Friedrich Merz hält an seiner Grundüberzeugung fest, dass das transatlantische Verhältnis „für uns alle viel wert ist“. Das sagte er in der ARD am Ende eines Wochenendes, an dem die amerikanische Regierung die Botschaft gesendet hat, dass ihr das Verhältnis offensichtlich nicht so viel wert ist. Und Merz droht nach fast genau einem Jahr im Amt ausgerechnet in der Rolle einen empfindlichen Rückschlag zu erleiden, die ihm sogar viele seiner Kritiker als Paraderolle zugestehen: als Außenkanzler.Dabei wird nach F.A.Z.-Informationen in der Bundesregierung noch daran gearbeitet, die Auswirkungen der aktuellen Spannungen mit Washington einzugrenzen. Es gibt schließlich einen Unterschied zwischen der abgesagten Stationierung amerikanischer Mittelstreckenraketen in Deutschland und der Frage, ob man die Raketen und Startsysteme selbst kauft.Denn noch gibt es in Berlin die Hoffnung, die Abschreckungslücke mit amerikanischer Hilfe zu schließen, womöglich sogar mit Tomahawk-Marschflugkörpern. Auf Arbeitsebene laufen Gespräche über den Kauf von Waffensystemen in Amerika weiter, ist in Berlin zu hören. Im Juli vergangenen Jahres wurde öffentlich, dass Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) eine offizielle Nachfrage beim amerikanischen Verteidigungsminister hinterlegt hat für den Kauf von Typhon-Systemen. Mit denen können Tomahawk-Marschflugkörper und SM-6-Lenkflugkörper gestartet werden. Offiziell gab es zunächst keine Angaben dazu, ob auch diese gekauft werden sollen.Die Ursünde seiner KanzlerschaftEin Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums sagte an diesem Montag, man habe parallel zu den amerikanischen Stationierungsplänen eigene Maßnahmen angestoßen: zum einen den Ausbau und die Modernisierung der eigenen Taurus-Bestände, zudem den Bau eigener sogenannter Deep-Precision-Strike-Fähigkeiten über das europäische Programm ELSA. Und: den Kauf verfügbarer Systeme.Der Außenkanzler selbst widmet sich an diesem Montag der Innenpolitik. Statt des Gipfels der Europäischen Gemeinschaft in Armenien stehen auf seinem Kalender unter anderem Parteigremien in Berlin, mit den Reformen muss es vorangehen. Der Innenkanzler Merz ist aber nicht ohne den Außenkanzler zu denken: nicht nur, weil er sich als Außenkanzler hin und wieder genauso schwerzutun scheint mit der kommunikativen Disziplin wie in der Innenpolitik. Sondern weil das, was manche seiner Parteifreunde als Ursünde seiner Kanzlerschaft sehen, nicht ohne die Außen- und Sicherheitspolitik zu erklären ist. Und nicht ohne Trump. Von A wie Abweichler bis Z wie Zufallsverfahren – das erste schwarz-rote Regierungsjahr in Schlagwörtern Von Tobias Schrörs · 01.05.2026 Abweichler Den ersten Schuss vor den Bug bekam Friedrich Merz, bevor er überhaupt im Amt war. Am 6. Mai 2025 erhielt er im ersten Wahlgang nur 310 der 316 erforderlichen Stimmen. Zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik wurde ein Kanzler nicht im ersten Wahlgang gewählt. Mindestens 18 Stimmen aus den Koalitionsfraktionen fehlten rechnerisch. Im zweiten Wahlgang klappte es dann. Wer die Abweichler in der geheimen Wahl waren, ist bis heute unbekannt. Eine vertrauensbildende Maßnahme war das nicht gerade. Brosius-Gersdorf Das Drama der Richterwahl hätte Shakespeare sich nicht besser ausdenken können. Am 11. Juli 2025 sollte Frauke Brosius-Gersdorf im Bundestag zur Verfassungsrichterin gewählt werden, so hatten es die Spitzen von Union und SPD verabredet. Doch dann wurde die Wahl kurzfristig von der Tagesordnung genommen, weil die Union die zugesagte Unterstützung nicht mehr garantieren