Hinter der Headline
Der weltgrösste Schokoladenhersteller präsentiert eine neue Strategie. Der neue CEO will sich auf margenstarke Segmente konzentrieren und operative Schwächen der Vergangenheit korrigieren. Die Aktien bleiben interessant, der Kurs dürfte aber volatil bleiben. In der Schokoladenindustrie ist Vertrauen das höchste Gut. In der Branche, die als eher altmodisch gilt, spielen Verlässlichkeit und persönliche Beziehungen eine zentrale Rolle. Das gilt besonders für den weltgrössten Schokoladenhersteller Barry Callebaut. In dem heute Dienstag publizierten Strategieupdate sowie in der Video-Präsentation fallen auffällig oft Begriffe wie Zuverlässigkeit, Verfügbarkeit (von Produkten), Kundenbeziehungen und operative Performance.Optimieren Sie Ihre Browsereinstellungen
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Bitte passen Sie die Einstellungen an.In all diesen Punkten gelobt die neue Führung um CEO Hein Schumacher heute mehrfach Besserung. Das gibt Hinweise darauf, was in den letzten Jahren schiefgelaufen sein muss. In der Tat muss Schumacher, ehemaliger CEO von Unilever und seit Anfang Jahr im Amt, verlorenes Vertrauen zurückgewinnen. Operative Probleme, Volumenrückgänge, Lieferkettenstörungen und eine historisch beispiellose Kakaopreishausse prägten die vergangenen Jahre.Zudem hat der harte Private-Equity-Kurs des Schumacher-Vorgängers Peter Feld, bei dem zu viele Schritte in zu kurzer Zeit umgesetzt werden sollten, nicht nur Mitarbeitende, sondern auch Kunden verschreckt (mehr dazu hier).Zu viele Initiativen unter Ex-CEOSchumacher räumt gegenüber Journalisten ein, dass es im Rahmen des «Next Level»-Programms unter seinem Vorgänger viele Initiativen gab, die zwar mit «guter Absicht gestartet wurden», in der Summe jedoch «ein bisschen viel» waren. Ohne den Namen seines Vorgängers zu nennen, wird deutlich, dass der neue CEO es anders machen will – auch um das Vertrauen der Börse zurückzugewinnen.Auch wenn die Börsenperformance auf Zwölfmonatssicht mit +45% ansehnlich ist, liegt der Aktienkurs noch immer 50% unter dem Hoch vom Sommer 2021.Die Strategie, die Barry heute unter dem Namen «Focus for Growth» erstmals näher vorgestellt hat, setzt einerseits auf die Behebung von Versäumnissen der Vergangenheit und andererseits auf die Fokussierung auf lukrative Wachstumsmärkte. Der Plan sieht dabei drei zentrale Verschiebungen im Geschäftsmodell vor.Erstens soll der Fokus stärker auf Lösungen statt auf Volumen liegen. Barry Callebaut will sich verstärkt als partnerorientierter Lösungsanbieter positionieren und gezielt Spezialitätenanwendungen in attraktiven, schnell wachsenden Segmenten skalieren.Zweitens will das Unternehmen seine Basisvolumen zwar schützen, den Schwerpunkt jedoch auf Premiumprodukte verlagern und damit das Wachstum im margenstärkeren Gourmet-Geschäft beschleunigen.Drittens setzt die neue Strategie auf weniger, aber wirkungsvollere Initiativen sowie einen «Market-back»-Ansatz, der sich konsequent an Konsumententrends und Kundenbedürfnissen orientiert.Barry Callebaut will die Zusammenarbeit mit regionalen Lebensmittelherstellern – dem Kerngeschäft des Unternehmens – verbessern und insbesondere die Zuverlässigkeit in der Belieferung wiederherstellen. Der Fokus liegt dabei auf zehn Prioritätsmärkten, die rund zwei Drittel