PfadnavigationHomeICONISTTrendsSwatch und Audemars PiguetLuxus für 400 Euro – und der Hype eskaliertStand: 14:18 UhrLesedauer: 4 MinutenDer Verkaufsstart der neuen Swatch-Sonderkollektion mit Audemars Piguet löste in mehreren Städten Chaos aus. In Mailand kam es zu Handgreiflichkeiten.Bis zu 49 Stunden standen Menschen für die neue „Royal Pop“ an – es wurde gecampt, geprügelt, teilweise kam Tränengas zum Einsatz. Die Swatch-Kooperation mit Audemars Piguet ist ein Verkaufserfolg – der Hype birgt für die Schweizer Luxusmanufaktur aber auch ein Risiko.Swatch hat es also wieder getan: Nach der Moonwatch von Omega und den „Fifty Fathoms“ von Blancpain hat das Unternehmen mit der „Royal Oak“ von Audemars Piguet den nächsten ganz großen Namen aus der klassischen Uhrmacherei für ein breites Publikum zugänglich gemacht. Und wie schon bei der „Moonwatch“ gab es vor den Boutiquen Volksaufläufe – die Schlangen von Kunden erreichten eine Länge von mehreren Hundert Metern. Das Personal in den Geschäften konnte einem leidtun, diesen Andrang managen und dabei freundlich bleiben zu müssen.Den Hype förderte nicht zuletzt die Tatsache, dass es sich bei Audemars Piguet nicht um eine Marke aus der Swatch Group handelt, zu der neben Blancpain unter anderem Omega, Longines und Breguet gehören. Die Manufaktur aus Le Brassus befindet sich in der Hand der Nachfahren der beiden Männer, die die Firma einst gründeten. Jüngst hatte Olivier Audemars als einer der Eigentümer noch einmal in einem Interview mit WELT das Gebaren einer Gruppe wie Richemont scharf kritisiert. Swatch gegenüber blieb er eher milde – aber er ließ keinen Zweifel daran, dass die Familien das Unternehmen auf jeden Fall weiterführen werden.Lesen Sie auchSo war die Überraschung groß, als die Partner die Kooperation verkündeten; dass diese kommerziell äußerst erfolgreich sein würde, stand von Beginn an fest. Die „Royal Oak“, 1972 vorgestellt, gehört zu den berühmtesten Modellen der ganzen Branche, aber der Preis ab circa 30.000 Euro ist so hoch, dass die Uhr für die allermeisten Uhrenfans außerhalb der finanziellen Möglichkeiten liegt. Musiker, Künstler und Sportler aus so gut wie jeder Sparte zeigen sich gern mit dem Teil, entsprechend hoch ist die kulturelle Strahlkraft.Mit der „Royal Pop“ für 400 Euro Teil der Geschichte des Originals zu werden, ist für Uhrenfans sogar noch attraktiver, als es das bei der Moonwatch und der „Fifty Fathoms“ war. Zumal man für das Geld erstaunlich viel Uhr geboten bekommt: Das Keramikgehäuse ist bei diesem Preis keine Selbstverständlichkeit, das Werk Sistem51 ist ein komplett neues Kaliber mit Handaufzug und 90 Stunden Gangreserve. Obwohl es ohne menschliche Hand hergestellt wird, ist das ein guter Deal. Die Arbeit, die dem Zifferblatt Tiefe verleiht, und der Schliff auf der Lünette sind gelungen.Diesen Aufwand betrieben zu haben, ehrt die Partner – denn geschäftlich aufgegangen wäre das Projekt auch mit wesentlich weniger inhaltlicher Tiefe. Bei einer Uhr zu diesem Preis, die in irgendeiner Verbindung mit der „Royal Oak“ steht, hätten es ein Quarzwerk und ein Plastikgehäuse getan. Wobei das nicht im Sinne von Audemars Piguet hätte sein können – nichts, hinter dem dieser Name steht, darf auch nur entfernt billig wirken.Die Hysterie um das Modell ließ sich damit prognostizieren – ob sie gerechtfertigt ist, müssen Fans mechanischer Uhren für sich selbst entscheiden. Swatch hat einen Hit gelandet, auf ihre Partner kommen nun Fragen zu: Die Manufaktur folgt dem Motto ihrer CEO Ilaria Resta, die schon länger davon spricht, mit der Marke ein breiteres Publikum ansprechen zu wollen. Allerdings dominiert die „Royal Oak“ das Unternehmen ohnehin wirtschaftlich, diese Abhängigkeit kann die Aktion nicht durchbrechen. Hinzu kommen die Preise auf dem Zweitmarkt, die die „Royal Pop“ erzielen wird. Einige von denen, die eines der Modelle ergattern konnten, wollen es nicht behalten, sondern versuchen, es im Netz weiterzuverkaufen. Auf dem Portal Chrono24 werden bis zu 2500 Euro verlangt – und auch bezahlt.In Zeiten, in denen sich die Hersteller gern über den Graumarkt beschweren, ist das nicht ohne Ironie. Und noch ein Effekt kommt auf Le Brassus zu: Die Manufaktur will derzeit die Exzellenz ihrer Uhrmacherei wieder mehr in den Mittelpunkt rücken. Dafür ist diese Kooperation keine Hilfe. Audemars Piguets schärfster Konkurrent Patek Philippe jedenfalls fährt die gegenteilige Politik: Bis auf ganz wenige Ausnahmen, wie eine „Nautilus“, für die man mit den Juwelieren von Tiffany zusammenarbeitete, gibt es keine Kooperation mit anderen Unternehmen. Mit Erfolg: Dem Vernehmen nach werden Jahr für Jahr die 70.000 Uhren verkauft, die die Genfer herstellen.