konnte. In der Fraktion gab es Kritik an inhaltlichen Positionen der Kandidatin, etwa zum Schwangerschaftsabbruch. Außerdem wurde in letzter Minute ein Plagiatsvorwurf gegen sie lanciert. Später zog Brosius-Gersdorf ihre Kandidatur zurück. Was für ein Theater. „Bullshit“ Einen sprachlichen Tiefpunkt erreichte das Niveau der Debatten zwischen Union und SPD im September 2025. Merz’ Aussage, dass sich Deutschland den Sozialstaat in seiner jetzigen Form nicht mehr leisten könne, bezeichnete die SPD-Vorsitzende Bärbel Bas als „Bullshit“. Merz gab sich gelassen und sagte, er wolle solche Worte auch nicht auf die Goldwaage legen. So oder so: eine anspruchsvolle Ausgangslage, um gemeinsam Sozialstaatsreformen auf den Weg zu bringen. Grundsicherung Auf den Namen kommt es an. Anfang März dieses Jahres hat der Bundestag beschlossen, aus dem Bürgergeld der Ampelregierung die neue Grundsicherung zu machen. Im Sommer soll das Gesetz in Kraft treten, das die Union als Abschaffung des Bürgergelds verkauft. Die SPD spricht lieber von Fairness. Leistungen sollen nicht pauschal für alle gekürzt werden, wohl aber bei Pflichtverletzungen. Wer Termine verpasst oder zumutbare Arbeit ablehnt, muss mit härteren Sanktionen rechnen. Über die haben Union und SPD viel gestritten. Jetzt ist das Thema erst mal vom Tisch. Herbst der Reformen Dieses Schlagwort weckte im vergangenen Jahr hohe Erwartungen. In seiner Sommer-Pressekonferenz sprach Merz davon, dass die Bundesregierung für einen „wirklichen Wechsel“ in der Sozialpolitik arbeite. Doch große Reformen, etwa der Krankenversicherung, der Rente und des Bürgergelds, ließen zunächst auf sich warten. Kritiker sprachen von einem „Herbst der Kommissionen“. Mitte September machte Merz deutlich, der „Herbst der Reformen“ sei längst eingeleitet. Und es werde sich „ein Winter, ein Frühling, ein Sommer, ein nächster Herbst mit Reformen anschließen“. Die Jahresuhr steht eben niemals still. Migrationswende Bei diesem Thema ließ die SPD die Union gewähren. An seinem ersten Arbeitstag als Bundesinnenminister leitete Alexander Dobrindt (CSU) die sogenannte Migrationswende ein. Das war am 7. Mai 2025. Signalwirkung hatten vor allem zwei Entscheidungen: Grenzkontrollen wurden intensiviert, und es wurde angeordnet, künftig auch Asylsuchende an deutschen Binnengrenzen zurückweisen zu können. Das ist europarechtlich umstritten, wie auch eine Entscheidung des Verwaltungsgerichts Berlin im Juni zeigte. In einer Eilentscheidung wurde die Zurückweisung dreier somalischer Asylsuchender an der deutsch-polnischen Grenze für rechtswidrig erklärt. Trotzdem hielt Dobrindt am neuen Kurs fest. Juristisch bleibt es spannend. RentenrebellenEs stand Spitz auf Knopf. CDU, CSU und SPD hatten sich auf die Stabilisierung des Rentenniveaus bei 48 Prozent bis 2031, eine „Aktivrente“ für arbeitende Rentner und die Ausweitung der Mütterrente geeinigt. Doch ausgerechnet in der Union regte sich Widerstand. Die 18 Abgeordneten der Jungen Gruppe drohten damit, das Rentenpaket nicht mitzutragen. Dabei hat die Koalition nur zwölf Stimmen mehr, als sie braucht.Der Streit drehte sich um die sogenannte Haltelinie, also das Absicherungsniveau der Rente im Verhältnis zu den Löhnen und damit vor allem um die Frage, was passiert, wenn die Haltelinie im Jahr 2031 ausläuft. Die Rebellen waren dagegen, dass die Renten danach von diesem Niveau aus weiter steigen sollen. Die Einsetzung einer Rentenkommission sollte sie beruhigen. Am Ende bekam das Paket im Dezember zwei Stimmen mehr als erforderlich gewesen wäre; sieben Unionsabgeordnete, darunter