, Dietikon), der Vizepräsident der Bildungskommission, konnte die Ängste der Gegenseite ohnehin nicht nachvollziehen. Schulleiter an Primar- und Sekundarschulen würden sich ebenfalls auf ihre Führungsaufgaben konzentrieren. Und sie seien trotzdem vom Fach. «Wir wären ja schön blöd, wenn wir an diesen Schulen lauter Manager anstellen würden», sagte der SVP-Politiker. Und: Wer an Gymnasien und Berufsfachschulen unterrichten wolle, könne das weiterhin tun.Wie viele Rektoren und Prorektorinnen diese Doppelbelastung auf sich nehmen, wird sich zeigen.Passend zum Artikel
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