Batard-Montrachet, Grand Cru. Zur Einordnung der Flughöhe. Es trifft sich inhaltlich und geschmacklich gut, dass die Familie derer zu Bovensiepen aus Buchloe einen Weinhandel der exquisiteren Sorte betreibt. Ob sie Batard-Montrachet führen, wissen wir gar nicht. Aber dass sie Ausnahmekönner in der Veredlung schon nicht so übler BMW sind, das wissen wir. Besser gesagt: waren. Ihre Marke Alpina, welche manch Unbedarfte gern mit Alpine von Renault verwechseln oder mit einer Skibrille, haben sie verkauft. Der zentrale Satz in der Begründung: „Durch die politisch verordnete Transformation Richtung Elektromobilität und die steigende Regulatorik insbesondere in Abgasgesetzgebung, Softwareabsicherung und die Vorgaben zu Fahrerassistenz- und Überwachungssystemen nehmen die Anforderungen und Risiken deutlich zu.“Anfangen, wo BMW aufhört.HerstellerEnde 2025 war das, und ob der in höheren Sphären mit seinem Elan-Emblem M schon gut aufgestellte bayerische Konzern Alpina wirklich noch zusätzlich brauchte oder braucht, ist so eindeutig nicht. Eindeutig aber durfte die Marke nicht in die Hände der Konkurrenz fallen, schon gar nicht in chinesische. 57 gemeinsame Jahre sind nicht nichts. Also übernahm BMW Alpina. Und nun wird es ernst, die Perle kann nicht ewig im Keller des Vierzylinders schlummern. Zum Herbst 2027 hin soll das erste Fahrzeug in Kundenhand gelangen. Wie es ausschauen könnte, dazu gibt es jetzt einen ersten Ausblick. Und einen ersten Einblick, wir waren hinter den Kulissen und räumen die Erkenntnisse gern vor dieselben.Damit ein jeder weiß, um was es hier geht, bemühen wir Auszüge aus einem etwas länger zurückliegenden Fahrbericht aus der eigenen Feder, in dem es hieß: „Am BMW 5er gibt es nichts auszusetzen. Bis der Alpina B5 Biturbo vorfährt. Er tut dies auch als Kombi, was dem ohnehin ausgeprägten Understatement die berüchtigte Krone aufsetzt. Den Allgäuer Autobauern sind falsche Versprechen offenbar ein Gräuel, weshalb sie den Tachometer auf 340 km/h taxieren. Der B5 schiebt auf tatsächliche 330 km/h, was er mit recht beachtlichem Elan ohne spürbare Beeinträchtigung durch die Elemente erledigt. Jegliche Form von Krawall ist dem B5 fremd, der Motor verzichtet auf Gebrüll, und der über die formidable ZF-Achtgangautomatik transferierte Vorwärtsdrang ist so stürmisch wie frei von Angebertum. Selbstredend liefert BMW eine exzellente Vorlage, Basis ist der 540 iX. Alpina tüftelt zwei Jahre am Motor, ersetzt den Sechs- durch seinen Achtzylinder, reizt Kolben und Kennfelder aus. Fünf Motorenprüfstände und einen Abgasrollenstand nennt das Familienunternehmen sein Eigen. Heraus kommen 1650 Autos im Jahr, denen die Freude an der Technik und der Hang zur Pedanterie ihrer Erbauer in jeder Faser anzumerken ist. Es ist eines der besten Autos, das je in dieser Redaktion zu Gast war.“ Zuletzt waren es 2500 Autos im Jahr. Keines weniger als 200.000 Euro teuer.Die neue BMW-Welt, unverkennbar. Alpina möchte noch eins draufsetzen, so in allem.HerstellerDie die dünne Luft ihrer Aufgabe spürbar erkennenden Manager um den Markenvorsitzenden Oliver Viellechner werfen Folien an die Wand, lauter Bergspitzen. Berge waren das Symbol des Schreibmaschinenherstellers, auf den Alpina im Kern zurückgeht. Berge weisen nach oben, zu messen wäre sich mit Range Rover, Maybach, Ferrari. Die Kundschaft ist nicht irgendwer, Connaisseur trifft es recht präzise. Es gibt, konstatiert BMW, immer mehr wohlhabende Menschen auf der Welt, die Gruppe wächst jährlich um rund acht Prozent. Viele davon wollen Luxus weniger protzig nach außen zeigen, heißt es. Ob alles noch so stimmt in diesen Krisenzeiten, wer weiß das. Aber langfristige Strategien sind langfristige Strategien. „Wir wollen auf dezente, subtile Weise das Besondere zeigen“, sagen die BMW-Alpinas.Auf subtile Weise das