Deutschland sollte wieder zählen. Das war der Plan des seit 2025 agierenden Bundeskanzlers Friedrich Merz. Nicht nur als Geber der Nato, nicht nur als Exportweltmeister mit halbherziger Außenpolitik, sondern als echte Gestaltungsmacht. Merz selbst pflegte das Bild des „Außenkanzlers“, der Fäden zieht, wo Scholz schweigend zugeschaut hatte. 14 Monate später ist die Bilanz ernüchternd.
Deutschland wird 2027/2028 keinen der nichtständigen Sitze im UN-Sicherheitsrat übernehmen. Das ist die erste gescheiterte Bewerbung in der Geschichte der Bundesrepublik. Trump demütigt Merz öffentlich. Der Kanzler lehnte die Taurus-Lieferung ab. Die Israel-Politik schwankt zwischen historischer Verpflichtung und humanitärer Ratlosigkeit. Dies ist die Geschichte des Außenkanzlers, der keiner wurde.
Der UN-Sicherheitsrat: Die Quittung
Österreich und Portugal feiern, Deutschland grübelt. Nötig war eine Zweidrittelmehrheit, davon erhielt Deutschland lediglich 104 der 193 Stimmen. Das ist kein knappes Scheitern, sondern eine Abfuhr.
Christoph Heusgen, ehemaliger deutscher UN-Botschafter, kennt die Dynamiken in New York wie kaum jemand sonst. Sein Urteil ist eindeutig: Die Kampagne sei zu spät gestartet und habe Österreich unterschätzt, sagt er der Berliner Zeitung. Inhaltlich werde Deutschland vorgeworfen, „doppelte Standards anzulegen: konsequente Beachtung des Völkerrechts nach dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine, Relativierung des Völkerrechts, wenn es um die Bewertung israelischen Handelns geht“.













