Merz’ Anspruch, Merz’ WirklichkeitAußenminister Johann Wadephul reist heute von New York weiter nach Mexiko. Bei seinen Gesprächen soll es vor allem um die wirtschaftliche Zusammenarbeit gehen, auch etwas Kultur steht auf dem Programm. Der CDU-Politiker will am Donnerstag den Templo Mayor in Mexiko-Stadt besuchen, den einst wichtigsten Tempel von Tenochtitlán.

Kanzler Merz (r.), Außenminister Wadephul: »Ansehen hat Risse bekommen«

Ob der Minister Augen haben wird für das imposante Erbe des Aztekenreichs? Wadephul hat eine schwere Niederlage im Gepäck. Mit seiner Bewerbung um einen Sitz im Uno-Sicherheitsrat ist Deutschland tags zuvor krachend gescheitert.Gründe dafür mag es viele geben: ein später Start in den Wahlkampf, russische Stimmungsmache wegen der deutschen Unterstützung für die Ukraine, Deutschlands Solidarität mit Israel, der Schlingerkurs im Umgang mit Trump-Amerika. Auf jeden Fall ist das Ergebnis eine deftige Blamage (mehr Reaktionen hier). »Die Abstimmung in New York ist ein Gradmesser für das Ansehen der Bundesrepublik in der Welt«, schreibt mein Kollege Christoph Schult. »Es hat Risse bekommen.«

Bemerkenswert ist, wie offen der Außenminister nach dem Scheitern über seine Enttäuschung und seine Selbstzweifel sprach. Solche Töne waren vom Kanzler nicht zu vernehmen. »Wir haben alles in unserer Kraft Stehende getan«, hatte Friedrich Merz schon im Vorfeld erklärt. Wirklich? Beispiel Uno-Vollversammlung im September vergangenen Jahres: Da warben die nun siegreichen Konkurrenten Österreich und Portugal mit der versammelten Staatsspitze um Stimmen, der Bundeskanzler blieb lieber zu Hause.