Hype um die «Royal Pop»-Uhren von Swatch und Audemars Piguet: Mit Wiederverkäufen hoffen viele auf schnell verdientes GeldNach der Lancierung der neuen Modelle spekulieren Käufer darauf, diese zu deutlich höheren Preisen zu verkaufen. Uhren eignen sich indessen auch als Geldanlage – allerdings nicht alle. Wie man die richtigen auswählt.20.05.2026, 05.30 Uhr5 LeseminutenJunge Kundinnen und Kunden stehen am Samstag Schlange vor einem Swatch-Geschäft in Genf, um die «Royal Pop»-Modelle zu ergattern.Salvatore Di Nolfi / KeystoneIm Geschäft des Uhrenherstellers Swatch an der Zürcher Bahnhofstrasse ist es am frühen Dienstagnachmittag voll. In einem Schaufenster ist der Satz mit den acht Modellen der am Samstag von Swatch und Audemars Piguet lancierten «Royal Pop»-Taschenuhren zu sehen. Auch davor drängen sich die Leute, zwei Frauen machen ein Selfie.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.«Welche würden Sie nehmen?», fragt einer der zwei Jugendlichen, die die Modelle schon seit einigen Minuten betrachten, und verweist auf die unterschiedlichen Farben der Uhren. 350 Franken kosten die Zeitmesser pro Stück in dem Laden, seit dem Wochenende werden die Modelle auf Ebay oder Chrono24 aber für viel höhere Preise angeboten. Auf den Onlineplattformen fanden sich am Dienstag «Royal Pop»-Uhren zum Sofortkauf mit Preisen von 800 bis zu mehr als 2000 Franken.Welche Preise tatsächlich bezahlt werden, ist eine andere Frage. In jedem Fall winkt aber die Hoffnung auf schnell verdientes Geld. Planen die beiden Jugendlichen, «Royal Pop»-Uhren zu erwerben und dann weiterzuverkaufen? Ja, er wolle das versuchen, sagt einer der beiden.Doch so einfach ist es nicht – denn dummerweise gibt es in dem Laden keine der neuen Zeitmesser zu kaufen. Am Dienstagmorgen habe man einige Exemplare erhalten, sagt eine Verkäuferin. Diese seien aber schnell weg gewesen: «Viel mehr Kunden als Uhren», sagt sie. Wann der Shop nun weitere Modelle bekomme, wisse sie nicht.In Städten wie Mailand oder Birmingham kam es zu Rangeleien mit Sicherheitspersonal und Polizei.ReutersSwatch und Audemars Piguet halten das Angebot knapp. Am Samstag führte der Verkaufsstart der Uhren laut einem Bericht der Nachrichtenagentur AFP in rund 20 von weltweit 220 Verkaufsstellen zu Problemen aufgrund sehr langer Warteschlangen. In Frankreich, Italien, Grossbritannien, Thailand und den USA ist es laut Beobachtern zu Tumulten, Polizeieinsätzen oder vorübergehenden Ladenschliessungen gekommen.Neue Käuferschichten«Swatch macht das sehr geschickt», sagt Wulf Schuetz, Gründer des Unternehmens Rare and Fine Vintage Watches in Zürich. Schon bei der Lancierung der Uhr «Moonswatch» im Jahr 2022 sei es Swatch gelungen, eine Art Hype-Phase zu erzeugen. Nun scheine dies wieder zu gelingen.Für Swatch sei dies eine hervorragende Strategie, bei Audemars Piguet sei er sich hingegen weniger sicher, sagt der Uhrenexperte. Schliesslich handle es sich hierbei um eine Premium-Luxusuhrenmarke, die sich nun für die breite Masse öffne. «Dies ist ein schmaler Grat», sagt Schuetz. Die «Royal Pop» könne ein Pendant zu den Taschen-Accessoires von Hermès werden. Wenn die Uhren allerdings in zu grossen Stückzahlen im Markt seien und irgendwann zu vergleichsweise geringen Preisen verkauft würden, könne dies schädlich für Audemars Piguet sein.Laut Tom Beitschall, verantwortlich für das europäische Geschäft bei der Uhrenplattform Chrono24, konzentrieren sich «Hype-Momente» bei Uhren auf Marken mit hoher kultureller Strahlkraft und gleichzeitig knappem Angebot. Im Bereich limitierter Kollaborationen sei Swatch der prägende Akteur: zuerst mit Omega und der «Moonswatch», jetzt mit Audemars Piguet und der «Royal Pop».Eine eigene Dynamik habe Rolex als grösster Akteur im Sekundärmarkt: Modelländerungen oder Einstellungen einzelner Modellreferenzen – wie kürzlich bei der GMT-Master II «Pepsi» – führten regelmässig zu unmittelbaren Preisbewegungen, weil der Markt auf jede Veränderung bei Rolex