Hinter der Headline

Der Verpackungsspezialist SIG Group ist unter dem neuen CEO Mikko Keto besser als erwartet ins «Übergangsjahr» 2026 gestartet. Entscheidend ist nun, ob das Management verlorenes Vertrauen nachhaltig zurückgewinnt. Der neue CEO des Verpackungsspezialisten SIG Group, Mikko Keto, ist seit Anfang März im Amt. Sein Einstand ist gelungen: Mit den Zahlen zum ersten Quartal konnte SIG positiv überraschen. Das organische Wachstum lag deutlich über den Konsenserwartungen der Analysten, ebenso die bereinigte Ebit-Marge, die sich um 60 Basispunkte auf 13,4% verbesserte. Ermutigend ist vor allem, dass sich das Kerngeschäft mit aseptischen Kartonverpackungen weiterhin solide entwickelt.Optimieren Sie Ihre Browsereinstellungen

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Bitte passen Sie die Einstellungen an.«Ich würde den Start grundsätzlich positiv beurteilen», sagt Kurt Boss, Portfoliomanager bei Baumann & Cie. Das ist wichtig, weil der Markt zuvor sehr pessimistisch eingestellt war. Nach verfehlten Akquisitionen, Gewinnwarnungen und dem Managementwechsel geht es für SIG nun vor allem darum, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen – bei Investoren, Kunden und dem Markt insgesamt.Gelingt dies, dürfte es dem in diesem Jahr seitwärts laufenden Aktienkurs wieder neue Impulse geben.Natürlich kann ein neuer CEO die Probleme nicht von heute auf morgen lösen. Entscheidend ist deshalb, dass SIG Schritt für Schritt wieder Glaubwürdigkeit aufbaut. Die überraschend guten Erstquartalszahlen sind dafür ein wichtiger erster Baustein. Für Investoren zählt im laufenden Jahr vor allem, dass weitere Enttäuschungen ausbleiben.Vor diesem Hintergrund ist auch die Prognose für das laufende «Übergangsjahr» bewusst konservativ gewählt. Währungsbereinigt und zu konstanten Kunststoffpreisen erwartet SIG ein organisches Umsatzwachstum von 0 bis 2% sowie eine bereinigte Ebit-Marge von 15,7 bis 16,2%.Da SIG im laufenden Jahr weitere Preiserhöhungen anstrebe, könne das organische Wachstum die Zielspanne von 0 bis 2% übertreffen, argumentiert Christian Arnold, Leiter Aktienanalyse bei Oddo BHF Schweiz. «Wir rechnen derzeit mit einem Plus von 3,3%.»SIG Group beweist relative StärkeDie Entwicklung bei Tetra Pak bestätigt wiederum, dass sich der Markt für aseptische Kartonverpackungen im Geschäftsjahr 2025 deutlich verlangsamt hat. Der wichtigste, nicht kotierte Wettbewerber erzielte einen Umsatz von 12,4 Mrd. €. SIG kam auf 3,2 Mrd. €. Währungsbereinigt schrumpfte der Konzern aus Schweden um 0,3%, während das Schweizer Unternehmen im Bereich aseptischer Kartonverpackungen um 1,2% zulegte.Immerhin deutet das darauf hin, dass SIG auch in einem anspruchsvolleren Umfeld weitere Marktanteile gewinnen konnte, wenn auch in verlangsamtem Tempo. Gemäss Schätzungen von Vontobel dürfte der Marktanteil inzwischen bei rund 25% liegen. Die Zahlen sprechen somit dafür, dass SIG im Kerngeschäft weiterhin gut positioniert ist und zumindest teilweise auf Kosten von Wettbewerbern wächst. Aus Kundensicht zählen dabei vor allem die Gesamtbetriebskosten: hohe Geschwindigkeit, tiefe Abfallraten, kurze Ausfallzeiten und schnelle Umrüstbarkeit.Gerade technologisch unterscheidet sich SIG vom wichtigsten Wettbewerber Tetra Pak. Während Tetra Pak für Getränkeverpackungen mit Endlosrollen arbeitet, setzt SIG auf Kartonmäntel. Das kann Vorteile bei Flexibilität, Formaten und Grössen bringen. Kunden können schneller auf verändertes Konsumentenverhalten reagieren, etwa bei kleineren Packungsgrössen, neuen Produkten oder kleineren Produktionsmengen. Hinzu kommen Verpackungslösungen ohne Aluminium mit hoher Barrierewirkung, bei denen SIG der Konkurrenz voraus zu sein scheint.«Operativ ist SIG gut unterwegs. Gerade die Flexibilität bei der Umrüstung auf verschiedene Verpackungsgrössen hilft dem Unternehmen, gegenüber Tetra Pak stetig Marktanteile zu gewinnen», argumentiert Urs Beck, Fondsmanager bei Arfina Capital. Das wirtschaftliche Umfeld bleibt von Inflation geprägt, worauf Abfüller unter anderem mit kleineren Verpackungsgrössen reagieren, Stichwort «Shrinkflation».Und trotz der gegenwärtigen Marktschwäche: Langfristig bleiben die Wachstumsaussichten intakt. Flüssige Milchprodukte, die rund 62% des Umsatzes ausmachen, haben zudem einen defensiven Charakter. Zusätzliche Impulse bieten Trendkategorien wie High-Protein-Produkte. Kurzfristig dürfte