Eine Plastikuhr für 400 Euro kostet im Internet plötzlich 5000 Euro. In Paris setzt die Polizei Berichten zufolge Tränengas ein. In Mailand prügeln sich die Kunden, und in Dubai wird der Verkaufsstart aus Sicherheitsgründen abgeblasen. Der uhrenlose Beobachter fragt sich unweigerlich, welcher Wahnsinn die Menschen ergriffen haben möge.Die Antwort ist simpel: Der Jagdinstinkt ist schuld. Was 2024 die Dubai-Schokolade war, 2025 die Labubus, ist 2026 wohl die Royal Pop. Die Rezepte ähneln sich. Zutat eins: Das Produkt passt zum Zeitgeist. Die Royal Pop, das Resultat einer Zusammenarbeit zwischen Audemars Piguet und Swatch, knallt. Nicht nur farblich, sondern auch konzeptuell. Eine Taschenuhr suggeriert Individualität. Bunte Farben treffen verspielte Achtzigernostalgie.Die Jagd wird zum eigentlichen EventFeinste Instagram-Ästhetik, die das Marketing erfolgreich auf allen Kanälen verbreitet. Zutat Nummer zwei kommt ins Spiel: die sozialen Medien. Influencer befeuern den Hype, Videos von Warteschlangen die Angst, etwas zu verpassen. Verpassen viele Nutzer einem Post den „Daumen hoch“, verbreitet sich der Name Royal Pop weiter. Er macht neugierig, die Angst, etwas zu verpassen, macht die Runde.Schwarzmarktverkäufer riechen ein Geschäft. Ihnen spielt Zutat Nummer drei in die Hände: künstliche oder echte Knappheit. Nur in ausgewählten Läden sind die Uhren erhältlich, pro Person darf nur ein Exemplar pro Tag gekauft werden. Wer bereits Interesse an Uhren hat sowie unterbewusst durch Werbung und soziale Medien bearbeitet wurde, horcht auf. Der Jagdinstinkt ergreift endgültig von ihm Besitz. Aber auch der Wunsch, dazuzugehören.Denn die Zutat Nummer vier ist das soziale Wesen des Kunden. Er will Teil der Gruppe sein, in der die Jagd zum eigentlichen Event wird. Womit wir den Kern der Sache erreicht hätten: Der künstlich kreierte und angefeuerte Hype wird zum Ereignis. Der Kunde gibt sich ihm bereitwillig hin.