des Konzernvolumens und der Rentabilität ausmachen (siehe Grafik). Gleichzeitig sollen verbesserte Beziehungen zu den sieben Grosskunden – darunter dürften Nestlé, Unilever, Mondelez und Hershey’s fallen – dazu beitragen, dass Barry die Mittelfristziele erreicht. Quelle: Screenshot Unternehmenspräsentation Kapitalrendite soll steigen, die Schulden weiter sinkenDas Unternehmen strebt mittelfristig ein jährliches Volumenwachstum von 2 bis 4% an, was weitgehend den Markterwartungen entspricht. Bei der Rentabilität peilt Barry Callebaut ein Wachstum des wiederkehrenden Ebit im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich sowie ein Wachstum des Vorsteuergewinns (PBT) im niedrigen zweistelligen Prozentbereich an.Der freie Cashflow soll zwischen 300 und 400 Mio. Fr. liegen, bei jährlichen Investitionen (CapEx) von rund 350 Mio. Fr. in den nächsten drei Jahren. Die Kapitalrendite (ROIC) soll dabei auf 11 bis 13% steigen – von zuletzt unter 7%. Bei gewichteten durchschnittlichen Kapitalkosten (WACC) von zuletzt knapp 5% würde damit deutlicher Aktionärswert geschaffen.Wichtig ist, dass Barry Callebaut für diese Ziele von einem Kakaopreis von rund 3000 £ je Tonne ausgeht, was etwa 4000 $ entspricht. Auf diesem Niveau hat sich der Preis in den letzten Monaten eingependelt. Darüber hinaus soll der Schuldenabbau fortgesetzt und das Verhältnis von Nettoverschuldung zu Ebitda wieder auf unter 2 gesenkt werden. Ausserdem strebt das Unternehmen eine stabile bis steigende Dividende bei einer Ausschüttungsquote von mindestens 35% an.Viele Versprechen, jetzt muss Barry liefernDie Börse reagiert auf das Strategie-Update heute kaum. Nach anfänglich leichten Verlusten notieren die Aktien am Dienstagnachmittag leicht im Plus. Für Vontobel-Analyst Matteo Lindauer ist «Focus for Growth» ein entscheidender Schritt zur Wiederherstellung des langfristigen Wachstumspfads. Das Programm zeige «greifbare Massnahmen zur Stärkung des Kerngeschäfts anstelle von Finanzkonstruktionen», schreibt er mit Anspielung auf die Zeit unter Ex-CEO Peter Feld in einer Kurznotiz vom Dienstagmorgen.Tatsächlich wirkt Hein Schumacher nicht erst seit heute glaubwürdiger und fokussierter als sein Vorgänger. Der Niederländer vermittelt den Eindruck, die Probleme von Barry Callebaut erkannt zu haben und konsequent angehen zu wollen. Im Zentrum stehen dabei nicht kurzfristige Gewinnziele, sondern die Rückgewinnung von Marktanteilen, die Wiederherstellung operativer Exzellenz und die Stärkung der Kundenbeziehungen.Zudem betonte er heute mehrfach, dass an der Ausarbeitung des neuen Programms Mitarbeitende, Führungskräfte und Experten aus der gesamten Organisation beteiligt gewesen seien. Das unterstreicht Schumachers kooperativen Ansatz, der ebenfalls einen Kontrast zum Vorgehen seines Vorgängers bildet.Und dennoch ist Vorsicht angebracht: Die mittelfristigen Ziele setzen voraus, dass sich die Kakaopreise zumindest stabilisieren und die Nachfrage sowie die Volumenentwicklung im Schokoladenmarkt wieder anziehen. Jüngste Signale von Kunden wie Mondelez oder Hershey’s waren ermutigend, doch eine Schwalbe macht bekanntlich noch keinen Frühling. Langfristig bleiben die Aktien attraktiv. Der Turnaround von Barry Callebaut ist in Sichtweite, der Weg dorthin dürfte jedoch weiterhin holprig verlaufen.






