Ein Hinweis, wie ernst die Lage ist, kam am Wochenende vom Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus. Er rief wegen des Ebola-Ausbruchs in der Demokratischen Republik Kongo und Uganda den internationalen Gesundheitsnotstand aus, ohne wie üblich zuerst ein Expertengremium zu konsultieren. Dieses Tempo ist beispiellos und zeigt, dass schnelle Reaktionen gefordert sind.Dabei sind Ebola-Ausbrüche in den beiden Ländern per se nicht überraschend. Kongo macht aktuell die 17. Epidemie mit dem fadenförmigen Virus durch. Uganda hat bereits neun Ebola-Ausbrüche hinter sich. Ungewöhnlich ist dieses Mal vor allem, dass ein seltener Stamm des Ebolavirus grassiert: sein Name Bundibugyo, benannt nach einer Stadt in Uganda. Nach den aktuellsten Zahlen vom Wochenende wurden bislang 246 Verdachtsfälle und 80 Todesfälle in Kongo erfasst. In Uganda wurden zwei Erkrankungen bestätigt. Antworten auf die wichtigsten Fragen zum aktuellen Ausbruch.Was weiß man über den Bundibugyo-Stamm?Man kennt heute sechs Stämme des Ebolavirus; drei davon haben in der Vergangenheit bereits Ausbrüche ausgelöst. Der aktuelle Bundibugyo-Stamm ist der seltenste von ihnen, nur zwei der etwa 28 bisher dokumentierten Ebola-Ausbrüche gingen auf sein Konto. Damals infizierten sich zusammengenommen ungefähr 200 Menschen. Einmal starben 35 Prozent der Infizierten, im anderen Ausbruch 60 Prozent. Das ist etwas weniger als in Ausbrüchen mit anderen Stämmen, deren Sterblichkeit bis etwa 90 Prozent reichen kann, wobei die Zahlen oft nicht sehr zuverlässig sind.Die Symptome in diesen beiden Bundibugyo-Ausbrüchen unterschieden sich kaum von denen anderer Ebola-Epidemien: Fieber, Abgeschlagenheit, Schmerzen und Magen-Darm-Beschwerden und zum Teil Blutungen etwa aus der Nase und dem Verdauungstrakt treten auf. Die Infektionswege scheinen ebenfalls die gewohnten zu sein. Ebola wird über Körperflüssigkeiten weitergegeben. Das passiert am häufigsten innerhalb von Familien, besonders bei der häuslichen Pflege von Erkrankten, oder aber in Gesundheitseinrichtungen. Übertragungen sind zudem durch den Kontakt zu Verstorbenen, etwa während Trauerzeremonien, möglich.Was bedeutet es, dass so ein seltener Stamm beteiligt ist?Gegen die aktuelle Virusvariante sind weder spezifische Medikamente noch Impfstoffe erprobt. Ob die für Ebola zugelassenen Antikörpertherapien auch gegen den aktuellen Stamm helfen, ist ungewiss. Dennoch kann die rechtzeitige Behandlung noch immer lebensrettend sein. „Wir wissen, dass sich die Sterblichkeit durch eine gute supportive Therapie erheblich senken lässt. Dazu gehören zum Beispiel Flüssigkeits- und Elektrolytmanagement, Behandlung von Schock, Blutungen und Organfunktionsstörungen, die Gabe von Sauerstoff sowie die Behandlung von Koinfektionen“, sagte Torsten Feldt, Tropenmediziner am Universitätsklinikum Düsseldorf dem deutschen Science Media Center (SMC).Unklar ist auch, wie effektiv der Impfstoff ist, der üblicherweise zur Eindämmung von Ausbrüchen eingesetzt wird. Vermutlich biete er im aktuellen Ausbruch bestenfalls eine begrenzte Immunität, sagte Vinod Balasubramaniam, Virologe der australischen Monash University am Campus in Malaysia dem australischen SMC. Von einem zuverlässigen Schutz sollte man nicht ausgehen.Zur Verhinderung weiterer Ausbrüche sind daher Maßnahmen am wichtigsten, die die Welt noch aus der Anfangszeit der Corona-Pandemie kennt: rasche