sechs aus der Jungen Gruppe, stimmten dagegen. Diese Episode hat tiefe Spuren hinterlassen – in der Koalition und innerhalb der Union. SondervermögenDie schwarz-rote Koalition war von Anfang an ein Bündnis, das auf zwei wackligen Pfeilern ruhte: Schulden und Kompromisse. Noch vor der Regierungsbildung einigten Union und SPD sich im März auf ein Finanzpaket, das mithilfe der Grünen beschlossen wurde. Für Verteidigungsausgaben oberhalb von einem Prozent des Bruttoinlandsprodukts wurde die Schuldenbremse gelockert, die SPD setzte dafür ein 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen für Infrastruktur durch.Die Grünen, deren Stimmen gebraucht wurden, handelten aus, dass 100 Milliarden Euro davon in den Klima- und Transformationsfonds fließen. Außerdem fließen 100 Milliarden Euro davon an die Länder, denen außerdem ein eigener Verschuldungsspielraum gewährt wurde. Was war von der Rhetorik der CDU gegen Schulden geblieben? StaatsräsonIn dem Maße, wie sich die humanitäre Lage in Gaza zuspitzte, nahmen auch die Spannungen in der Koalition zu. Die hatte sich dazu bekannt, dass die Sicherheit Israels „Teil der deutschen Staatsräson“ bleibt und stand bald vor der Frage, wie weit dieses Versprechen reicht. Merz und Außenminister Johann Wadephul schlugen kritischere Töne an. Der SPD ging das nicht weit genug, der CSU und einigen in der CDU ging es zu weit.Am 8. August schränkte die Bundesregierung wegen der von Israel beschlossenen Ausweitung der Offensive im Gazastreifen zeitweise Ausfuhren von Rüstungsgütern ein, die im Gazastreifen hätten eingesetzt werden können. Nach dem Waffenstillstand in dem Krieg, den die Hamas im Oktober 2023 durch ihren grausamen Terrorangriff entfacht hatte, wurde im November die Beschränkung wieder aufgehoben. Ein schwieriges Kapitel. Stadtbild Im Oktober sprach Merz davon, dass man „bei der Migration sehr weit“ sei, aber es „im Stadtbild immer noch dieses Problem“ gebe. Die unpräzise Formulierung löste eine heftige Debatte darüber aus, wie über Probleme infolge von Migration gesprochen werden sollte und was das für Bürger mit Einwanderungsgeschichte bedeutet. Es kam zu Demonstrationen, an einer nahm sogar die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Wiebke Esdar teil. Opposition in der Regierung habe noch nie funktioniert, befand der Unionsfraktionsvorsitzende Jens Spahn (CDU). Eine Belastungsprobe für das Bündnis. TankrabattAm Ende des ersten Regierungsjahrs eskalierte ein Streit in der Koalition noch mal so richtig. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) teilte im April auf offener Bühne gegen Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) und seine Entlastungsvorschläge angesichts der Energiekrise aus, vor allem gegen eine Übergewinnsteuer. Auch der Kanzler fand ihr Verhalten befremdlich. Um die heftigste Auseinandersetzung seit dem Rentenstreit zu beenden, trafen sich die Spitzen der Koalition in der Villa Borsig.Ergebnis: Die Steuern auf Diesel und Benzin sollen von Mai an für zwei Monate um 17 Cent brutto pro Liter gesenkt werden. Über das Treffen sagte Klingbeil später, es sei nicht schlimm, bei solchen Verhandlungen auch mal angebrüllt zu werden. Zwischen Merz und Klingbeil soll es hoch hergegangen sein. Der Kanzler stellte später klar: „Ich brülle niemanden an.