Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat wegen des Ebola-Ausbruchs in der Demokratischen Republik Kongo und in Uganda eine internationale Gesundheitsnotlage ausgerufen. Mit diesem Schritt will die UN-Behörde in Genf unter anderem Nachbarländer in erhöhte Alarmbereitschaft versetzen und die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft mobilisieren. Es handle sich jedoch um keinen Pandemie-Alarm, stellte die WHO klar.Laut Nachrichtenagenturen sind bislang in der Provinz Ituri im Nordosten Kongos acht nachgewiesene und 336 mutmaßliche Fälle der gefährlichen Fieberkrankheit aufgetreten. Zusätzlich sei das Virus bei einem Ituri-Rückkehrer in der mehr als 2500 Kilometer entfernten Hauptstadt Kinshasa nachgewiesen worden. Zwei infizierte Personen seien aus Kongo nach Kampala in Uganda gereist, eine von ihnen sei verstorben. Die WHO berichtete am Samstag von 80 mutmaßlichen Ebola-Todesfällen in Ituri, Agenturen meldeten unter Berufung auf die afrikanische Gesundheitsorganisation Africa CDC insgesamt 88 Ebola-Tote.Die Infektiologin Anne Cori vom Imperial College London sagte dem Science Media Center: „Dies lässt vermuten, dass der Ausbruch wahrscheinlich mehrere Wochen oder sogar Monate lang unentdeckt geblieben ist.“ Das erschwere die wirksame Eindämmung wie beispielsweise durch Kontaktverfolgung.Der ansteigende Trend von Verdachts- und Todesfällen in Ituri weise darauf hin, „dass der Ausbruch möglicherweise viel größer ist als bislang entdeckt und berichtet“, hieß es auch von der WHO. Deshalb bestehe ein beträchtliches Risiko für eine lokale und regionale Ausbreitung des Virus. Besonders gefährdet seien Nachbarländer durch Reisende und Handel über die Grenzen. Die betroffenen kongolesischen Provinzen grenzen neben Uganda auch an den Südsudan und an Ruanda.Zusätzlich habe man es in dem am stärksten betroffenen Gebiet mit einer fragilen Sicherheitslage, einer humanitären Krise und starken Bevölkerungsbewegungen zu tun, teilt die WHO mit. In der Region liegen viele Goldminen, um die es wiederkehrende bewaffnete Konflikte gibt. Weil die Bevölkerung am aktuellen Hotspot sehr mobil sei und die Gesundheitsversorgung über informelle Orte laufe, sei das Risiko für eine Ausbreitung umso höher. Das zeigt die Erfahrung: In der betroffenen Provinz Ituri und im angrenzenden Nord-Kivu gab es 2018/2019 eine große Ebola-Epidemie. Damals gab es aber einen Impfstoff gegen die grassierenden Zaire-Stämme.Ebola ist eine ansteckende und lebensbedrohliche InfektionskrankheitFür die Bundibugyo-Variante des Ebola-Virus, die den aktuellen Ausbruch verursacht, gibt es laut WHO keinen zugelassenen Impfstoff. Deshalb handle es sich um ein „außergewöhnliches Ereignis“. Die Bundibugyo-Variante hat laut einer Meta-Analyse von Ausbrüchen bis 2022 eine Fallsterblichkeit von etwa 30 Prozent. Beim Zaire-Stamm liegt sie bei 66 Prozent.Erst zweimal zuvor hat es laut der afrikanischen Gesundheitsbehörde Africa CDC Ausbrüche der Bundibugyo-Variante gegeben: im Jahr 2007 in Uganda mit 37 Toten sowie 2012 im Kongo mit 29 Todesfällen. „Daher ist die Epidemiologie der Bundibugyo-Variante nicht so gut charakterisiert“, sagt die Infektiologin Cori. Sollten sich die mutmaßlichen Fälle bestätigen, wäre dieser Ausbruch der zweitgrößte, der jemals bei einem Ebola-Stamm außer der Zaire-Variante verzeichnet wurde. „Angesichts der Lage in einem städtischen und gut vernetzten Gebiet und mangels eines Impfstoffs für diesen Stamm wäre dies eine besorgniserregende Nachricht.“Ebola ist eine ansteckende und lebensbedrohliche Infektionskrankheit, die sich mit plötzlichen Symptomen wie Fieber, Erschöpfung, Erbrechen, Durchfall und Blutungen zeigt. Das Virus wird durch Körperkontakt und Kontakt mit Körperflüssigkeiten übertragen, auch indirekt, „etwa über gemeinsam genutzte Oberflächen oder Bettwäsche“, sagt Cori. Das Virus wird nicht über die Luft übertragen. „Die Behandlungsmöglichkeiten sind begrenzt.“ Die beiden zugelassenen monoklonalen Antikörper-Therapien gegen Ebola sind spezifisch für die Zaire-Variante und wirken nicht bei anderen Stämmen des Virus.WHO-Generaldirektor Tedros Ghebreyesus werde so bald wie möglich ein Notfallkomitee tagen lassen, das über Empfehlungen für betroffene Staaten berät, teilte die Weltgesundheitsorganisation mit. Vorläufig rät sie etwa, die nationalen Katastrophen-Abläufe in Gang zu setzen. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen bereitet einen Großeinsatz vor. „Die Zahl der Fälle und Todesfälle, die wir in so kurzer Zeit beobachten, ist äußerst besorgniserregend“, sagte die Leiterin des Nothilfeprogramms von Ärzte ohne Grenzen, Trish Newport.Es handelt sich um den insgesamt 17. Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo seit 1976. Ebola-Ausbrüche beginnen mit einer Übertragung von Tieren, meist Flughunden, auf Menschen. In den Jahren 2014 und 2015 waren bei einem Ausbruch der Zaire-Variante in Westafrika mehr als 11 000 Menschen gestorben. In der Demokratischen Republik Kongo starben beim letzten Ebola-Ausbruch in der südwestlichen Provinz Kasaï 45 Menschen zwischen September und Dezember 2025.