Die kürzesten Wege, die kompaktesten Spiele und das alles rund um ein nagelneues, hochmodernes Großstadion: Das Hamburger Olympiakonzept hatte mit attraktiven Verheißungen aufgewartet, mit denen auch München nicht so ohne Weiteres hätte mithalten können. Dass Hamburgs Bevölkerung eine Bewerbung um Sommerspiele am Sonntag trotzdem mit deutlicher Mehrheit abgelehnt hat, scheint die Bahn nun aber freizumachen für München. Nach dem von Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) noch am Sonntag verkündeten Ausstieg der Hansestadt geht Bayerns Landeshauptstadt jetzt jedenfalls als Favoritin auf die Zielgerade des nationalen Kandidatenrennens.Während Münchens neuer Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) in seiner ersten Reaktion am Sonntagabend mit diplomatischer Zurückhaltung das Abstimmungsergebnis in Hamburg bedauerte und darauf hinwies, wie wichtig eine „breite Legitimation“ generell für eine deutsche Olympiakandidatur sei, warb die für Sport zuständige Dritte Bürgermeisterin Verena Dietl (SPD) am Montag bereits offensiv für ihre Heimatstadt: Man werde jetzt „alles daransetzen, die Entscheiderinnen und Entscheider davon zu überzeugen, dass München das mit Abstand beste und durchdachteste Olympiakonzept vorlegt“.An diesem Donnerstag müssen die verbliebenen Interessenten München, Berlin und Rhein-Ruhr-Gebiet mit Köln als Zentrum ihre finalen Bewerbungskonzepte beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) hochladen. Eine Evaluierungskommission mit Vertretern aus Sport und Politik bewertet die Unterlagen dann und empfiehlt einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am 26. September in Baden-Baden einen Kandidaten, mit dem der DOSB sich beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) um den Zuschlag für die Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044 bemühen soll.„Nur mit München als weltweit bekannte und bedeutende Stadt kann es gelingen, sich auf der großen, internationalen Bühne gegen die starke Konkurrenz durchzusetzen“, appelliert Dietl bereits jetzt an die DOSB-Delegierten: Dass Olympia nach 1972 erneut nach Deutschland vergeben werde, „geht nur mit München als Ausrichterstadt“, sagt sie.Dass bei der Auswahl von Olympia-Ausrichtern nicht immer der Bewerber mit dem besten Konzept zum Zug kommt, hat München schon selbst erfahren: Bei der Vergabe der Olympischen Winterspiele 2018 unterlag Bayerns Metropole seinerzeit dem Mitbewerber Pyeongchang aus Südkorea, Heimatland eines finanzkräftigen IOC-Sponsors.Insofern sind wegen der Aufgabe des vermeintlich härtesten Konkurrenten jetzt weder Triumphgeheul noch Schadenfreude zu hören. „Gerade bei einer Olympiabewerbung ist entscheidend, dass sie von den Bürgerinnen und Bürgern mitgetragen wird“, hatte Münchens OB Krause erklärt und darauf hingewiesen: „München hat mit seinem Bürgerentscheid im Oktober 2025 den Auftakt für die bis jetzt erfolgten Entscheidungen in Deutschland gemacht.“ In München habe man gezeigt, „wie es mit einem herausragenden Bewerbungskonzept gelingen kann, die Menschen zu erreichen und für Olympia zu begeistern“, pflichtete Dietl bei.Im vorigen Herbst hatte München als erster deutscher Bewerber die Bürgerinnen und Bürger zu einem Referendum über Olympia gebeten und 66,4 Prozent Zustimmung erhalten. Im April hatten sich in Nordrhein-Westfalen dann ebenfalls knapp zwei Drittel der Menschen für eine Bewerbung ausgesprochen. In Berlin hatte es aus verfassungsrechtlichen Gründen keine vom Senat organisierte Bürgerbefragung gegeben, was allenthalben als Nachteil angesehen wird.„Hamburg hatte ein gutes Olympiakonzept mit kurzen Wegen. Dass die Bürgerinnen und Bürger sich dagegen entschieden haben, muss man akzeptieren“, sagt Ulrike Grimm, die sportpolitische Sprecherin der CSU-Fraktion im Stadtrat. „Ohne die Begeisterung der Menschen vor Ort geht es nicht. Umso stärker wiegt nun das positive Votum der Münchnerinnen und Münchner.“ Die Stadt habe „das stärkste deutsche Konzept“, sagt auch sie. „Und wenn ein Mitbewerber wegfällt, steigen unsere Chancen auf die Bewerbung weiter.“ Sie sei jedenfalls „zuversichtlich, dass München sich letztlich gegen Rhein-Ruhr und Berlin durchsetzen kann“.Deutsche Olympiabewerbung:„KölnRheinRuhr“ will die Spiele – und fordert München herausDas Votum in München war eindeutig – nun entscheiden rund vier Millionen Stimmberechtigte in NRW, ob sie Olympia wollen. Der Trend ist ebenfalls positiv. Aber lässt sich das IOC von Bochum, Oberhausen und Wuppertal begeistern?Ihre SPD-Kollegin Kathrin Abele äußert die Ansicht, dass sich für München wenig ändere durch das Hamburger Votum: „Unsere Chancen werden nicht durch das Hamburger Ergebnis bestimmt, sondern durch die Qualität unserer eigenen Bewerbung. Mit dem klaren Votum der Münchner Bevölkerung haben wir einen starken Rückhalt.“Den betonte auch Beppo Brem, der sportpolitische Sprecher der Grünen. Natürlich müsse man die demokratische Entscheidung in Hamburg gegen Olympia respektieren, aber er freue sich, „dass wir hier in München eine andere Lage haben und sich die Bürgerinnen und Bürger mit einer sehr großen Mehrheit für die Spiele ausgesprochen haben“. Mit diesem Elan gelte es nun, den weiteren Bewerbungsprozess voranzutreiben: „München hat viele gute Argumente, ein nachhaltiges Konzept, bestehende Sportstätten, Begeisterung für Sportereignisse. Wir hoffen natürlich, dass wir damit überzeugen können.“Die hiesige Olympiabegeisterung will auch der ÖDP-Chef im Stadtrat, Tobias Ruff, nicht ignorieren. Ruff ist einer der Sprecher im Bündnis „NOlympia“, er weist darauf hin, dass Hamburg sich bei einer höheren Wahlbeteiligung (49,6 Prozent gegenüber 42 Prozent) gegen eine Bewerbung ausgesprochen habe – auch, weil in der Hansestadt den Briefwahlunterlagen Broschüren der Olympiagegner beigelegt waren, anders als in München. „Hamburg zeigt, wie wichtig eine ehrliche Debatte über die Chancen und Risiken Olympischer Spiele ist“, resümierte Ruff am Montag: „Dort wurde offener und stärker auf Augenhöhe diskutiert. Das Ergebnis war eine klare Entscheidung der Bevölkerung gegen die Bewerbung.“ Diese Transparenz brauche man auch hier, fordert er.
Nach Olympia-Nein in Hamburg: München ist jetzt Favorit im deutschen Rennen
Die Hamburger stimmen gegen eine Bewerbung ihrer Stadt für das Sport-Großereignis. Was das für München bedeutet und warum weder Triumphgeheul noch Schadenfreude zu hören ist.















