Turbulenzen vor der SP-Nomination: Badran bringt Unterstützer von Jositsch ins Grübeln. Und dann kursiert auch noch ein Papier mit «16 fragwürdigen Positionen»Wen stellt die Zürcher SP im Herbst 2027 für den Ständerat auf? Ein Stimmungsbild, wenige Stunden vor dem Showdown.Jana Kehl28.05.2026, 05.00 Uhr3 LeseminutenDaniel Jositsch diskutiert mit Jacqueline Badran vor Beginn der Herbstsession im September 2025.Peter Klaunzer / KeystoneDaniel Jositsch spaltet die SP seit Jahren. Am Donnerstagabend entscheidet sich, ob die Partei ihn trotzdem für eine weitere Amtszeit als Ständerat nominiert. Die 200 Parteidelegierten aus dem Kanton Zürich werden dann Farbe bekennen müssen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Es ist ein komplizierter Entscheid, einer, der in den vergangenen Tagen noch komplizierter geworden ist – weil nun, kurz vor der Abstimmung, Jacqueline Badran als mögliche Ersatzkandidatin ins Spiel gebracht worden ist. Und diese klarmachte, dass sie bereitstehe.Wie umstritten Jositsch innerhalb seiner Partei ist, zeigt ein Dokument mit dem Titel «16 fragwürdige Positionen von Daniel Jositsch», das dieser Redaktion vorliegt. Es kursiert derzeit unter den Zürcher SP-Mitgliedern. Wer es verfasst hat, ist unklar.Die Liste ist lang und thematisch breit: Aufgeführt ist etwa Jositschs Nein zu Geldern für das Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten. Ebenfalls wird dessen «Angriff» auf das Klima-Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte vor zwei Jahren kritisiert. Und schliesslich hallen auch die letzten Bundesratswahlen nach, weil Jositsch das Frauenticket der SP als «diskriminierend» bezeichnete.Der umstrittene Ständerat stellte sich in den vergangenen Wochen an zwei parteiinternen Anlässen in Zürich und Winterthur seinen Kritikerinnen und Kritikern – Medien waren nicht zugelassen.Laut Michèle Dünki-Bättig, Co-Präsidentin der kantonalen SP, ist es das erste Mal, dass sich ein Politiker in diesem Format gegenüber der Parteibasis erklärt. «Ziel war es, über die Positionen von Daniel Jositsch und jene der Partei in ein Gespräch zu kommen.»Dieses Ziel habe man erreicht. «Die Anlässe waren gut besucht, die Diskussionen verliefen konstruktiv.» Alle Mitglieder hätten diese als «sehr positiv» erlebt.Kopfschütteln über Jositschs Auftreten bei ParteikollegenOb Jositsch die Parteikollegen auf seine Seite bringen konnte, ist allerdings fraglich. Mehrere SP-Mitglieder, die nicht namentlich zitiert werden möchten, berichten der NZZ von intensiven Diskussionen – gerade beim ausgebuchten Anlass in Zürich.Jositsch habe dort klar auf seinen Positionen beharrt – und damit auch über die Juso-Fraktion hinaus für Kopfschütteln gesorgt. An diesem Anlass wäre er wohl kaum als Ständerat nominiert worden, sagt ein Parteimitglied aus der Stadt Zürich.Die Meinungen schienen bis vor kurzem auch bei Jositschs Unterstützern gemacht. Bereits im April sprach sich etwa der Winterthurer Stadtrat Nicolas Galladé für die Nomination Jositschs aus – vor allem aus pragmatischen Gründen. Auf Anfrage sagt er: «Die Diskussion in Winterthur hat mir keinen Anlass gegeben, die Position zu ändern.»Wegen Badrans Bereitschaft fällt der Entscheid schwererDa mit Badran nun eine zugkräftige Ersatzkandidatin bereitsteht, scheint sich die Ausgangslage für einige SP-Mitglieder jedoch verändert zu haben. Insbesondere jenen Politikern, die sich bis anhin aus pragmatischen Gründen hinter Jositsch gestellt haben – um den Sitz ihrer Partei zu sichern –, dürfte der kommende Entscheid schwerfallen.Das zeigt sich etwa im Gespräch mit der SP-Nationalrätin Min Li Marti. Vertrat sie im April in den Tamedia-Zeitungen die Haltung, dass Jositsch nominiert werden soll, so gibt sie sich nun, nach Badrans Ankündigung, zurückhaltender. Sie habe «ihre Meinung noch nicht definitiv» gemacht.Für Jositsch spreche weiterhin, dass ohne ihn die SP Gefahr laufe, den Sitz zu verlieren, sagt Marti. Trotz allen Abweichungen sei er inhaltlich näher an der SP, als es ein bürgerlicher Ständerat wäre. Zudem vertritt sie die Haltung: «Die Partei sollte möglichst breit aufgestellt bleiben.»Eine SP-Politikerin aus dem Kantonsrat sagt: Die Differenzen zwischen Jositsch und der Parteibasis seien für sie seit längerem nicht mehr tragbar. Umso erfreulicher sei es, dass man mit Badran nun eine «starke Alternative» mit «guten Chancen» habe. Schliesslich gelte die Politikerin als Panaschierkönigin.Badran sicherte sich bei den letzten Nationalratswahlen rund 13 000 Stimmen von Wählern der SVP, der FDP und der Mitte – was dazu führte, dass sie mit dem kantonalen Bestwert von 150 000 Stimmen gewählt wurde.Ob die Rechnung für die SP auch mit Badran als Kandidatin aufgehen würde, ist dennoch fraglich. Schliesslich ist es denkbar, dass sich Jositsch in diesem Fall selbst als Kandidat ohne Unterstützung der SP für die Ständeratswahl 2027 aufstellt.Passend zum Artikel
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