sehr sensibel reagiere.Bei den übrigen klassischen Sammlermarken seien keine kurzfristigen Hypes zu beobachten, sondern eher ein langfristiger Nachfrageüberhang, sagt Beitschall. Als Beispiel nennt er die Marke Patek Philippe.Auf Onlineplattformen ist derweil seit Samstag eine sehr hohe Aktivität rund um die «Royal Pop» zu beobachten. Dies dürfte nicht zuletzt an den vielen Wiederverkäufern liegen, die nun versuchen, mit ergatterten Exemplaren einen Gewinn zu erzielen. Der weitaus grösste Teil der Transaktionen auf Chrono24 sei von solchen Hype-Momenten aber unberührt, sagt Beitschall. «Die meisten Sammler kaufen Uhren, weil sie sie tragen wollen.»Massive Folgen der DigitalisierungSchuetz glaubt indessen, dass auch die Uhrenhersteller letztlich von den grösseren Aktivitäten am Wiederverkaufsmarkt profitieren. «Dieser Hype um die Uhren im Sekundärmarkt beflügelt letztlich auch wieder den Primärmarkt», sagt er. Hier spiele die Digitalisierung eine sehr wichtige Rolle, denn sie habe den Markt viel transparenter gemacht. Auf Onlineplattformen lassen sich die Preise von Uhren vergleichen. «Zudem kann man weltweit kaufen und verkaufen», sagt Schuetz.Mit der Digitalisierung hat auch das Phänomen der «Flipper» an Bedeutung gewonnen. Dabei handelt es sich um Akteure am Markt, die ständig Uhren kaufen und verkaufen. Sie versuchten primär, möglichst hohe Gewinne zu erzielen, sagt Schuetz. Er vergleicht sie mit Daytradern an der Börse.Ausgewählte Uhren eignen sich als langfristige GeldanlageAngesichts der Geldschwemme der Notenbanken, der schwierigen geopolitischen Zeiten und der steigenden Inflationsraten haben Uhren auch als Sachwerte an Bedeutung gewonnen. Ein Vorteil von Uhren sei, dass man hier sehr wertvolle Gegenstände einfach befördern könne, indem man sie am Handgelenk trage, sagt Schuetz.Allerdings werfen sie keine laufenden Erträge ab, wie es etwa Aktien mit Dividenden oder Anleihen mit Zinsen tun. «Uhren sind nicht im klassischen Sinn reguliert, und sie unterliegen Geschmacks- und Modezyklen», sagt Beitschall.Die Experten nennen einige Kriterien für die Auswahl von Uhrenmodellen für die Geldanlage.Stabile Nachfrage, Qualität und hohe Liquidität: Schuetz empfiehlt Anlegern, darauf zu achten, dass die Marken der Uhren stabil nachgefragt sind und dass man die Modelle im Zweifelsfall schnell verkaufen kann. Gerade von den Herstellern Rolex, Patek Philippe oder Audemars Piguet gebe es Modelle, bei denen dies jederzeit problemlos möglich sei. Besonders zu empfehlen seien bei diesen Marken die Sportmodelle aus Edelstahl, diese seien auch besonders liquide.«Eine Rolex ‹Submariner›, eine Patek Philippe ‹Nautilus› oder eine Audemars Piguet ‹Royal Oak› haben einen weltweit anerkannten Marktpreis, der sich tagesaktuell ablesen lässt», sagt Beitschall. Bei seltenen Vintage-Stücken, unabhängigen Manufakturen oder hochkomplexen Komplikationen werde der Markt dünner – hier könne es länger dauern, einen passenden Käufer zu finden.Auf Zustand und Dokumentation achten: Wichtig sei es, die Uhr in einem sehr guten Zustand zu halten, sagt Schuetz. Zeigen sich Spuren der Abnutzung oder sind Originalteile ersetzt worden, sinkt logischerweise auch der Wert der Uhr.«Tragen und Werterhalt schliessen sich nicht aus», sagt Beitschall. Allerdings hätten Zustand und Vollständigkeit einen sehr direkten Einfluss auf den Wiederverkaufswert. Eine ungetragene Uhr im Full Set – also Originalverpackung, Papiere und Garantiekarte – erziele am Sekundärmarkt typischerweise einen Aufschlag gegenüber einer getragenen Uhr ohne Box und Papiere. Wer eine Uhr aktiv trägt, sollte sie regelmässig revidieren lassen und die Servicehistorie dokumentieren.Sich für die Uhr begeistern: Auch wenn man eine Uhr als Geldanlage sehe, sei es wichtig, sich für das Modell zu begeistern, sagt Schuetz. Das habe einen entscheidenden Vorteil. Auch wenn der Wert der Uhr sinke, habe man immer noch ein Objekt am Handgelenk, das einem gefalle.Passend zum Artikel