das Wachstum jedoch verhalten bleiben. Niedrige Volumenimpulse und steigende Inputkosten bleiben Belastungsfaktoren.Entscheidend ist zudem, dass SIG das Nicht-Kerngeschäft weiter bereinigt. Eine Fokussierung könnte zusätzliche Werte freisetzen. «Der Verkauf des Chilled-Carton-Geschäfts aus der Evergreen-Akquisition ist beschlossen. Am geplanten Investorentag im Herbst könnten weitere Portfolioanpassungen zur Sprache kommen», sagt Arnold von Oddo BHF.Cevian als VertrauensfaktorDass SIG auf dem richtigen Weg ist, davon scheint Cevian Capital bereits überzeugt zu sein. Die schwedisch-schweizerische Beteiligungsgesellschaft meldete Ende 2025 eine erste Position und stockte sie im März weiter auf. Gemäss einer Meldung der Schweizer Börsenaufsicht SIX Exchange Regulation hielt Cevian Ende März rund 5,6% am Unternehmen.Der Einstieg von Cevian gibt anderen Investoren ein gewisses Vertrauen, weil damit ein professioneller, langfristig orientierter Aktionär genauer hinschaut. Am Ende zählen zwar die operative Entwicklung und die Zahlen. Doch Cevian ist kein Investor, der nur für wenige Wochen einsteigt. Er verfolgt in der Regel einen mehrjährigen Plan und hat eine klare Vorstellung davon, wie Wert geschaffen werden kann.Für SIG ist das gerade in der derzeitigen Phase wichtig. Nach den Problemen der vergangenen Jahre erhöht der Einstieg von Cevian die Aufmerksamkeit – und zugleich den Druck, dass die angekündigten Verbesserungen umgesetzt werden.Der Einstieg von Cevian löst zwar die operativen Herausforderungen per se nicht. Aber er ist ein wichtiges Signal an den Markt: Ein erfahrener Investor sieht Potenzial und ist offenbar bereit, den Weg über mehrere Jahre mitzugehen.Es gibt Raum für positive Überraschungen2026 gilt für SIG als «Übergangsjahr». Im Vordergrund stehen drei Themen: die stärkere Ausrichtung auf aseptische Systemlösungen, Effizienzsteigerungen durch Kostenreduktion, höhere Produktivität sowie Prozess- und Beschaffungsoptimierungen und mehr Disziplin in der Allokation von Kapital. Ziel ist eine bessere Bilanzqualität, damit SIG mittelfristig zu einer aktionärsfreundlicheren Dividendenpolitik zurückkehren kann.Ein Hebel liegt auf der Kostenseite. Anlässlich der Jahreszahlen hat SIG bereits Massnahmen zur Straffung des Geschäfts angekündigt. «Aus meiner Sicht ist dieses Thema aber noch nicht vollständig ausgeschöpft», sagt Boss von Baumann & Cie.Gleichzeitig belasten höhere Inputkosten und geopolitische Unsicherheiten im Zusammenhang mit dem Konflikt im Nahen Osten. SIG reagiert unter anderem mit Preiserhöhungen. Entscheidend wird nun sein, ob das Unternehmen zusätzliche Effizienzpotenziale realisieren und zugleich die Guidance bestätigen kann. Gelingt das, dürfte der Markt dies positiv aufnehmen.Trotzdem bleibt SIG eine Geschichte für geduldige Anleger. Die Verbesserungen brauchen Zeit – und eine stärkere Fokussierung.«Beim nicht-aseptischen Teil von Bag-in-Box sehen wir nur begrenzte Synergien, weshalb wir die Abstossung dieses Teilbereichs begrüssen würden, zumal Investoren heute deutlich weniger tolerant gegenüber dieser nicht performenden Einheit sind», sagt Manuel Lang, Analyst bei der Bank Vontobel.Auch die Beilegung des Rechtsstreits mit dem Grossaktionär Laurens Last würde eine Unsicherheit beseitigen. Da die Meilensteine für den bestrittenen Earn-out verfehlt wurden, dürfte eine Einigung deutlich unter dem maximalen Streitwert von 300 Mio. € möglich sein. Bereits ein zweistelliger Millionenbetrag sollte die Gemüter beruhigen, argumentiert Urs Beck von Arfina Capital.Ein positives Signal wäre die Wiederaufnahme der Dividendenausschüttung im kommenden Jahr. Wie das Unternehmen betont hat, hängt dies jedoch von der operativen Leistung und dem Verlauf der Transformation ab. Gelänge der Schritt, wäre das ein weiterer Beitrag zur Rückgewinnung des Investorenvertrauens.Dazu gehört auch, dass das Management nicht zu früh zu viel verspricht. Nach den Problemen der vergangenen Jahre, insbesondere im Zusammenhang mit Akquisitionen, wäre es falsch, bereits wieder offensiv über die Guidance hinauszugehen. Entscheidend ist vielmehr, dass SIG liefert, was angekündigt wurde. Die nächsten Zahlen Ende Juli werden zu einem wichtigen Prüfstein.Aus Sicht von The Market bleibt das Geschäftsmodell solide. Der Einstieg von Cevian stützt diese Einschätzung. Die Aktien sind damit trotz Unsicherheiten langfristig interessant.