Prügeleien und Tränengas beim Verkaufsstart der Royal PopDer Verkaufsstart einer neuen Sonderkollektion von Swatch in Zusammenarbeit mit Audemars Piguet hat weltweit für chaotische Szenen gesorgt. Besonders in Frankreich eskalierte die Lage. Mehrere Filialen wurden vorsorglich geschlossen.17.05.2026, 17.29 Uhr3 LeseminutenPolizisten sichern am Sonntag in Genf die Warteschlange vor einem Swatch-Store.Salvatore di Nolfi / KeystoneDer Verkaufsstart der neuen «Royal Pop»-Kollektion des Schweizer Uhrenherstellers Swatch in Zusammenarbeit mit der Luxusmarke Audemars Piguet hat am Wochenende in Frankreich und anderen Ländern chaotische Szenen ausgelöst.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die Sonderedition, die stilistisch sowohl an die frühere Pop Swatch als auch an die legendäre Royal Oak von Audemars Piguet angelehnt ist, wurde in Frankreich nur in achtzehn ausgewählten Geschäften angeboten. Die Modelle kosten rund 400 Euro – einen Bruchteil im Vergleich zu den Originalmodellen von Audemars Piguet, die mehrere 10 000 Euro kosten.Hype kippt ins ChaosDer enorme Hype um die Kollektion führte bereits Tage vor dem offiziellen Verkaufsstart zu langen Warteschlangen vor den Filialen. Viele Interessenten campierten Tage vorher vor den Geschäften, um sich eines der Modelle zu sichern.Besonders gross war der Andrang offenbar auch deshalb, weil viele Käufer auf einen lukrativen Weiterverkauf spekulierten. Auf der Online-Plattform Vinted wurden bereits wenige Stunden nach Verkaufsbeginn zahlreiche «Royal Pop»-Modelle für das Zwei- bis Dreifache des ursprünglichen Preises angeboten.Vor allem in Frankreich geriet die Situation ausser Kontrolle. In einem Pariser Einkaufszentrum versammelten sich nach Angaben der Polizei am Samstagmorgen rund 300 Menschen vor dem Swatch-Store, noch bevor die Öffnung begann. Als der Verkaufsstart näher rückte, drängten die Käufer nach vorn. Einsatzkräfte setzten Tränengas ein, um die Menge zurückzudrängen. «Die Leute konnten sich nicht mehr zurückhalten. Sie haben angefangen zu schreien, weil niemand seinen Platz in der Schlange verlieren wollte», berichtete ein Wartender dem Fernsehsender RTL. Der Verkauf wurde schliesslich gestoppt.Warteschlange vor dem Swatch-Store in Tokio am Sonntag.Franck Robichon / EPAPräsentation der «Royal Pop»-Uhr von Swatch und Audemars Piguet in einer Swatch-Filiale in Hongkong.Kobe Li / ImagoAuch in anderen französischen Städten kam es zu Tumulten. In Lille berichteten mehrere Käufer, sie seien in der Warteschlange geschlagen worden. Die Stadt kündigte an, rechtliche Schritte gegen Swatch wegen Behinderung des öffentlichen Verkehrs einzuleiten. Nach Angaben eines stellvertretenden Bürgermeisters waren die eigenen Sicherheitskräfte des Unternehmens mit dem Menschenandrang völlig überfordert. Insgesamt hatten sich dort mehr als 400 Käufer vor dem Geschäft versammelt.In Lyon löste die Polizei eine Menschenmenge von etwa 250 Personen wegen übermässigen Andrangs auf. Auch in Marseille musste die Polizei eingreifen und wartende Kunden auffordern, den Bereich vor dem Geschäft zu verlassen. Ähnliche Szenen spielten sich in Bordeaux ab, als die «Royal Pop»-Modelle dort ausverkauft waren und sich weiterhin grosse Gruppen vor der Swatch-Filiale aufhielten.Aus Sicherheitsgründen blieben zahlreiche Filialen des Uhrenherstellers in Frankreich den gesamten Tag geschlossen. Auf Instagram erklärte Swatch Frankreich, die Schliessungen erfolgten aus «Gründen der öffentlichen Sicherheit». Angaben zu den verfügbaren Stückzahlen oder zur Dauer der Verkaufsaktion machte das Unternehmen nicht. Bekannt wurde lediglich, dass pro Person, pro Tag und pro Geschäft jeweils nur eine Uhr verkauft werden sollte.Polizisten räumen am Sonntag die Menge vor einer Swatch-Filiale im 6. Pariser Arrondissement.Jeremy Melloul / ImagoSchlägerei in MailandDoch nicht nur in Frankreich kam es zu Tumulten. In New York berichteten Besucher des Swatch-Stores am Times Square von chaotischem Gedränge. Ein Wartender, der bereits seit Mittwoch in der Schlange stand, verglich die Situation mit einem «Moshpit», einem Begriff aus der Metal- und Punk-Szene für wildes Getümmel vor der Bühne. Viele Käufer hatten sich dort über Tage hinweg angestellt, teilweise sogar mehrere Tage vor der offiziellen Öffnung campiert.In Deutschland musste die Polizei in Düsseldorf und Köln zeitweise eingreifen, bevor die Geschäfte geschlossen wurden. In Mailand kam es laut Medienberichten bei Ladenöffnung sogar zu einer Schlägerei, während Swatch in Grossbritannien vorsorglich mehrere Filialen geschlossen hielt. Swatch betonte am Sonntag nochmals, die Royal-Pop-Kollektion sei nicht limitiert und werde noch mehrere Monate erhältlich sein. Für Wiederverkäufer zählt dennoch vor allem der erste Verkaufstag: Dann zahlen manche Käufer hohe Aufpreise, nur um die Uhr sofort zu haben.Passend zum Artikel