Könnte es sein, dass wir uns mit diesem schönen schweizerdeutschen Wort Zwangsstörungen schönreden? Die Zugabe von Manfred Papst.24.05.2026, 05.30 Uhr2 LeseminutenDie Wörter «Mode» und «Model» haben die gleiche Wurzel. Tatsächlich haben beide mit Form zu tun. Model bei der Hannibal Laguna Fashion Show in Madrid im März 2026.Eduardo Parra / ImagoDie Moden kommen und gehen. Nicht aber die Mödeli. Sie sind das Beständigste am Menschen überhaupt – und eines jener schönen schweizerdeutschen Wörter, für die es im Hochdeutschen kein exaktes Äquivalent gibt. Es bezeichnet eine Eigenheit, eine Sonderbarkeit. Mehr als eine wertfrei gesehene Gewohnheit, weniger als eine richtig schlimme Unart. Etwas, das man mit Nachsicht, ja sogar mit einer gewissen Zärtlichkeit betrachtet. Eine Macke, eine Marotte. «Är het so sini Mödeli, aber är isch en grundliebe Siech.»Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Übrigens bringe ich das Wort nicht mit dem saisonalen Auf und Ab der Moden in Verbindung. Ich sehe es eher als helvetische Variante des lateinischen «modus», der stabilen Art und Weise. Nachgeprüft habe ich das selbstverständlich nicht. Das von mir hochgeschätzte «Idiotikon» führt das «Mödeli» nicht als eigenen Begriff, sondern nur als Diminutiv – einerseits von «Model», also Form, Muster, andererseits tatsächlich von «Mode».Das Wort «Model» (mit geschlossenem o, von Kendall Jenner ist hier nicht die Rede) weckt heimatliche Gefühle: «Es Mödeli Anke!» Auch in der Handarbeit kommt es vor. Wie gern würde ich länger bei «Idiotikon»-Einträgen wie dem folgenden verweilen: «Beim Stricken unterscheidet man Chrebs-, Müggli-, Bachent-, Bändeli-, Pfaue-, Freischütz-, Weste-Mödeli als sog. Typenmuster, beim Häkeln ein Rose-Mödeli u. a., vgl. lismen.»«Das sind nume so Mödeli», sagen wir leicht abschätzig, ohne wirklich beunruhigt zu sein.«Sie sind wie us eim Model use», sagen wir, wenn uns die Ähnlichkeit von Eltern und Kindern auffällt. Auch schön! Doch das bringt mich abermals nicht weiter bzw. nur weiter weg von dem, was mich gerade umtreibt. Ich hadere nämlich damit, dass das «Idiotikon» «Mödeli» zumindest auch als Diminutiv von «Mode» betrachtet. Widerwillig muss ich zugeben, dass es damit wahrscheinlich sogar recht hat.«Das sind nume so Mödeli», sagen wir leicht abschätzig, ohne wirklich beunruhigt zu sein. Diese Mödeli gehen vorbei. Das tun die, von denen ich eingangs gesprochen habe, aber gerade nicht. Sie gehören zum Menschen wie seine Art zu gehen, zu lachen, die Nase zu rümpfen.Ich habe mir schon überlegt, ob wir als Weltmeister im Vergemütlichen nicht «Mödeli» sagen, wo andere schon von Zwangshandlungen sprechen. Ich gebe Ihnen ein Beispiel. Bei mir daheim stapeln sich überall Bücher, CD, DVD. Ein heilloses Durcheinander? Nein! Denn die Türme stehen exakt im rechten Winkel zu ihrer jeweiligen Umgebung. Nichts liegt krumm und schief herum. Das würde ich nicht dulden. Selbst wenn ich irgendwo auf Besuch bin, muss ich an mich halten, damit ich die Dinge, die sich da kreuz und quer herumlümmeln, nicht geraderücke. Ist das jetzt schon eine Zwangsstörung, oder lassen Sie das noch als Mödeli durchgehen?Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»Passend zum Artikel
«Das sind nume so Mödeli», sagen wir leicht abschätzig, ohne wirklich beunruhigt zu sein
Mödeli: Dieses schweizerdeutsche Wort ist unübersetzbar und hat viel mit Mode zu tun.







