Von der SP desavouiert: Daniel Jositsch informiert heute über seine nächsten SchritteDer beliebte Zürcher Ständerat könnte aus seiner Partei austreten und als Unabhängiger kandidieren. So wie einst Mario Fehr.04.06.2026, 11.33 Uhr2 LeseminutenVielleicht gibt Daniel Jositsch heute seinen Abgang aus der SP bekannt.Gaëtan Bally / KeystoneÖffentliche Anschuldigungen, Beleidigungen, gescheiterte Mediationen – und bald die Trennung? Was sich zwischen der Zürcher SP und ihrem Ständerat Daniel Jositsch gerade abspielt, erinnert an eine Kampfscheidung.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Vor einer Woche entschied die SP an einer Parteiversammlung, Jositsch für die Wahlen im Oktober 2027 nicht wieder als Ständerat zu nominieren. Der Entscheid fiel recht knapp aus. 94 Delegierte votierten für den Amtsinhaber, 109 waren gegen ihn. Hätten acht Personen anders abgestimmt, wäre Jositsch noch im Rennen.Zuvor waren in einem anonymen Flugblatt gleich 16 Vorwürfe gegen den Ständerat erhoben worden. Das Papier wollte nachweisen: «Der Dani» gehört nicht mehr zu uns. Niemand stimme so häufig gegen die eigene Partei wie Jositsch, hiess es etwa. Und, besonders vernichtend: Niemand von den Linken in der kleinen Kammer stimme so häufig mit der SVP.Jositsch konterte nach seiner Nicht-Nomination in einem Interview mit der «NZZ am Sonntag», die SP sei «keine sozialdemokratische Partei mehr, sondern eine sozialistische und teilweise kommunistische». Worauf sich sogar die Ständerats- und, noch?, Parteikollegin Eva Herzog aus dem fernen Basel in den Tamedia-Zeitungen in die Debatte einmischte. Sie sagte, sie finde Jositschs Aussage dreist. Jositsch habe ein persönliches Problem mit seiner Kantonalpartei.Versöhnliche Worte tönen anders.Kommt es nun zum Bruch? Daniel Jositsch will heute an einer Medienkonferenz über seine politische Zukunft informieren. Denkbar ist, dass er das gleiche Vorgehen wählt wie fast auf den Tag genau vor fünf Jahren der Zürcher Regierungsrat Mario Fehr: Ein Austritt aus der Partei und später eine Kandidatur als Parteiloser.Fehr hat die Trennung nicht geschadet. Er wurde 2023 mit dem besten Resultat aller Regierungsräte wiedergewählt.Im Gegensatz zu Fehr im Zürcher Regierungsrat könnte Jositsch im Ständerat in Bern wohl auch als Parteiloser nicht völlig ungebunden politisieren. Das zeigt das Beispiel von Thomas Minder. Der frühere Schaffhauser Standesvertreter war auch parteilos, schloss sich aber der SVP-Gruppe im Ständerat an, um Zugang zu Kommissionssitzen zu erhalten.Wo ein parteiloser Jositsch eine neue Heimat finden könnte, ist offen.SP verliert einen sicheren SitzMit ihrer Absage von letzter Woche stellt die Zürcher SP einen Sitz zur Disposition, der ihr mit grosser Wahrscheinlichkeit wieder zugefallen wäre. Jositsch ist, genau wie Mario Fehr, weit über die Parteigrenzen hinaus beliebt. 2023 wurde er mit fast 240 000 Stimmen bereits im ersten Wahlgang als Ständerat bestätigt. Niemand anderes wurde ihm auch nur annähernd gefährlich.Wen die SP nun in den Ständerat schicken möchte, ist offiziell noch nicht bestimmt. Ein Name kursiert aber: Jacqueline Badran. Die Nationalrätin ist ebenfalls weit über die SP hinaus beliebt, gerade auch wegen ihrer direkten und bisweilen ungehobelten Art. Ob sie damit in die «Chambre de Reflexion» passt, ist eine andere Frage.Mehr folgt.Passend zum Artikel