“ ZufallsverfahrenDer Weg war weit. Anfang Dezember beschloss der Bundestag den neuen Wehrdienst, der eine verpflichtende Musterung für alle jungen Männer vorsieht, zunächst aber auf Fragebögen und Freiwilligkeit beruht. Die Union hätte gerne mehr verpflichtende Elemente gehabt. Zwischenzeitlich war auch mal die Rede davon, dass das Los entscheiden soll, wer gemustert wird. Doch das missfiel Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD), weil er eine flächendeckende Musterung wollte.Der Kompromiss sah dann so aus: Wenn Zielmarken verfehlt werden, muss der Bundestag über eine Bedarfswehrpflicht entscheiden, die durch ein „Zufallsverfahren“ durchgesetzt werden kann. Das Wort „Losverfahren“ vermied man lieber. Nur vier Tage nach der Bundestagswahl demütigte Trump den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj im Oval Office. Das hinterließ Eindruck beim angehenden Kanzler, bis hin zur Sorge um die NATO. Es soll den Ausschlag gegeben haben für den Plan, die sogenannte Bereichsausnahme für die Bundeswehr zu beschließen, also die faktische Ausnahme von der Schuldenbremse – noch im alten Bundestag. Die Bereichsausnahme war aber ohne das Sondervermögen Infrastruktur politisch nicht zu haben, und damit nicht ohne weitere 500 Milliarden Euro Schulden. Merz sagte der F.A.Z. später, er habe damit einen hohen Kredit auf seine Glaubwürdigkeit aufgenommen. Kritiker in seinen Reihen halten ihm vor, diesen nicht zurückgezahlt zu haben.Für die außenpolitische Strategie des Kanzlers war diese Entscheidung aber zentral: Um Russland abzuschrecken, sollten Deutschland und Europa sicherheitspolitisch unabhängiger werden von Amerika. Das hatte Merz schon am Wahlabend angedeutet. Aber weil eine Abschreckung ohne Amerika noch länger nicht in ausreichendem Maße militärisch möglich ist, galt es, Washington so lange und so intensiv wie möglich in Europa und bei der Unterstützung der Ukraine eingebunden zu halten.Ein Erfolg für Olaf ScholzSo ähnlich sah das auch schon Merz’ Vorgänger im Kanzleramt. Weil die Lücke bei der konventionellen Abschreckung mit Blick auf landgestützte Mittelstreckenraketen lange bekannt war und die angestrebte Entwicklung eigener Fähigkeiten – etwa mit den Briten – noch mehrere Jahre in Anspruch nehmen wird (wenn sie überhaupt gelingt), arbeitete die Scholz-Regierung auf eine deutsch-amerikanische Erklärung hin. Als sie im Juli 2024 veröffentlicht wurde, galt das als großer Erfolg.In nur vier Sätzen steht darin, dass die Amerikaner von 2026 an „weitreichende Waffensysteme ihrer Multi-Domain Task Force in Deutschland stationieren“ würden. Erwähnt wurden SM-6-Lenkflugkörper, Tomahawk-Marschflugkörper und „derzeit in Entwicklung befindliche hypersonische Waffen“. Diese würden „über deutlich größere Reichweite als die derzeitigen landgestützten Systeme in Europa verfügen“. Damals saß der Demokrat Joe Biden im Oval Office.Die damalige Oppositionspartei CDU begrüßte diese Ankündigung. Auch als Merz ins Kanzleramt zog, legte er zwar viel mehr als sein Vorgänger Wert darauf, erste Schritte hin zu einer Kooperation mit Frankreich mit Blick auf die nukleare Abschreckung zu gehen. Die Bedeutung der konventionellen Abschreckung gegenüber Russland wurde aber weiter genauso hoch eingeschätzt wie im Scholz-Kanzleramt – und damit die Bedeutung der Vereinbarung aus dem Juli 2024. Nur sicher konnte man sich nicht sein, ob sie Bestand hat.In den Monaten nach Amtsantritt folgten der Kanzler sowie sein Außenminister Johann Wadephul (CDU) dieser außenpolitischen Strategie: Amerika und Trump wurden umworben, die Bedeutung des transatlantischen Bündnisses wurde beschworen – und zugleich daran gearbeitet, Deutschland und Europa sicherheitspolitisch zu stärken. Der frühe Einsatz für das neue Fünfprozentziel der NATO durch die Bundesregierung passte dazu.Merz gelang es zunächst, eine gute Beziehung