Das Tempo des Ebola-Ausbruchs in Zentralafrika ist beispiellos. Über 900 Verdachtsfälle, 200 Tote in der Demokratischen Republik Kongo und im Nachbarland Uganda, seit das Virus Mitte Mai entdeckt wurde, so schnell hat Ebola noch nie um sich gegriffen. Was aussieht wie eine explosionsartige Ausbreitung, liegt allerdings wahrscheinlich eher am Werk des Virus im Verborgenen. Fachleute gehen davon aus, dass der Erreger bereits wochenlang um sich griff, bevor den Menschen auffiel, was da im Gange ist.Beispiellos ist aber auch die Geschwindigkeit, mit der nun Medikamente gegen das Virus vom Typ Bundibugyo erprobt werden. Auch ist eine Reihe von Impfstoffen in der Entwicklung, die an den Erreger angepasst werden. „In zwei bis drei Monaten haben wir einen Impfstoff zum Testen“, sagte Teresa Lambe von der Oxford Vaccine Group bei einer Veranstaltung des britischen Science Media Centres (SMC). Die Gruppe entwickelt bereits seit mehr als zehn Jahren Impfstoffe gegen Ebola. Schon während der Ausbrüche in Uganda, Äquatorialguinea und Tansania zwischen 2022 und 2025 kamen Vakzine zum Einsatz, die von Lambe und ihrem Team entwickelt worden waren. Die Gruppe hatte auch gemeinsam mit dem Unternehmen AstraZeneca einen der Impfstoffe gegen das Coronavirus entwickelt.Der auf den aktuellen Ebola-Ausbruch angepasste Impfstoff werde zusammen mit dem Serum Institute of India entwickelt, das in der Lage sei, in kurzer Zeit größere Mengen herzustellen, sagte Lambe. Sie geht davon aus, dass eine einzelne Impfstoffdosis ausreichen wird, darauf deuten zumindest die Ergebnisse aus Tierversuchen hin. Wie lange der Schutz halte, sei aber noch unklar, genauso wie gut der Schutz vor anderen Vertretern der Filoviren sein wird, zu denen Ebola zählt.„Jeder Ausbruch bringt andere Herausforderungen und Chancen.“Dass bereits zehn Tage nach Bekanntwerden des Ausbruchs an Impfstoffen gearbeitet werde, hob Richard Hatchett während des Pressegesprächs hervor, bei einem Ausbruch im Jahr 2014 habe das noch Monate gedauert. Hatchett ist CEO der Coalition for Epidemic Preparedness Innovations (Cepi), die sich das Ziel gesetzt hat, mit internationaler Hilfe Impfstoffe innerhalb von 100 Tagen nach einem Ausbruch zur Verfügung zu stellen. Man setze dabei aber nicht nur auf den Impfstoff aus Oxford, sondern arbeite mit zahlreichen Partnern zusammen. Jede Impfstoffentwicklung könne auf Probleme stoßen, weshalb man nicht nur „auf ein Pferd“ setze.Hatchett betonte auch, dass jeder Ausbruch einzigartig und die Rahmenbedingungen in diesem Fall besonders schwierig seien. Die Demokratische Republik Kongo ist das zweitgrößte afrikanische Land, das Straßennetz in weiten Teilen sehr schlecht, und außerdem machen in dem betroffenen Gebiet bewaffnete Rebellengruppen die Arbeit der Helfer schwierig und gefährlich. Zudem gibt es viele Binnenflüchtlinge, was das Eindämmen des Erregers zusätzlich erschwert. Hatchett erklärte aber auch, dass die zurückliegenden Ausbrüche in der Region wahrscheinlich noch vielen Helfern in Erinnerung sind. „Sie sind wahrscheinlich noch gut trainiert.“ Das gelte auch für die Behörden, die in Kongo und Uganda über die Tests von Impfstoffen und Medikamenten entscheiden müssen. Sie seien mit vergleichbaren Impf- und Wirkstoffen bereits vertraut, und könnten daher schneller entscheiden. „Jeder Ausbruch bringt andere Herausforderungen und Chancen.“Die Weltgesundheitsorganisation WHO unterstützt aktuell zwei experimentelle Behandlungsmethoden für Menschen, die sich mit dem Bundibugyo-Ebolavirus infiziert haben. Ihr Einsatz müsse aber noch von den Regierungen der Demokratischen Republik Kongo und Ugandas genehmigt werden, sagte Amanda Rojek, außerordentliche Professorin für Gesundheitsnotfälle an der University of Oxford.Bei den Medikamenten handelt es sich um das gegen Covid-19 bereits zugelassen Remdesivir und einen Antikörpercocktail namens MBP134, der aus zwei künstlich hergestellten Antikörpern besteht, die das Ebolavirus erkennen, daran binden und so unschädlich machen. Remdesivir war bereits beim Ebola-Ausbruch 2018 in Kongo getestet worden und zeigte da wie gegen Covid-18 moderate Wirksamkeit. MBP134 kam bereits 2022 bei einem Ebola-Ausbruch in Sudan zum Einsatz, Daten zur Wirksamkeit liegen jedoch nicht vor. Im Tierversuch an Affen funktionierten die Antikörper gegen das Bundibugyo-Virus jedoch gut, erklärte der Virologe Thomas Geisbert von der University of Texas dem Wissenschaftsjournal Nature.Wenn sich einer der Wirkstoffe als sicher und wirksam gegenüber den Bundibugyo-Typ erweise, könne es zum Goldstandard für die Behandlung Erkrankter werden, erklärte Amanda Rojek. Geplant sei auch, Wirkstoff-Kombinationen zu testen. Auf die Frage, wie lange es dauern könnte, bis klar sei, ob die Mittel wirken, erklärte sie: „Je nachdem, wie gut die Medikamente wirken, dauern die Studien länger oder es geht schneller.“ Große Effekte würden den Prozess beschleunigen.Nach Angaben des WHO-Chefs Tedros Adhanom Ghebreyesus werde sich die Lage in den betroffenen Gebieten noch weiter zuspitzen, bevor der Ausbruch unter Kontrolle gebracht werde. „Wir stehen vor einem äußerst ernsten und schwierigen Ausbruch. Aber wir kennen das Virus, wir wissen, wie man es stoppt und wir werden es stoppen.“Man tue alles, um Ausrüstung in die betroffene Region zu bringen und die Eindämmungsmaßnahmen voranzubringen, sagte Tedros am Montag. Dazu gehört etwa, das Vertrauen der Bevölkerung zu gewinnen und Kontaktpersonen von möglicherweise Infizierten zu isolieren. „Doch derzeit ist die Epidemie uns noch einen Schritt voraus.“
Ebola-Ausbruch Kongo und Uganda: Wann gibt es Impfstoffe und Medikamente?
Im Kongo und Uganda breitet sich Ebola rasch aus. Impfstoffe werden in wenigen Monaten getestet, Medikamente wie Remdesivir und Antikörpercocktails erprobt. Herausforderungen sind Infrastruktur und Sicherheit.














