Während die Welt sich über alles Mögliche streitet und die Krisen gefühlt kein Ende nehmen, wachsen die ersten Erdbeeren, Radieschen schieben sich unbeirrt aus der Erde und die ersten Gurken liegen längst auf den Marktständen. Irgendwo kocht jemand knackfrischen Spargel. Und vielleicht sehen wir hier schon die Lösung für so manche Debatte: weniger reden, mehr kochen.

Doch dann ist da noch der kulinarische Kleinkrieg: Kaum fällt heute das Wort „vegan“, bilden sich oft reflexartig Fronten. Die einen rollen mit den Augen, die anderen versuchen, mit moralischer Überlegenheit aufzutrumpfen. Dazwischen sitzen die Menschen, die eigentlich nur Hunger haben. Es ist schon erstaunlich, wie politisch Essen geworden ist. Herkunft, CO₂-Fußabdruck, Nachhaltigkeit, Tierwohl, Verzicht, Ideologie – all das schwingt inzwischen mit, sobald irgendwo ein Teller auf den Tisch gestellt wird. Dabei war Essen früher einmal vor allem eines: etwas Schönes.

Wir alle ernähren uns gelegentlich vegan

Glauben Sie mir, es lohnt sich, das Thema etwas entspannter zu betrachten. Denn viele Gerichte, die wir lieben, sind ohnehin längst vegetarisch oder sogar vegan, ohne dass jemand ein Etikett daran kleben muss. Spaghetti mit Tomatensauce etwa: ein wunderbares veganes Gericht, wenn man den Parmesan weglässt. Ein Obstsalat? Natürlich vegan! Ein gutes Ratatouille? Ebenfalls. Hummus, Linsensuppe, gebratene Auberginen, Kartoffelsalat mit Essig und Öl, gebratene Pfifferlinge – die Liste ist schier endlos. Niemand käme auf die Idee, einem Teller sonnengereifter Erdbeeren Ideologie vorzuwerfen.