Besondere zeigt im Konzern freilich schon Rolls-Royce. Aber zwischen dem oberen Ende der Kernmarke BMW und Rolls-Royce ist Spielraum zu erkennen. Es gab dem Vernehmen nach hitzige Debatten in der Designabteilung. Mit dem Ergebnis, auf das Wirken von Burkard Bovensiepen schauen zu wollen, wie er es gemacht hätte. Den Charakter dieser Gründer zu verstehen wie Enzo Ferrari, Walter Owen Bentley oder Ettore Bugatti.Mit einem BMW 1500 hatte Alpina schließlich angefangen. Motto: schnell sein, aber mit Stil und Komfort. Heute: Speed not Sport. Womit die Abgrenzung zu M erreicht wäre. Es wird eigenen Konfigurator geben. Und einen Markenclaim, der da lautet: Elevating Journeys. Nicht jeder BMW-Händler wird Alpina haben, es brauche eine eigene Markenwelt im Handel, heißt es.Sofort wiedererkannt, oder? Die Speichenfelgen, die bleiben wie seit 1971HerstellerDie DNA der neuen Alpina mündet denn in eine Symbiose aus Botschaft, Können und Wissen um das Können. Vier Endrohre. Alpina als Name auf dem Heck ausgeschrieben. Alle Modelle mit Höchstgeschwindigkeit jenseits 300 km/h. Wie eine Submariner-Uhr, nicht jeder testet die möglichen 300 Meter Wassertiefe, aber es ist ein gutes Gefühl, falls sie mal in die Spüle fällt. Es wird eine große Bandbreite an Individualisierung geben, keine protzigen Logos. Der Fahrmodus Komfort Plus wird als Teil der Philosophie verstanden, mithin beibehalten. Speed Plus empfiehlt sich für Leichtigkeit Richtung Ziel. Qualität, Präzision, Licht, Abstimmung von Fahrwerk und Antrieb stehen im Lastenheft. 50 Prozent möge die Eroberungsrate erreichen, lautet die Hoffnung. Regional ist an Erweiterungen gedacht Richtung mittlerer Osten, China, Korea.Der Fischer C4, der legendäre Ski des legendären Franz Klammer, hat mit seiner Grafik Bovensiepen zu der für Alpina charakteristischen Dekorlinie inspiriert. Die Dekorlinie wird, man ist ja modern, zur Signature Line. Die wiederum unter der letzten Lackschicht aufgetragen wird, das ist nicht ganz trivial, derweil recht edel. Es gibt auch Zweifarblackierung, hier wird es dann technisch herausfordernd mit der Signature. Die Felgen haben 20 Speichen, wie seit 1971 gewohnt und geschätzt. Das Alpina-Logo trägt farblos, was wir halbgenial finden. Kurbelwelle und Doppelvergaser als Markensymbole bleiben erhalten, obgleich erwartet werden darf, dass im Technologieoffenheit predigenden Konzern keine Verengung auf eine Antriebsart betrieben werden wird.Angefangen wird erst mal oben, mit Verbrennungsmotor, mit dem 7er als Basis. Das Ausblicksmodell misst 5,20 Meter Länge, befeuert von einem V8. Es wird preislich dort anfangen, wo BMW aufhört.Zwecks Wegfindung noch ein Auszug aus den begleitenden Texten. Besondere Aufmerksamkeit gelte, lässt BMW wissen, den nach innen gewandten Rückflächen, die nämlich sind „in einem dunklen Metallicton ausgeführt, der seine volle Wirkung erst bei genauerem Hinsehen entfaltet. Dieser Ansatz ist vom BMW 507 inspiriert, bei dem Chrom ausschließlich an den Innenseiten der Niere zum Einsatz kam. Auch die Shark Nose verkörpert diese Second-Read-Raffinesse.“ Nächster Satz: „Der Vision BMW Alpina versteht sich als respektvolle Interpretation des Markenerbes Alpinas.“ Die beiden Welten werden noch in Harmonie verschmelzen, hoffentlich. Das Erbe nämlich braucht kein denglisches Lametta, es vermacht einfach eines der besten Autos der Welt, in seiner feinsinnigen Finesse wahrscheinlich das beste.Derweil machen Bovensiepens Junioren übrigens weiter, mit einer eigenen Marke, Bovensiepen nämlich. Wieder dicht an BMW. Darum kümmern wir uns ein anderes Mal.
Neustart von Alpina: Das beste Auto der Welt
Das ist doch mal ein Anspruch. Aber nicht völlig verwegen. Die Vorleistung ragt heraus. Nun muss BMW beweisen, was es mit Alpina kann. 300 km/h flott werden sie alle sein.