zu Trump zu knüpfen, er konnte ihn kurzfristig direkt kontaktieren und auf Rückruf hoffen, und selbst beim Hin und Her in den Verhandlungen zum Ukrainekrieg gelang es zusammen mit Partnern, die Amerikaner nicht völlig aus den eigenen Reihen zu verlieren. Bei anderen Themen wurde versucht, Irritationen zu vermeiden. Selbst wenn Trump andere Verbündete wie Spanien kritisierte. Oder nach der Entführung des venezolanischen Präsidenten, als man wie später beim Irankrieg eine völkerrechtliche Beurteilung vermied.Ein Schulbesuch mit FolgenZumindest öffentlich blieben Reaktionen aus Washington nach früheren Äußerungen von Merz über Trump aus. Als er scherzend davon berichtete, wie Telefonate mit dem amerikanischen Präsidenten so laufen. Oder als er bei der Münchner Sicherheitskonferenz die MAGA-Ideologie ablehnte. Auch Imitationen des Präsidenten im Landtagswahlkampf im März provozierten keine Reaktion. Schon damals äußerte Merz sich immer kritischer über den Irankrieg. Sein letzter Besuch im Oval Office – als erster Regierungschef nach dem Beginn der Angriffe auf Iran – hatte in seinem Umfeld die Zweifel daran nicht kleiner werden lassen, ob man im Weißen Haus einen Plan hat.Aber erst die Äußerungen in einer Schule im Sauerland in der vergangenen Woche machten nun offensichtlich einen Unterschied für Trump. Auch wenn Merz da keinen Zusammenhang sehen will. Noch in der vergangenen Woche hatte es bei Kontakten mit Washington offenbar keine Vorwarnung gegeben, ist zu hören. Bis zum Freitag.Ob man die betonte Gelassenheit über den Abzug von 5000 Soldaten in der Bundesregierung überzeugend findet oder nicht – mit dem Ausbleiben der amerikanischen Global Posture Review im vergangenen Jahr gab es zunächst keine klaren Ansagen, aber die amerikanische Sicherheitsstrategie hatte deutlich ausbuchstabiert, was „America First“ für Europa bedeuten könnte. Viel zentraler ist für die Bundesregierung aber die Absage der Stationierung der Mittelstreckenraketen mit dem zugehörigen Bataillon.Seit Merz Kanzler ist, hatten seine Leute auch die Vereinbarung aus dem Juli 2024 im Blick. Allerdings hat es dazu seit Trumps Amtsantritt keine erneute Zusage gegeben, heißt es aus der Bundesregierung. Das Thema wurde auf politischer Ebene von deutscher Seite aber auch nicht direkt angesprochen. Die Hoffnung war offensichtlich, dass die Umsetzung der Zusage wahrscheinlicher ist, wenn sie auf der Arbeitsebene bleibt und im Apparat ihren Weg geht. Dabei ging man offenbar auf Arbeitsebene auch noch bis vor Kurzem davon aus, dass die Stationierung gelingen könnte. Bis jetzt anderes verkündet wurde.Wie es um den Plan steht, selbst Systeme in Amerika zu kaufen, scheint offen. Zumindest gibt es offensichtlich noch keine Absage. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums bestätigte eine „Voranfrage bei der US-Seite“, ohne Details zu nennen. Das sei „ein laufender Prozess“.Am Sonntag klang Merz allerdings im ARD-Fernsehen pessimistisch. Auf die Frage, ob er glaube, dass die Mittelstreckenraketen aus den USA noch „kommen“, sagte er, der Zug sei noch nicht abgefahren, über das Thema werde seit Monaten gesprochen, „bis jetzt ohne Zusage der USA“. Und: „Wie ich es im Augenblick sehe, gibt es auch aus den USA heraus ganz objektiv kaum eine Möglichkeit, Waffensysteme dieser Art abzugeben.“Auch das hat wieder mit dem Irankrieg zu tun, wo diese eingesetzt werden. Spätestens beim G-7-Gipfel Mitte Juni im französischen Évian dürften Trump und Merz wieder persönlich aufeinandertreffen und dann vielleicht auch diese Frage einmal auf höchster Ebene klären.