Kontaktnachverfolgung, Isolation von Erkrankten und die Quarantäne ihrer Kontaktpersonen. Das ist kein einfaches Unterfangen. Denn zum einen sind die Symptome anfangs unspezifisch und können nicht immer schnell genug erkannt werden. Zum anderen erschweren die spezifischen Bedingungen, insbesondere in Kongo dieses Vorgehen.Wie ist die Lage in den betroffenen Gebieten?Der Ausbruch hat sich bereits über mehrere Provinzen und zwei Länder ausgedehnt. Fälle gibt es auch in größeren Ortschaften, darunter in Kampala, der Hauptstadt Ugandas. Je größer und urbaner ein Ausbruchsgebiet ist, desto komplexer wird die Eindämmung. Die verhältnismäßig weite Ausdehnung des Ausbruchs ist zugleich ein Indiz dafür, dass das Virus bereits eine Weile in der Gegend zirkuliert und es wahrscheinlich mehr Fälle gibt, als bislang erfasst.Hinzu kommt, dass die betroffene Region in Kongo unsicher und teils schwer zugänglich ist. „Teams in der Demokratischen Republik Kongo berichten von erheblichen Herausforderungen in den am stärksten gefährdeten und betroffenen Gebieten, zu denen der Zugang schwierig ist und wo die Laborbestätigung von Fällen nach wie vor nur begrenzt möglich ist“, sagte Trudie Lang, Gesundheitsforscherin der University of Oxford dem britischem SMC. Damit könnten Infektionen über einen gewissen Zeitraum unentdeckt bleiben – und weitere Fälle nach sich ziehen. Ein weiteres Problem sei, dass die Gesundheitsversorgung ohnehin nicht gut und aktuell besonders gefordert ist. Dieselben Teams, die jetzt auf den Ebola-Ausbruch reagieren, müssen bereits einen anhaltenden Mpox-Ausbruch im Gebiet bewältigen. Dies, so Trudie Lang, führe zu zusätzlichen Druck auf die ohnehin bereits überlasteten Labore, Überwachungssysteme und das Gesundheitspersonal.Wie ist die Gefahr für Deutschland und Europa?Eine rasante Ausbreitung des Ebolavirus über den Erdball ist ein sehr unwahrscheinliches Szenario. Der Erreger verbreitet sich durch engeren Körperkontakt. Er wird zudem nach allen bisherigen Erkenntnissen erst weitergegeben, wenn die Infizierten bereits Symptome zeigen, dann sind sie meist in einem Zustand, in dem sie kaum noch über längere Distanzen reisen können.Die europäische Seuchenschutzbehörde ECDC ist daher nicht in großer Sorge über den hiesigen Kontinent. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich Europäer in Kongo anstecken schätzt sie als gering ein. Für sehr niedrig hält sie aktuell die Gefahr, dass sich Bürgerinnen und Bürger in Europa anstecken.Unabhängig von konkreten Geschehnissen in Zentralafrika haben Fachleute allerdings wenig Zweifel daran, dass die Welt schlecht auf eine neue Pandemie vorbereitet ist. Das von WHO und Weltbank eingesetzte Expertennetzwerk, das sogenannte Global Preparedness Monitoring Board befand am Montag in seinem jüngsten Bericht: „Die Gesundheitsnotfälle der vergangenen zehn Jahre – von Ebola bis zu Mpox – zeigen, dass die Welt vor deren Auswirkungen nicht wesentlich sicherer geworden ist: Die wirtschaftlichen und sozialen Kosten steigen, der Zugang zu medizinischen Gegenmaßnahmen verschlechtert sich, die Finanzierung geht zurück, und die Gesellschaften werden ärmer, ungleicher und gespaltener.“
Ebola in Kongo und Uganda: Warum der Ausbruch besonders ist
Der Ebola-Ausbruch mit dem seltenen Bundibugyo-Stamm betrifft Kongo und Uganda. Die Eindämmung ist wegen schwer zugänglicher Gebiete und fehlenden Impfstoffen begrenzt.












