Achterbahnfahrt der Kakaopreise: Der weltgrösste Schokoladekonzern Barry Callebaut wächst endlich wiederNach zwei Jahren Krise verkauft Barry Callebaut wieder mehr Produkte. Das hat mit dem gesunkenen Weltmarktpreis für Kakaobohnen zu tun. Der neue CEO muss aber auch Schäden reparieren, die sein Vorgänger hinterlassen hat.09.07.2026, 16.38 Uhr3 LeseminutenBarry Callebaut hat im letzten Quartal wieder mehr Produkte verkauft.KeystoneBarry Callebaut, der weltgrösste Schokoladekonzern, sendet positive Signale. Erstmals seit zwei Jahren hat das Unternehmen mit Sitz in Zürich wieder ein Quartal mit Volumenwachstum präsentiert. Mehr Produkte zu verkaufen, ist für einen Lebensmittelhersteller zentral. Die Aktienanalytiker der Bank Vontobel sprachen von einem «Wendepunkt».Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Teure KakaobohnenBarry Callebaut steckte in den vergangenen Jahren in einer Krise, die sich auch in einem Einbruch des Aktienkurses manifestierte. Der erste Grund dafür war der stark gestiegene Weltmarktpreis für den Rohstoff Kakaobohnen. In den Jahren 2024 und 2025 stieg der Kakaopreis zeitweise auf mehr als das Dreifache der früher üblichen Notierungen.Barry Callebaut gab diese Preiserhöhungen an seine Kunden weiter. Zu ihnen gehören grosse Lebensmittelkonzerne wie Nestlé (der etwa die Schokolade für seine Kitkat-Riegel von Barry Callebaut bezieht) oder Unilever, aber auch kleinere Confiserien. Diese Firmen erhöhten ihre Absatzpreise ebenfalls, spürten deshalb eine Kaufzurückhaltung bei den Konsumenten und bestellten weniger Schokoladevorprodukte bei Barry Callebaut.Anfang 2026 hat sich die Lage beim Kakaopreis entspannt. Er sank wieder auf das früher übliche Niveau. Das merkten auch die Konsumenten in den Supermärkten: Einzelne Schokoladeprodukte sind jüngst wieder günstiger geworden. Der Preisrückgang dürfte ein wichtiger Grund dafür sein, warum Barry Callebaut im letzten Quartal wieder mehr Ware verkaufte.Wie dauerhaft die Erholung ist, muss sich aber zeigen. Seit Juni hat sich der Kakaopreis erneut spürbar erhöht. Marktteilnehmer befürchten, dass das Wetterphänomen El Niño in den Kakaoanbauländern rund um den Äquator für schlechte Ernten sorgen könnte.Hausgemachte ProblemeDer zweite Grund für die Krise von Barry Callebaut waren hausgemachte Probleme. Der vormalige CEO, Peter Feld, lancierte im Herbst 2023 ein grossangelegtes Umbauprogramm. Feld wollte rund ein Fünftel der Stellen streichen sowie den Konzern stärker zentralisieren und digitalisieren. Doch Feld verspielte mit seiner harten Gangart viel Vertrauen bei Mitarbeitern, Kunden und Investoren. Anfang 2026 wurde er ersetzt durch den früheren Unilever-Konzernchef Hein Schumacher.Schumacher erklärte im Frühling gegenüber Medien sinngemäss, das Umbauprogramm sei zwar im Grundsatz richtig gewesen, aber es habe die Organisation überfordert. Die Firma sei zu stark mit sich selbst beschäftigt gewesen und habe die Kunden vernachlässigt. Chaotische Zustände scheint Feld im grössten Markt Nordamerika hinterlassen zu haben. Laut Schumacher konnte Barry Callebaut die Kunden zum Teil nicht mehr beliefern und hatte Qualitätsprobleme. Das trug zu den schrumpfenden Verkaufsvolumen bei.Man arbeite daran, den Service wieder auf das Branchenniveau zu bringen, erklärte Schumacher. Am Donnerstag bei der Vorlage der Quartalszahlen bat er um etwas Geduld: Die Verbesserungen würden erst graduell sichtbar werden.Schumacher hat eine neue Strategie lanciert, um Barry Callebaut zurück zum Wachstum zu führen. In seinen Augen ist der Konzern zu stark zentralisiert worden, er habe sich dadurch zu weit von den Kunden entfernt. Schumacher will jetzt beispielsweise den regionalen Verkaufseinheiten im weltweit tätigen Konzern wieder mehr Entscheidungsfreiheit geben. Lebensmittel seien ein «lokales Geschäft», sagte der neue Konzernchef. Das Wichtigste sei, die Bedürfnisse der Kunden wieder kompromisslos im Blick zu haben.Passend zum Artikel