PfadnavigationHomeIconWatchesFeinmechanikAP und Swatch – eine Kooperation, die niemand kommen sahStand: 13.05.2026Lesedauer: 4 MinutenErinnert stark an Audemars Piguets „Royal Oak“, ist aber viel günstiger und als Taschenuhr verwendbar: Die „Royal Pop“ entstand in Zusammenarbeit mit Swatch Quelle: AUDEMARS PIGUET X SWATCHAudemars Piguet zählt zu den größten Namen in der Feinuhrmacherei. Swatch belebt die Industrie seit Jahrzehnten mit günstigen Quarzuhren. Nun stellen die beiden Unternehmen eine gemeinsame Kollektion vor. Welches Kalkül steckt dahinter?Der beste Weg, sich vor Kritik zu schützen, ist, sie zu fordern. Im Gegensatz zu manch anderem CEO hat Audemars Piguets Chefin Ilaria Resta dieses Prinzip verinnerlicht: „Wenn es keine Kritik gibt, haben wir nicht genug gepusht“, sagte sie über die Kooperation ihres Unternehmens mit Swatch. Deswegen hier zunächst, was für den Schritt spricht, zwei völlig unterschiedliche Welten der Uhrmacherei zu vereinigen. Der wichtigste Faktor ist sicher das Überraschungsmoment – niemand sah das Projekt kommen, und wer es vorausgesagt hätte, wäre nicht ernst genommen worden: Die Keramikuhr „Royal Pop“ zitiert das Design der 1972 vorgestellten „Royal Oak“ und damit die Formgebung von Audemars Piguets absolutem Verkaufsschlager. In ihr arbeitet das mechanische Werk System51, ein Kaliber, das Swatch vollautomatisch fertigt. Das Modell ist auch als Taschenuhr oder um den Hals tragbar – eine Hommage an die Zeit, in der Audemars Piguet gegründet wurde; im Jahr 1875 waren Armbanduhren noch kaum erforscht.Besonders attraktiv ist der Preis. Bei der originalen „Royal Oak“ werden um 30.000 Euro für die Einstiegsmodelle in Stahl fällig, 385 Euro kosten die Uhren, die aus der Kooperation hervorgegangen sind. Wer sie sich mit zusätzlicher kleiner Sekunde zulegen möchte, zahlt 400 Euro. Die Gangreserve der Handaufzugswerke liegt bei 90 Stunden.Swatch hatte mit einer ähnlichen Aktion schon einmal für Aufsehen gesorgt: Bei einer Swatch-Version der „Speedmaster“ von Omega, die Nasa-Astronauten auf ihren Mondmissionen begleiteten, bildeten sich Schlangen von Kunden von mehreren hundert Metern, auf dem Zweitmarkt explodierten die Preise. Deshalb findet sich auf der Swatch-Homepage der in Klammern gesetzte Hinweis, nur eine Uhr pro Store pro Kunde pro Tag vergeben zu können. Ob das den Verkäufern Diskussionen mit den Kunden erspart, die es in eine der ausgewählten Boutiquen geschafft haben, darf bezweifelt werden.Unzweifelhaft ist dagegen, dass die Kooperation zu einem Teil der Strategie passt, die Ilaria Resta für ihre Manufaktur ausgegeben hat: Seit sie 2024 an die Spitze kam, hat sie immer wieder darüber gesprochen, die Uhrmacherei ihres im Vallée de Joux beheimateten Unternehmens einem breiteren Publikum näherzubringen. Wie ernst es ihr damit war, belegt unter anderem, dass es in den firmeneigenen Boutiquen nie ausschließlich um die eigenen Uhren geht, sondern dass man sich auch generell über die Geschichte der Zeitmessung austauschen kann.Lesen Sie auchTrotzdem verhinderte bisher die Höhe des Investments für eine Uhr von Audemars Piguet, dass die Schweizer in der Breite wirksam werden konnten. Obwohl es sich um eine One-off-Aktion handelt, wird sich das nun ändern. Swatch ist der optimale Partner, weil dieses Unternehmen über große Expertise verfügt, höchst robuste Werke in großem Stil herzustellen. Doch auch Swatch dürfte von der Partnerschaft profitieren: Die „Royal Oak“ gehört mit ihrer achteckigen Lünette zu den wenigen mechanischen Uhren, die tatsächlich die Bezeichnung „Ikone“ verdient haben – ein Begriff, mit dem die Schweizer Industrie nicht eben sparsam umgeht.Kommerziell dürfte die Kollektion deshalb ein großer Erfolg werden. Doch könnte der Coup vor allem für Audemars Piguet Folgekosten haben: Maßgeblich für die Strategie, die Ilaria Resta ausgegeben hat, ist nämlich auch, dass die Manufaktur wieder mehr in den Mittelpunkt rückt, welch außergewöhnliche Leistungen sie im Bereich komplexer Feinuhrmacherei zu vollbringen in der Lage ist. Dieser Aspekt ist schon deshalb erforderlich, weil das Unternehmen wirtschaftlich stark vom Erfolg der „Royal Oak“-Linie abhängt.Restas Vorgänger François-Henry Bennahmias hatte den Sportklassiker bereits popkulturell stark aufgeladen – unter anderem durch eine Kooperation mit Marvel und Rappern oder Basketballstars. Das hatte für einen gigantischen Hype gesorgt, der aber in den vergangenen Jahren eher abzuflauen als zuzunehmen scheint. Ebenfalls auf Bennahmias geht die „Code 11.59“-Kollektion zurück, die 2019 auf den Markt kam. Ihre Fortentwicklung ist beachtlich, aber die Dominanz der „Royal Oak“-Familie hat sie noch nicht durchbrochen.Nun das etablierte Erfolgsmodell mit weiteren Anleihen aus der Popkultur auszustatten und für eine Kooperation zu nutzen, die sich an ein breiteres Publikum richtet, wird zumindest nicht dafür sorgen, dass die „Royal Oak“ aus dem Fokus verschwindet. Als Familienunternehmen mit einer Marke zusammenzuarbeiten, die zu einem großen Konzern gehört, ist ebenfalls nicht ohne Risiko – zumal mit Olivier Audemars einer der Firmeninhaber in einem Interview das Geschäftsgebaren großer Gruppen noch kritisiert hatte (Swatch nahm er teilweise aus).Ab 16. Mai ist die Kooperation in ausgewählten Swatch-Boutiquen erhältlich. Und die Welt der Uhrmacherei wird um ein gewagtes Experiment reicher sein. Den beiden Partnern gebührt Dank, die damit verbundenen Risiken in Kauf zu nehmen.
Audemars Piguet und Swatch – eine Kooperation, die niemand kommen sah - WELT
Audemars Piguet zählt zu den größten Namen in der Feinuhrmacherei. Swatch belebt die Industrie seit Jahrzehnten mit günstigen Quarzuhren. Nun stellen die beiden Unternehmen eine gemeinsame Kollektion vor. Welches Kalkül steckt dahinter?










