Berlin (dpa/bb) - Am Ende ist die Wahl von Kai Wegner zum CDU-Spitzenkandidaten für die Abgeordnetenhauswahl dann doch eine klare Sache gewesen. Zwischendurch gab es beim Landesparteitag am Dienstagabend aber viele irritierte Gesichter und einige sehr ernste. Der Regierende Bürgermeister und CDU-Landesvorsitzende hatte für seine mehr als einstündige Rede zwar langen Beifall bekommen. Aber dann trat ein Mann ans Mikrofon, der die Parteitagsregie kräftig durcheinander brachte. Wolfram Wickert, ein 85 Jahre alter Delegierter aus dem Kreisverband Mitte, warnte vor Wegner als Spitzenkandidaten. Und nicht nur das: Der Bruder des langjährigen bekannten TV-Moderators Ulrich Wickert erklärte kurz darauf auch seine eigene Kandidatur. Ursprünglich war geplant, über Wegner per Handzeichen abstimmen zu lassen, nun gab es eine geheime Wahl. Das dauerte seine Zeit - für die Auszählung der Stimmzettel wurde der Parteitag sogar vorübergehend unterbrochen. Und bei manchen Anwesenden war eine gewisse Nervosität durchaus zu spüren - schließlich machen geheime Wahlen Denkzettel möglich, für die in der Öffentlichkeit deutlich mehr Mut nötig wäre. Aber der Aufstand gegen Wegner blieb aus: Mit 92,6 Prozent bekam der CDU-Landeschef ein klares Ergebnis. Breite Mehrheit für Wegner Nach Angaben der CDU erhielt er 252 von 272 abgegebenen Stimmen, 18 entfielen auf Wickert, zwei Stimmzettel waren ohne Hinweis auf den favorisierten Kandidaten abgegeben worden. Wolfram Wickert trat beim CDU-Landesparteitag gegen CDU-Landeschef Kai Wegner an. Annette Riedl/dpaWegner wirkte nach Bekanntgabe des Ergebnisses erleichtert: „92,6 Prozent in geheimer Abstimmung - das ist Unterstützung“, sagte er. „Ich will Regierender Bürgermeister bleiben - was denn sonst!“ Und er gab sich demonstrativ motiviert: „Wir wollen jetzt Wahlkampf machen.“Ob das Ergebnis als klares Votum für Wegner zu sehen ist, die Gegenkandidatur aber zumindest als Schönheitsfehler, war nach Ende des Parteitags eines der Diskussionsthemen unter CDU-Mitgliedern.Viel Kritik an Wegner Klar ist: Die Delegierten hatten es in der Hand, Wegner abzustrafen, nutzten die Möglichkeit aber nicht. Dabei gab es öffentlich und auch parteiintern seit Jahresbeginn immer wieder deutliche Kritik am Regierenden Bürgermeister. Die Vorwürfe richten sich zum Beispiel gegen sein Verhalten zu Beginn des großen Stromausfalls, als er Tennis spielen ging, statt sich bei den Betroffenen blicken zu lassen und gegen die Berufung des inzwischen entlassenen Digitalstaatssekretärs Matthias Hundt, die vielen als leichtsinnig erschien. Dass er sich immer wieder für die nächtliche Schließung des Görlitzer Parks starkgemacht hat, der Görli nach einer Gerichtsentscheidung aber nun wieder offen bleiben muss, hat Wegner zusätzlich geschadet. Der Spitzenkandidat kann im Wahlkampf nun zumindest darauf verweisen, dass die Delegierten sich fast geschlossen hinter ihm versammelt haben.© dpa-infocom, dpa:260610-930-199154/1

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